{"id":16323,"date":"2006-01-05T08:47:07","date_gmt":"2006-01-05T08:47:07","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/01\/kurzrezensionen-2\/"},"modified":"2022-06-17T17:49:26","modified_gmt":"2022-06-17T15:49:26","slug":"kurzrezensionen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/01\/kurzrezensionen-2\/","title":{"rendered":"Kurzrezensionen -2-"},"content":{"rendered":"\n<p>Alles muss raus, 2005 ist pass\u00e9. Hier also noch einmal drei Krimis des vergangenen Jahres in kurzen Rezensionen.<\/p>\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"335\" height=\"180\" src=\"\/weblog\/2006\/cover\/kurzrezis_2.jpg\" alt=\"kurzrezis_2.jpg\"\/><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Und wir beginnen mit einem jener Krimis, die nur vorgeben, Krimis zu sein oder als solche gehandelt werden, weil sie mit den Mitteln des Krimis arbeiten. Kristof Magnusson, einer Deutscher isl\u00e4ndischer Abstammung hat mit \u201eZuhause\u201c ein wirklich feines Deb\u00fct vorgelegt, die im besten Sinne tragikomische Geschichte des jungen Larus, der Weihnachten auf Island verbringt und feststellen muss, wie seine festgef\u00fcgte Welt aus Freundschaften in die Br\u00fcche geht. Der Freund hat ihn verlassen, seine einzige Vertraute vertraut ihm nicht mehr. Sprachlich leichtf\u00fc\u00dfig kommt das daher, voller absonderlicher Ideen auch, ja, und durch das Ganze zieht sich \u201esuspense\u201c wie eine eiserne Klammer. Brandstiftung, K\u00f6rperverletzung, ein seltsamer Todesfall, vor allem aber ein seit tausend Jahren geh\u00fctetes Familiengeheimnis sorgen f\u00fcr Spannung. Kein Krimi, das nicht. Aber ein weiteres Beispiel daf\u00fcr, dass man mit Elementen des Krimis auch au\u00dferhalb des \u201eGenres\u201c gut arbeiten kann. Am Ende vielleicht ein wenig wirr, aber der Roman entsch\u00e4digt einen spielerisch daf\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleich zwei Krimis bietet \u201eRaid und der dumme Junge\u201c von Harri Nyk\u00e4nen. Sympathischer Auftragskiller hilft titelgebendem dummen Jungen, der sich auf einen Konflikt mit der s\u00fcdamerikanischen Drogenmafia eingelassen hat. So weit, so haneb\u00fcchen eigentlich. Aber Nyk\u00e4nen l\u00f6st das Problem souver\u00e4n. Der andere Fall n\u00e4mlich ist konventionell und wird von einer durchaus originellen Truppe regul\u00e4rer Kriminalisten bearbeitet: Eine Stewardess und ihr bolivianischer Geliebter werden tot aufgefunden, die Handlungsstr\u00e4nge der beiden Geschichten laufen direkt aufeinander zu. Das ist, mit einem Wort, unpr\u00e4tenti\u00f6s erz\u00e4hlt, ohne die g\u00e4ngigen Klischees vom guten Kern in der verdorbenen H\u00fclle zu bem\u00fchen, ohne aufgesetzte Moral, daf\u00fcr aber mit einem stimmigen Ende. \u201eRaid und der dumme Junge\u201c ist einer der Gr\u00fcnde, warum ich hinsichtlich des skandinavischen Krimis doch nicht so schwarz sehe, wie ich es eigentlich gerne m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, und dann w\u00e4re da noch Charles Todd mit seinem Inspektor Ian Rutledge, in dem eine \u201ezweite Stimme\u201c rumort und an die Grauen des Stellungskriegs im Ersten Weltkrieg erinnert. Hatten wir ja \u2192<a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/12\/charles-todd-dunkle-spuren.php\"> k\u00fcrzlich <\/a>schon, und damals sagte ich, eine geniale Idee sei nicht genug, vor allem dann nicht, wenn man sie st\u00e4ndig wiederk\u00e4ue. Dabei bleibe ich auch. \u201eDie zweite Stimme\u201c ist chronologisch der erste Band der Reihe, unterscheidet sich in seiner Story aber kaum von den Nachfolgern. Rutledge wird aufs Land geschickt, um einen Mord aufzukl\u00e4ren, es entwickelt sich ein typischer Whodunit auf durchaus hohem Unterhaltungsniveau. Aber diese ewige \u201eSch\u00fctzengrabenneurose\u201c&#8230; dieses ewige Anspielen auf das unfassbare Grauen des Krieges&#8230; Schade. Hier h\u00e4tten die beiden Autorinnen, Mutter und Tochter, die sich ein Pseudonym teilen, ihre Idee weiterentwickeln m\u00fcssen \u2013 oder ganz langsam in den Hintergrund dr\u00e4ngen. Doch, doch, das liest sich alles gut, eigentlich. Aber nur, wenn man Todds \u201egeniale Idee\u201c beim Lesen ausblendet.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Kristof Magnusson: Zuhause. <br \/>Kunstmann 2005. 315 Seiten, 19,90 \u20ac<\/pre>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Harri Nyk\u00e4nen: Raid und der dumme Junge. <br \/>Grafit 2005. 284 Seiten, 9,50 \u20ac<\/pre>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Charles Todd: Die zweite Stimme. <br \/>Heyne 2005. 383 Seiten, 9,95 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alles muss raus, 2005 ist pass\u00e9. 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