{"id":16350,"date":"2011-07-29T07:17:21","date_gmt":"2011-07-29T07:17:21","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/07\/250\/"},"modified":"2022-06-07T01:48:23","modified_gmt":"2022-06-06T23:48:23","slug":"250","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2011\/07\/250\/","title":{"rendered":"250"},"content":{"rendered":"\n<p>Dass ein Autor nicht wei\u00df, wohin ihn sein Weg f\u00fchrt, wenn er einen Krimi beginnt, nun ja, so neu ist das nicht. Aber die meisten haben einen PLAN, wenigstens die Ahnung eines Plots, eine Plastikt\u00fcte voller Ideen, beim gro\u00dfen Discounter Kriminalliteratur in den Einkaufswagen geworfen, und dann gehen sie daran, sich daraus ihr eigenes S\u00fcppchen zu kochen. Und irgendwann wird alles anders, das Ding entwickelt EIGENDYNAMIK und das ist entweder gut oder schlecht, aber wurscht, it\u2019s Krimi.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das \u2192<a href=\"http:\/\/droodprojekt.wordpress.com\/\">Edwin-Drood-Projekt <\/a>war von Beginn an anders konzipiert. Kein Plan, nur eine einzige Idee. Den guten Charles Dickens hatte es, er steckte mitten in seinem Kriminalroman \u201eDas Geheimnis des Edwin Drood\u201c, existenzm\u00e4\u00dfig aus der Bahn gekegelt, mausetot war der Autor und der Krimi ein ewiges Fragment. Edwin Drood irrt seitdem als der gro\u00dfe Untote des Genres durch die Zeitl\u00e4ufte, der Ahasver der Spannungsliteratur, Schrecken aller LeserInnen im Zeitalter der Aufkl\u00e4rung \u2013 nein, nicht DIE Aufkl\u00e4rung oder gar die dialektische, nur die schn\u00f6de Aufkl\u00e4rung \u00e0 la \u201eDer Kommissar wies auf Mrs Ackroyd und sagte: \u201aSie sind die M\u00f6rderin\u2019\u201c. Das fand ich schon immer allerliebst. Der Tod selbst verhindert es, einen Mord aufzukl\u00e4ren \u2013 wenn es denn \u00fcberhaupt ein Mord war, dem der gute Edwin da zum Opfer gefallen ist \u2013 oder h\u00e4tte fallen sollen, denn keine Ahnung, ob Dickens wusste, was es mit seinem Titelhelden auf sich haben w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedenfalls: Das Edwin-Drood-Projekt wurde gestartet, um genau dieses Szenario nachzubilden. Ein Autor beginnt mit einem Krimi, ver\u00f6ffentlicht jeden Tag eine Folge davon und das so lange, bis ihm wer den Griffel aus der Hand nimmt. Er hat, noch einmal, keinen PLAN. Er wei\u00df nur, da ist ein Mensch verschwunden und wird es auch bleiben. So wurde am 22.11.2010 die erste Folge publiziert und das Ding entwickelte sich, mit der im Grund einzigen Vorgabe, die aktuellen politischen und sonstigen Ereignisse mehr oder weniger elegant in den Text einzuweben, Finanzkrise und Fukushima (erinnert sich noch jemand?), Frauenfu\u00dfball-WM und und und. Und siehe da: Pl\u00f6tzlich war das alles irgendwie sogar ein politischer Roman, ohne dass er es sein sollte, aber der Autor hat in dieser Zeit eben auch viel zum politischen Krimi gemacht und \u00fcberhaupt landete alles im gro\u00dfen Manuskript, was er so gemacht hat seit November. Und wo stehen wir heute? Bei einer Weltverschw\u00f6rung, ganz klar. Die Erz\u00e4hlperspektive \u00e4nderte sich, zeitweise wurde der Roman gar zum Metakrimi \u2013 und die 250. Folge greift das noch einmal auf, sie ist eine Z\u00e4sur, denn alles steht auf der Kippe. Der Autor k\u00f6nnte jetzt mit einem Streich dem b\u00f6sen Spiel ein Ende machen, seine Figuren \u2013 s\u00e4mtlich Sympathietr\u00e4ger \u2013 dem B\u00f6sen zum Opfer fallen lassen, aber das tut er nat\u00fcrlich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Er macht jetzt zwei Wochen Ferien \u2013 die ihm zustehen! \u2013 und nat\u00fcrlich macht er gar keine Ferien, er hasst solche Fremdw\u00f6rter, nein, er \u00fcberlegt sich jetzt dringend, was mit den 250 Folgen zu geschehen hat, ob man die gesch\u00e4tzten 400 Druckseiten zu reinen Archivzwecken in Buchform ver\u00f6ffentlicht oder doch nicht, wer das macht und wer nicht, ob man es \u00fcberhaupt macht \u2013 er wei\u00df auch schon so in etwa, wie es weitergeht (nein, er hat noch immer keinen PLAN!), er tr\u00e4umt sich gerade auf der sch\u00f6nen Insel Jersey herum, wohin er eine seine Personen verfrachtet hat (sie hei\u00dft Vika und m\u00fcsste etwas mehr ins Zentrum ger\u00fcckt werden), hm, also beginnen wir Folge 251 auf Jersey, am 15. August, wenn die Ferien (haha) vorbei sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis dahin k\u00f6nnen alle, die das Projekt nicht kennen, sich einlesen oder darauf warten, dass dieses Drum von einem Text endlich als Buch erscheint (wenn \u00fcberhaupt), oder sie k\u00f6nnen es weiterhin ignorieren, denn wer liest schon einen Krimi, der garantiert keine Aufl\u00f6sung haben wird, einen Krimi ohne PLAN? Sie k\u00f6nnen sogar dem Autor helfen, denn der muss ja nun, WENN er sich denn f\u00fcr die Buchform entscheidet, dringend Korrektur lesen, sie k\u00f6nnen also die Original-Worddatei \u2192<a href=\"mailto:dpr@hinternet.de\">bei ihm anfordern <\/a>und lesen und Tipp- und andere Fehler monieren. Das w\u00fcrde dem Autor helfen, aber macht eh keiner, er muss immer alles alleine machen, der Autor, das kennt er schon.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass ein Autor nicht wei\u00df, wohin ihn sein Weg f\u00fchrt, wenn er einen Krimi beginnt, nun ja, so neu ist das nicht. 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