{"id":16335,"date":"2011-07-25T07:45:38","date_gmt":"2011-07-25T07:45:38","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/07\/dr-watson-bloggt\/"},"modified":"2022-06-17T18:10:52","modified_gmt":"2022-06-17T16:10:52","slug":"dr-watson-bloggt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/07\/dr-watson-bloggt\/","title":{"rendered":"Dr. Watson bloggt"},"content":{"rendered":"\n<p>Das musste man sich ja angucken. Mit der BBC-Miniserie \u201eSherlock\u201c sei praktisch das Fernsehen als Krimiaufbereitungsmaschine neu erfunden worden, so legten es die euphorischen Vorbesprechungen nahe, aber wieso, fragte man sich unwillk\u00fcrlich, strahlt sie die ARD dann \u00fcberhaupt aus, neckischerweise auch noch nach dem Sonntags-Tatort, f\u00fcr den man ja das Fernsehen nicht neu erfinden muss, sondern schleunigst bald abschaffen, wie es ebenfalls als Herzenswunsch gerade medial im Umlauf ist. Nun denn. Also die erste Folge schauen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Grundidee ist simpel: Sherlock Holmes und sein Dr. Watson leben im Hier und Jetzt, 2010. Dr. Watson ist als Kriegsverletzter traumatisiert aus Afghanistan zur\u00fcckgekehrt, er geht am Stock, psychosomatisch, meint seine Analytikerin und empfiehlt ihrem Patienten, sich einen Blog zuzulegen. Was der auch tut, aber kein Wort schreibt. Sympathisch. Daf\u00fcr lernt er Holmes kennen, teilt sich mit ihm die Wohnung in der Bakerstreet und wird sogleich in den ersten Fall gezogen, eine Reihe mysteri\u00f6ser Selbstmorde, die selbstverst\u00e4ndlich keine Selbstmorde sind. Sherlock Holmes zeigt nun die verbl\u00fcffenden Fr\u00fcchte seiner kombinatorischen Genialit\u00e4t, er deduziert zum Steinerweichen, verbl\u00fcfft Watson, Inspector Lestrade und die Zuschauerschaft, aber nat\u00fcrlich nicht diejenigen, die wissen, dass Deduktion in Kriminalromanen selten ohne Induktion auskommt und das Ganze den ber\u00fchmten Zirkelschluss produziert. Lege rein, was du rausziehen willst, auf dass man \u00fcberzeugt ist, es sei schon immer drin gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und genau das macht der Film tats\u00e4chlich grandios. Kameraf\u00fchrung und Schnitte sind nicht wirklich \u201eneu\u201c, aber gut eingesetzt und komponiert. Die Idee, Schrift einzublenden &#8211; am sch\u00f6nsten bei Holmes\u2019 deduktiver Arbeit an einer Frauenleiche, der er einen zu ihren Lebzeiten hohen Liebhaberverbrauch attestiert -, diese Idee ist allerliebst. Hinzukommen durchdachte Dialoge, h\u00fcbsche Situationswitze und \u00fcberhaupt, wie es die Vorabkritiker einem schon versprachen, keine Minute Langeweile. Die Geschichte ist auch nicht sehr verworren, eigentlich sogar recht simpel, aber das muss man erst einmal hinkriegen ohne F\u00fcllstoff. \u201eSherlock\u201c schafft das.<\/p>\n\n\n\n<p>Ansonsten werden so ziemlich alle Verbindungen zum Original souver\u00e4n in den Film eingewoben. Die Geige, die Drogen, sogar die Frage, ob wir es bei Holmes und Watson mit dem ersten schwulen Ermittlerp\u00e4rchen der Kriminalliteratur zu tun haben. Antwort: Klar doch, aber reden wir nicht weiter dr\u00fcber. Dass Dr. Watson schon immer die interessantere der beiden Figuren war \u2013 nun denn, auch das unterstreicht der Film.<\/p>\n\n\n\n<p>Am fiesesten der Schluss. Endlich sitzen sich Holmes und der Serienkiller gegen\u00fcber und der Detektiv erf\u00e4hrt, wie die Selbstm\u00f6rder zu ihren Taten gezwungen wurden. Sie mussten eine Entscheidung treffen, eine 50:50-Angelegenheit \u2013 und der M\u00f6rder gewinnt immer. Aber wieso? Das m\u00f6chte der M\u00f6rder von Holmes wissen, das m\u00f6chte der Zuschauer von Holmes wissen \u2013 und erf\u00e4hrt es nicht. Der n\u00e4mlich hat keine Ahnung, mag er auch beteuern, es sei ein Kinderspiel gewesen, hinter den Clou zu kommen. Der Zuschauer, die Zuschauerin, sie m\u00fcssen also selbst die L\u00f6sung deduzieren (Ich hab eine m\u00f6gliche gefunden, aber ich verrate sie nicht), auf jeden Fall eine h\u00fcbsche D\u00fcpierung, T\u00e4uschung der Erwartungshaltung etc., daf\u00fcr lieben wir die guten Krimis ja.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Erwartungshaltung als Fernseher w\u00fcrde indes nicht entt\u00e4uscht. Sch\u00f6ner Einstieg (mit dem Titel \u201eA Study in Pink\u201c), zwei Filme an den kommenden Sonntagen, jeweils 21 Uhr 45 nach dem Tatort, Bruder Mycroft spielt auch mit, Moriarty wurde erw\u00e4hnt, die Schauspieler sind klasse (am besten der M\u00f6rderdarsteller), das k\u00f6nnen nur die Briten, sagt man, aber Bl\u00f6dsinn, das k\u00f6nnten die anderen auch, aber sie trauen sich halt nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das musste man sich ja angucken. 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