{"id":16364,"date":"2006-01-24T07:45:07","date_gmt":"2006-01-24T07:45:07","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/01\/michelle-spring-in-the-midnight-hour\/"},"modified":"2022-06-13T01:26:40","modified_gmt":"2022-06-12T23:26:40","slug":"michelle-spring-in-the-midnight-hour","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/01\/michelle-spring-in-the-midnight-hour\/","title":{"rendered":"Michelle Spring: In the midnight hour"},"content":{"rendered":"\n<p>Im Zentrum von \u201eIn the Midnight Hour\u201c der Krimi-Autorin (und Soziologin) Michelle Spring steht eine Familie, der vor 12 Jahren ein Kind abhanden gekommen ist und die nicht wei\u00df, ob dieses Kind tot ist oder irgendwo lebt. Sensibel und gekonnt verwendet die Autorin dieses Thema als Hintergrund f\u00fcr ihren 2001 erschienenen Roman.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Seit er die \u00dcberreste einer vor \u00fcber 100 Jahren gescheiterten arktischen Expedition gefunden hat, ist Jack Cable in England ein ber\u00fchmter und f\u00fcr seinen Mut bekannter Mann. Sein Sohn Timmy ist vor zw\u00f6lf Jahren w\u00e4hrend eines Strandausflugs mit seinem Vater verschwunden. Ein Ereignis welches \u2013 nat\u00fcrlich \u2013 die Familie gepr\u00e4gt hat. Die (\u00e4ltere) Tochter leidet darunter, dass sie kein ausreichender Ersatz ist, die Mutter, in einer Art Dauerdepression, meint in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden den Sohn auf der Strasse zu sehen, und der Vater (und darin \u00e4hnelt er Friedrich Anis <em>Tabor S\u00fcden<\/em>) leidet darunter, dass er, der ber\u00fchmte Entdecker, seinen eigenen Sohn nicht findet kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Und pl\u00f6tzlich sitzt da auf der Stra\u00dfe dieser Jugendliche, und die Mutter ist sich sicher. Das ist er, ihr verlorener Sohn. Die Familie bittet die Privatdetektivin Laura Principal, den Hintergrund des Jungen unauff\u00e4llig zu beleuchten. Und so versucht Laura dann nicht nur die Person des r\u00e4tselhaften Jungendlichen zu verstehen, sondern auch zu ergr\u00fcnden, welches Geheimnis mit dem Verschwinden Timmys verkn\u00fcpft ist. Ein Buch scheinbar im klassischen Landhausstil, tats\u00e4chlich auf dem englischen Lande spielend, wo Laura immer wieder den gleichen Personen begegnet, um diesen St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck das Geschehen von damals zu entlocken.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus aber ist das Buch eine sensible Ann\u00e4herung an das Thema, wie eine Familie, Eltern, Geschwister damit umgehen, wenn ein Kind verschwindet und keiner wei\u00df, was mit ihm passiert ist. Wenn Sehns\u00fcchte und \u00c4ngste, Hoffen und der Wunsch nach Gewissheit zueinander verquer stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Buch ist eine ungew\u00f6hnliche und gelungene Balance zwischen \u201eWhodunit\u201c und Psychothriller. In diese so scheinbar schwerelose Welt des wohlhabenden britischen Mittelstandes setzt die Autorin immer wieder wohldosierte psychologische Momente, schafft damit eine unerh\u00f6rte Intensit\u00e4t und steigert die Spannung bis zum Schluss. Dabei arbeitet sie mit den Elementen des klassischen britischen Krimis bis zum \u201eshow down\u201c mit Detektiven und Polizei vor der versammelten Familie.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch hat seine besondere Qualit\u00e4t aber nicht nur dadurch, dass die exzellente Autorin so ungew\u00f6hnlich gut konstruieren kann, sondern auch dadurch, dass sie erz\u00e4hlen kann wie nur wenige. Man merkt der Autorin auf jeder Seite dieses Buches die Lust am Erz\u00e4hlen, die Gier nach W\u00f6rtern an. Das Buch hat nicht die Kargheit mancher B\u00fccher amerikanischer Provenienz, sondern, ohne dass es geschw\u00e4tzig wirkt, ist es immer wieder der Rausch der W\u00f6rter, welcher auff\u00e4llt. Ein rundum gelungenes Buch britischer Stilistik, das uns die geb\u00fcrtige Kanadierin da serviert.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass diesem 2001 zuerst erschienenen Roman bisher kein weiterer Krimi gefolgt ist, macht Sorge. Die Professorin f\u00fcr Soziologie ist offensichtlich anderweitig hinreichend ausgelastet. Schade, extrem Schade. Auch die Auszeichnung mit dem kanadischen Krimipreis garantiert heutzutage wohl nicht mehr die notwendige Aufmerksamkeit der Leser. In \u201eIn the Midnight hour\u201c demonstriert Michelle Springs, dass sie eine Vielzahl unterschiedlicher F\u00e4higkeiten als Autorin von Krimis auf sich vereinigt. Um so mehr freut es mich, dass mittlerweile f\u00fcr 2006 ein \u201estand alone\u201c der Autorin angek\u00fcndigt ist.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Michelle Spring: In the midnight hour. <br \/>Orion 2001. 320 Seiten, <br \/>z.Zt. nur gebraucht lieferbar <br \/>(deutsch als \"Vermisst\". Ullstein 2002, z.Zt. nur gebraucht lieferbar)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Zentrum von \u201eIn the Midnight Hour\u201c der Krimi-Autorin (und Soziologin) Michelle Spring steht eine Familie, der vor 12 Jahren ein Kind abhanden gekommen ist und die nicht wei\u00df, ob dieses Kind tot ist oder irgendwo lebt. 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