{"id":16312,"date":"2005-12-29T08:51:09","date_gmt":"2005-12-29T08:51:09","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/12\/val-mcdermid-echo-einer-winternacht\/"},"modified":"2022-06-12T21:46:50","modified_gmt":"2022-06-12T19:46:50","slug":"val-mcdermid-echo-einer-winternacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2005\/12\/val-mcdermid-echo-einer-winternacht\/","title":{"rendered":"Val McDermid: Echo einer Winternacht"},"content":{"rendered":"\n<p>Sie wollen einen Krimi schreiben und wissen nicht wie? Plot, Handlungsstr\u00e4nge, Spannungsb\u00f6gen, falsche und echte Spuren &#8211; nichts als b\u00f6hmische D\u00f6rfer? Bevor Sie sich in eine &#8222;Krimischule&#8220; begeben: Lesen Sie Val McDermid. Die verr\u00e4t Ihnen, wie man perfekte Krimis schreibt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Vier Freunde, Studenten in Aberdeen, geraten unter Mordverdacht, als sie in einer Vorweihnachtsnacht buchst\u00e4blich \u00fcber die schlimm zugerichtete Leiche der Barfrau Rosie Duff stolpern. Sind Sie nur Zeugen oder ist wenigstens einer von ihnen gar der T\u00e4ter? Die Polizei ermittelt, wenngleich seltsam ergebnislos, die vier Freunde verwickeln sich in Widerspr\u00fcche, die Stimmung in der Bev\u00f6lkerung ist gegen sie, und bald zeigt sich, wie labil diese bisher doch so unverbr\u00fcchlich scheinende Freundschaft in Wirklichkeit ist.<\/p>\n\n\n\n<p>All das geschieht im Dezember 1978, und der Leser wei\u00df, dass auf diesen 220 Seiten der M\u00f6rder nicht seiner gerechten Strafe zugef\u00fchrt werden wird. Er liest sich quasi durch die Expositionsszene f\u00fcr den zweiten Teil, der im Jahr 2003 spielt \u2013 und schon hier ger\u00e4t man in die F\u00e4nge der Autorin. Manchmal ist man etwas genervt von dem Tempo, mit dem sie die Freundschaft der Vier zerst\u00f6rt. Aber seltsam: Alex, Ziggy, Mondo und Weird, die sich hier in den Maschen der Vorurteile und Vorverurteilungen verfangen, bleiben stets interessante Personen, wohl auch, weil man als Leser wei\u00df, dass man sehen wird, was in 25 Jahren aus ihnen geworden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Teil zeigt uns die Vier im gesetzten Alter. Aus allen ist etwas geworden. Alex fabriziert Postkarten, Ziggy lebt mit seinem Freund in den USA und ist erfolgreicher Arzt, Mondo hat eine Dozentenstelle an der Uni und Weird, den wir als Zyniker kennenlernten, hatte sein Erweckungserlebnis und predigt nun f\u00fcr eine fundamentalistische Sekte. Wir wissen noch immer nicht, was wir von den Jungs halten sollen. Sind sie unschuldig oder nicht? Die Autorin forciert den Erkenntnisprozess und l\u00e4sst Ziggy und Mondo binnen weniger Tage ermorden. Ja \u2013 endlich! Wir sind einen Schritt weiter als die Polizei, denn wir wissen, wers war. Glauben wir wenigstens.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Weird einem \u00dcberfall nur knapp entgeht, m\u00fcssen die \u00dcberlebenden handeln und den M\u00f6rder auf eigene Faust ermitteln, denn die Polizei, die die Fall wieder aufgerollt hat, erweist sich auch diesmal als unf\u00e4hig und inaktiv. Es kommt zum gro\u00dfen Showdown gleich auf mehreren Ebenen. Alex\u2019 neugeborene Tochter wird entf\u00fchrt, eine alte Spur f\u00fchrt zur \u00fcberraschenden L\u00f6sung, die F\u00e4den verbinden sich schlie\u00dflich und am Ende ist alles nicht so, wie es sich der Leser h\u00e4tte tr\u00e4umen lassen, aber es ist logisch, es macht Sinn.<\/p>\n\n\n\n<p>Val McDermid ist weder eine besonders herausragende Stilistin noch besitzt sie besondere F\u00e4higkeiten, Atmosph\u00e4ren eindringlich zu schildern. Daf\u00fcr verf\u00fcgt sie \u00fcber eine geradezu erschreckende Sicherheit im Umgang mit den Mitteln des Spannungsromans. Sie spielt mit den Reflexen ihrer Leser, h\u00e4lt sie bei Laune, f\u00fchrt sie auf falsche Spuren, treibt die Handlung auf diversen Ebenen voran, garniert das Ganze mit wohltemperierter Action und wirkt dabei zu keinem Zeitpunkt unglaubw\u00fcrdig. Was sie uns \u00fcber die Gesellschaft, \u00fcber die psychischen Befindlichkeiten ihres Personals mitzuteilen hat, mag letztlich belanglos sein: WIE sie uns das serviert, ist gro\u00dfe Kunst.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Val McDermid: Echo einer Winternacht. <br \/>Knaur 2005. 554 Seiten, 9,95 \u20ac<\/pre>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie wollen einen Krimi schreiben und wissen nicht wie? Plot, Handlungsstr\u00e4nge, Spannungsb\u00f6gen, falsche und echte Spuren &#8211; nichts als b\u00f6hmische D\u00f6rfer? Bevor Sie sich in eine &#8222;Krimischule&#8220; begeben: Lesen Sie Val McDermid. 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