{"id":16305,"date":"2005-12-27T10:31:28","date_gmt":"2005-12-27T10:31:28","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/12\/reginald-hill-bones-and-silence\/"},"modified":"2022-06-15T01:02:56","modified_gmt":"2022-06-14T23:02:56","slug":"reginald-hill-bones-and-silence","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/12\/reginald-hill-bones-and-silence\/","title":{"rendered":"Reginald Hill: Bones and Silence"},"content":{"rendered":"\n<p>OK, die Schlacht ist geschlagen und der \u2192<a href=\"http:\/\/www.thecwa.co.uk\/daggers\/2005\/daggerofdaggers.html\">Dagger of Dagger<\/a> vergeben. Reginald Hills \u201eBones and Silence\u201c war eines der nominierten B\u00fccher und hat nicht gewonnen. Dennoch, der einzigartige Stil Hills verdient eine Rezension in \u201ewatching the detectives\u201c.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Reginald Hill schreibt nicht nur in der Tradition der klassischen englischen Literatur. Nein, diese Literatur ist f\u00fcr ihn auch ein Steinbruch. Seine B\u00fccher sind voll mit Zitaten und Anspielungen auf die gro\u00dfen Literaten wie Shelley, Byron oder Shakespeare &#8211; ohne Referenz und ohne Anf\u00fchrungsstriche. Diese kann man als Leser erkennen (selten), oder es mag einem auffallen, dass ein Satz zur Gegenwartssprache quersteht (h\u00e4ufiger), oder aber man nimmt es nicht wahr. Und Hill versteht es, derartige Bez\u00fcge bruchlos in seine sprachlich gekonnten Werken einzubauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was sich ein wenig wie eine freudlose Angelegenheit f\u00fcr Anglisten anh\u00f6ren mag, kann sich heutzutage jeder Leser des Originals im Internet selber erschlie\u00dfen. Als Leser der \u00dcbersetzungen muss man dagegen darauf hoffen, dass diese kompetent kommentiert sind, denn dort d\u00fcrften die literarisch feinen Bez\u00fcge weder erkennbar noch ableitbar sein.<\/p>\n\n\n\n<p>In \u201eBones and Silence\u201c st\u00fctzt diese Stilistik einen gelungenen Plot. Es f\u00e4ngt damit an, dass Detective Superintendent Andrew Daziel, mehr oder weniger voll getankt, sich in einen Eimer auskotzt und im Nachbargeb\u00e4ude eine Szene beobachtet. Er ist \u00fcberzeugt einen Mord zu beobachten. Nun ja, der vermeintliche \u201eT\u00e4ter\u201c und ein im Raum anwesender Zeuge erkl\u00e4ren das Geschehen ganz anders, erz\u00e4hlen was von Unfall &#8230; und dann taucht der Zeuge ab. Kein Wunder also, dass der Fall vom Gericht als tragischer Unfall gewertet wird. Kein Wunder aber auch, dass der r\u00fcde daherkommende Superintendent Dalziel und seine Mitarbeiter, insbesondere sein Vertrauter, Peter Pascoe gegen den Wunsch des Polizeichefs den Fall weiter untersuchen. Dabei hat die Abteilung Daziels ansonsten genug Arbeit mit Fu\u00dfballhooligans, verschwundenen Personen und einer geheimnisvollen Frau, die ihren Selbstmord in mehreren Briefen an Dalziel ank\u00fcndigt. Und auch dass Dalziel im lokalen Mysterienspiel als Gott auftreten soll, besch\u00e4ftigt ihn mehr, als er sich eingestehen will.<\/p>\n\n\n\n<p>Was so wirkt, als spule Hill das \u00fcbliche Programm eines modernen britischen Krimis ab, erh\u00e4lt seinen besonderen Reiz, als 100 Seiten vor Ende des Buches eine Person ins Dienstzimmer tritt und mitteilt, sie habe etwas zu gestehen. Daraus entwickelt sich dann \u201eKrimischach\u201c vom Feinsten, vorgetragen von einem Autor, der jederzeit Herr seiner zur Papier gebrachten Fantasie ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Reginald Hill ist in \u201eBones and Silence\u201c eine wunderbare Inszenierung gelungen. Die Mitwirkenden sind kr\u00e4ftig und glaubw\u00fcrdig gezeichnet, das Gleichgewicht zwischen Dalziel, Pascoe und den anderen Polizisten der Abteilung ist besser gewahrt als in den fr\u00fchen Werken Hills und &#8211; wie schon gesagt \u2013 es ist ein Spa\u00df und Vergn\u00fcgen, dieses unangestrengt wirkende Buch zu lesen. Bleibt vielleicht die Frage, weswegen Hill nicht den \u201eDagger of Dagger\u201c erhielt. Ich wei\u00df nicht, was die Jury dazu bewog, John Le Carre den Preis zu geben, aber sagen wir mal, dass meiner pers\u00f6nlichen Meinung nach im Feld der nominierten B\u00fccher mindestens zwei B\u00fccher waren, deren Bedeutung f\u00fcr das Genre gr\u00f6\u00dfer ist.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Reginald Hill: Bones and Silence. <br \/>Dell 1990. 448 Seiten, 7,49 \u20ac <br \/>(deutsche \u00dcbersetzung: \"Die dunkle Lady meint es ernst\". Europa 2003. 415 Seiten, 24,90 \u20ac)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>OK, die Schlacht ist geschlagen und der \u2192Dagger of Dagger vergeben. Reginald Hills \u201eBones and Silence\u201c war eines der nominierten B\u00fccher und hat nicht gewonnen. 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