{"id":16318,"date":"2006-01-03T08:53:38","date_gmt":"2006-01-03T08:53:38","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/01\/eric-ambler-journey-into-fear\/"},"modified":"2022-06-15T00:43:04","modified_gmt":"2022-06-14T22:43:04","slug":"eric-ambler-journey-into-fear","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/01\/eric-ambler-journey-into-fear\/","title":{"rendered":"Eric Ambler: Journey into fear"},"content":{"rendered":"\n<p>Unser Bild vom zweiten Weltkrieg in Europa wird zumeist vom Kampf zweier gigantischer Kolosse um das weitere Schicksal des Kontinents dominiert \u2013 letztlich nat\u00fcrlich zurecht. Es ist das Verdienst von Autoren wie Eric Ambler oder Alan Furst, dass wir die m\u00fchsamen Versuche der kleineren L\u00e4nder Europas, ihr \u00dcberleben zu sichern, nicht aus den Augen verlieren.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Graham arbeitet als Ingenieur bei einem R\u00fcstungskonzern. Der zweite Weltkrieg ist gerade 3 Monate alt. England und die T\u00fcrkei haben einen Pakt geschlossen und Graham wird in die T\u00fcrkei geschickt, um die waffentechnische Aufr\u00fcstung t\u00fcrkischer Schiffe vorzubereiten. Am letzten Abend seines Aufenthaltes wird er Opfer eines \u00dcberfalls und dabei fast erschossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Graham ist ein f\u00fcr Ambler typischer Protagonist. Eigentlich ist er kein Held, kein Typ der sich im Kugelhagel wohlf\u00fchlt und den Umgang mit zwielichtigen Gestalten pflegt. Nein, er ist ein versonnener Mensch, Kanonen sind f\u00fcr ihn die L\u00f6sung einer Abfolge mathematischer Formeln, die es einem erm\u00f6glicht, auf Knopfdruck ein Projektil \u00fcber eine gr\u00f6\u00dfere Entfernung in Ziel zu bringen. Er liest gerne und freut sich daran, dass seine Frau popul\u00e4r ist. Und nun das &#8230; nat\u00fcrlich war der \u00dcberfall nicht von einem ungeschickten Einbrecher ver\u00fcbt worden &#8230; er findet sich pl\u00f6tzlich auf einem Schiff im Mittelmeer und fragt sich, was als n\u00e4chstes passiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Pl\u00f6tzlich ist Graham wichtig. Der deutsche Geheimdienst will ihn und sein Wissen aus dem Weg schaffen und der t\u00fcrkische Geheimdienst, dass er sicher nach England kommt. Helden, so die Botschaft Eric Amblers, werden nicht geboren, sie entspringen dem Zufall.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJourney into Fear\u201c ist kein Whodunit klassisch britischer Pr\u00e4gung und nur bedingt ein moderner Thriller. Heutige Autoren w\u00fcrden das alles etwas rasanter erz\u00e4hlen. Sie w\u00fcrden vielleicht nicht so wie Ambler Spannung nebenher schaffen, sondern mit atemstockender Gr\u00fcndlichkeit. Sie w\u00fcrden die verschiedenen Personen des Buches vollpumpen mit Konflikten, dass der Plot nahezu berstet, und sehr wahrscheinlich w\u00fcrden sie nicht so gelungen die Personen darstellen und dem Buch eine Dimension geben, die aus dem Krimigeschehen herausf\u00fchrt.<br \/>Das Buch beschreibt schlie\u00dflich Ereignisse, die eine Z\u00e4sur im Leben Grahams darstellen. Aus so einem Abenteuer, wenn man es denn \u00fcberlebt, geht man nicht unver\u00e4ndert heraus. Seine Personen haben Tiefe und die Szenerien Plastizit\u00e4t, Ambler ist ein erstklassiger Schriftsteller, der sehr n\u00fcchtern schreibt. So dass immer ein wenig die Gefahr besteht, seine Qualit\u00e4t zu \u201e\u00fcberlesen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie in den anderen B\u00fcchern seiner fr\u00fchen Periode ist es auch ein Buch, in dem sehr stark politisiert wird. Man kann sich gut vorstellen, dass Ambler f\u00fcr die Art und Weise, wie die Eigent\u00fcmer von R\u00fcstungsfirmen in diesem Buch wegkommen, zum Zeitpunkt als es auf dem Markt kam (Sommer 1940), m\u00e4chtige Kritik erhielt. So ist dann der Titel des Buches sowohl eine Ank\u00fcndigung der Seefahrt Grahams und dessen, was da auf ihn zukommt, als auch eine Metapher f\u00fcr das, was in Europa passieren wird. Ein unterhaltsames und lesenswertes Buch.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Eric Ambler: Journey into fear. \nVintage Books USA 2002. 288 Seiten, 11,50 \u20ac \n(deutsch als \"Die Angst reist mit\". Diogenes 1996. 298 Seiten, 9,90 \u20ac)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Bild vom zweiten Weltkrieg in Europa wird zumeist vom Kampf zweier gigantischer Kolosse um das weitere Schicksal des Kontinents dominiert \u2013 letztlich nat\u00fcrlich zurecht. 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