{"id":16378,"date":"2006-01-31T07:47:07","date_gmt":"2006-01-31T07:47:07","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/01\/david-fulmer-chasing-the-devils-tail\/"},"modified":"2022-06-13T01:27:39","modified_gmt":"2022-06-12T23:27:39","slug":"david-fulmer-chasing-the-devils-tail","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/01\/david-fulmer-chasing-the-devils-tail\/","title":{"rendered":"David Fulmer: Chasing the Devil&#8217;s Tail"},"content":{"rendered":"\n<p>New Orleans hatte offensichtlich ein Herz f\u00fcr <em>das Gewerbe<\/em>; auch wenn es 1897 per Gesetz auf einen einzigen Distrikt der Stadt namens Storyville begrenzt wurde. Storyville war, wie der Rest der Stadt auch, vordergr\u00fcndig ein Schmelztiegel von Schwarzen, Kreolen und Wei\u00dfen. Tats\u00e4chlich sah es nat\u00fcrlich weniger rosig aus. F\u00fcr schwarze M\u00e4nner war der \u201eVerkehr\u201c mit wei\u00dfen Frauen strafbar und im (tatsachlich existierenden) \u201eBlue Book\u201c, welches die Etablissements der Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts notierte, waren die wei\u00dfen und j\u00fcdischen Prostituierten extra kenntlich gemacht.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>1903, das Establishment Storyvilles ger\u00e4t in Aufregung, als die gewohnte stabile Ruhe bedroht wird. Da macht sich einer auf und bringt Prostituierte um. Tiefbraune Azubi, fahle Blondine jenseits der Bl\u00fcte ihrer Jahre, j\u00fcdische Drogenabh\u00e4ngige oder Leiterin eines Etablissements &#8230; Pr\u00e4ferenzen scheint er nicht zu haben. W\u00e4hrend die Polizei lustlos auf das schaut, was da angerichtet ist, wird von Valentine St. Cyr, einem Privatdetektiv des Distrikts, erwartet, dass er das Problem l\u00f6st. Schlecht nur f\u00fcr ihn (und gut f\u00fcr die Polizei), dass Buddy Boldon, ein Freund St. Cyrs seit fr\u00fchester Jugend und einer der \u201eErfinder des Jazz\u201c, mit allen Ermordeten bekannt war. So versucht St. Cyr dann die Unschuld seines Freundes zu beweisen und den wahren T\u00e4ter zu finden. Obwohl, eigentlich&#8230; so richtig interessiert sich das Establishment gar nicht mehr f\u00fcr die Wahrheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Vagabundierende Jazzmusiker in den Strassen, gediegene Puffs und Stra\u00dfendirnen in einem historisch angehauchten Krimi zu Beginn de 20. Jahrhunderts, gew\u00fcrzt mit einem Detektiv, den seine Erlebnisse dazu bringen, immer wieder in sich hinein zu horchen. David Fulmer hat da ein Programm zusammen, \u00fcber das ein Autor auch mal ins Straucheln kommen kann. Aber er schafft es, in seinem Buch ein glaubhaftes Panorama von New Orleans zu zeichnen, die Atmosph\u00e4re in den Strassen Storyvilles scheint stimmig und die Psychologie der Hauptpersonen wirkt einleuchtend. Und wo es h\u00e4ufig vorkommt, dass die Autoren atmosph\u00e4risch gelungener Krimis sich beim Vorspiel verausgaben und am Ende nur noch ein laues R\u00e4tsell\u00fcftchen \u00fcber dem Krimi weht, erweist sich David Fulmers Erstling auch in dieser Kategorie als gelungen, denn die Suche nach dem T\u00e4ter ist spannend und stimmig ins \u201eBeiwerk\u201c eingebunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Alles das wird erz\u00e4hlt in einer Sprache, die man nur als au\u00dfergew\u00f6hnlich bezeichnen kann. David Fulmer ist ja kein pickeliger Jungschriftsteller, sondern ein gereifter Mann, der als Journalist viele Jahre lang den Umgang mit der Sprache \u00fcben konnte. Er versteht es zu fabulieren. Auch ihm merkt man die Lust am Erz\u00e4hlen an und diese Stilistik erg\u00e4nzt sich vortrefflich mit der im fr\u00fchen 20. Jahrhundert spielenden Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Buch also, welches als \u00e4u\u00dfergew\u00f6hnlich gelungen und unterhaltsam zu bezeichnen ist. Zum allerletzten Genuss fehlt nur noch etwas Komplexit\u00e4t. Sein Buch ist gewiss nicht eindimensional und der Leser steht auch vor dem Geschehen und wundert sich &#8230;aber mehr kriminalistische Haken w\u00e4ren die letzte W\u00fcrze. Um den Autor ist mir allerdings nicht bang, wer sprachlich so arbeitet, k\u00f6nnte auch mediokre Buchideen gut \u201everkaufen\u201c. Ich w\u00fcnsche ihm und uns jedoch, dass ihm die guten Ideen nicht ausgehen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">David Fulmer: Chasing the devil's tail. <br \/>Poisoned Pen Press 2001. 226 Seiten. 23,50 \u20ac <br \/>(Taschenbuchausgabe Harvest Books 2003, z.Zt. nur gebraucht verf\u00fcgbar, bisher keine deutsche \u00dcbersetzung)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>New Orleans hatte offensichtlich ein Herz f\u00fcr das Gewerbe; auch wenn es 1897 per Gesetz auf einen einzigen Distrikt der Stadt namens Storyville begrenzt wurde. Storyville war, wie der Rest der Stadt auch, vordergr\u00fcndig ein Schmelztiegel von Schwarzen, Kreolen und Wei\u00dfen. Tats\u00e4chlich sah es nat\u00fcrlich weniger rosig aus. 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