{"id":16380,"date":"2006-01-31T19:56:10","date_gmt":"2006-01-31T19:56:10","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/01\/25-jahre-spex\/"},"modified":"2022-06-14T23:30:21","modified_gmt":"2022-06-14T21:30:21","slug":"25-jahre-spex","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/01\/25-jahre-spex\/","title":{"rendered":"25 Jahre Spex"},"content":{"rendered":"\n<p>Ist es wirklich schon 25 Jahre her, dass die erste &#8222;Spex&#8220;-Ausgabe erschien &#8211; damals es war September 1980, noch im \u00fcbergro\u00dfen Format, komplett in schwarz-wei\u00df. Seinerzeit entstand die &#8222;Spex&#8220;, die anfangs noch den Untertitel &#8222;Musik Zur Zeit&#8220; trug, unter der Leitung von Peter B\u00f6mmels. Lang ist`s her.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Kai Florian Becker sprach mit Uwe Viehmann, dem aktuellen Chefredakteur des Blattes, das in 25 Jahren zu einer Institution am deutschen Musikzeitschriftenmarkt herangewachsen ist.<\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"question\"><b>Hinternet: <\/b>Was w\u00e4re Dein Leben ohne &#8222;Spex&#8220;?<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><img decoding=\"async\" class=\"rbild\" src=\"\/neu\/2006\/01\/images\/spex80.jpg\" alt=\"Erstes Spexcover, 1980\"\/><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"answer\"><b>Viehmann:<\/b> Das ist ganz schwer zu beantworten, ohne dabei gef\u00fchlsduselig oder melodramatisch zu werden. Vielleicht beschreibt es Folgendes ganz gut: Ich habe nach der Schule und einer winzigen Einlage als Student noch nichts anderes in meinem Leben gemacht, als die Abs und vor allem Aufs von &#8218;Spex&#8216; zu begleiten. Von der studentischen Aushilfe, \u00fcber freie Schreibert\u00e4tigkeiten, hin zu einem Redaktionsposten, einer kurzzeitigen Pleite des Verlags und der dann 2000 erfolgten, erfolgreichen Wiederbelebung mit unter anderem mir als Chefredakteur &#8211; und jetzt die 25-Jahres-Feierlichkeiten, das Sonderheft (im Januar 2006 erschienen), die Monsters Of Spex-Festivals und -Konzerte. Das geht nicht spurlos an einem vor\u00fcber, zumal in den letzten f\u00fcnf Jahren das Heft mit guten Freunden gemacht und weiterentwickelt wurde.<br \/>Dazu kommt, dass dies ein 24\/7-Job ist. Es gibt kaum eine Trennung zwischen dem &#8218;Spex&#8216;-Uwe und dem privaten Uwe. Das ist nat\u00fcrlich toll, um darin aufzugehen, aber auch schwierig, weil man a) unter st\u00e4ndiger Beobachtung zu stehen scheint, immer im Dienst ist, und b) kaum Zeit f\u00fcr andere Dinge hat. Frag mal meine Ex-Freundinnen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<div style=\"border-style: solid; padding:3px;\">\n<b>Zur Person:<\/b>\n<p>Uwe Viehmann wurde am 27. M\u00e4rz 1973 in Limburg an der Lahn geboren. Seit 1995 arbeitet er bei der &#8222;Spex&#8220;. Seine aktuellen Lieblingsalben sind &#8222;\u00c9clat&#8220; von Monochrome und &#8222;Buchstaben \u00dcber Der Stadt&#8220; von Tomte. Lieblingsbands hat er &#8222;zu viele. Die meisten benutzen Gitarre&#8220;. Wenn er sich nicht mit Musik besch\u00e4ftigt, dann mit Menschen und Fu\u00dfball. Er glaubt, dass Deutschland leider nicht die anstehende Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft gewinnen wird.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<p><span class=\"question\"><b>Hinternet: <\/b>Glaubst Du, dass die &#8222;Spex&#8220; einen gro\u00dfen Einfluss auf die Popkritik in Deutschland hatte\/hat? Oder anders gefragt: Wie wichtig war &#8222;Spex&#8220; f\u00fcr die Entwicklung ernstzunehmender Popkritik? Sofern sie wirklich ernstgenommen wird&#8230;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"answer\"><b>Viehmann:<\/b> Ganz sicher hatte &#8218;Spex&#8216; einen enormen Einfluss auf die Popkritik der letzten, sagen wir, 20 Jahre. Gerade im Bezug auf die viel diskutierte subjektive Schreibe der aktuellen Popautoren. Au\u00dferdem war &#8218;Spex&#8216; f\u00fcr eine sehr lange Zeit das einzige ernstzunehmende Blatt, in dem \u00fcber Standardkritiken hinaus an Musik verhandelt wurde. Und dies zu einer Zeit, in der auch die heutigen Popjournalisten da drau\u00dfen ma\u00dfgeblich von &#8218;Spex&#8216; sozialisiert wurden.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"question\"><b>Hinternet: <\/b>Wie schwer war es seinerzeit, genauer gesagt 1999\/2000, die Pleite der &#8222;Spex&#8220; abzuwenden?<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"answer\"><b>Viehmann:<\/b> Nicht schwer, sondern letztlich unm\u00f6glich. Auch mit drastischen Sparma\u00dfnahmen war da nichts mehr zu machen. Es fehlten genauso sehr Anzeigenbuchungen wie auch LeserInnen. Ein Trend des letzten Drittels der Neunziger, den die damalige(n) Redaktion(en) nicht aufhalten konnte(n). Die vielen Wechsel in der Chefredaktion haben da wohl ihr \u00fcbriges getan. Letztlich hat der Piranha Media Verlag den totalen Untergang im Nichts durch den Kauf verhindert.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"question\"><b>Hinternet: <\/b>Was hat sich seit der \u00dcbernahme der &#8222;Spex&#8220; durch den Piranha Media Verlag ver\u00e4ndert?<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"answer\"><b>Viehmann:<\/b> Nichts und sehr viel. Inhaltlich nichts. Jedenfalls nichts, was am Verlagswechsel festzumachen ist, sondern vor allem an den Menschen, die seitdem die Redaktion gebildet haben. Immer noch wird das Heft nach bestem Wissen und Gewissen redaktionell absolut autark gestaltet. Ich w\u00fcrde sogar noch weiter gehen und sagen, dass der Druck (eine Form von m\u00f6glichem Druck) weit geringer ist und war, als &#8218;damals&#8216; (vor Piranha), als sich die Redaktion den Gesellschaftern (allesamt auch ehemalige Autorinnen, Fotografen etc. &#8211; Fachmenschen also) gegen\u00fcber verantworten musste. Alle hatten etwas zu sagen und wussten es besser.<br \/>Au\u00dferdem bot der neue Verlag an, das Heft endlich auch, was die Ausstattung angeht, &#8218;zeitgem\u00e4\u00df&#8216; zu gestalten: kompletter Vierfarbdruck, CD-Beilage, deutliche Hefterweiterung, besseres Papier, vern\u00fcnftige Geh\u00e4lter und Honorare etc. Nicht zu untersch\u00e4tzende Kriterien, am Ende auch f\u00fcr das geschriebene Wort.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"question\"><b>Hinternet: <\/b>Mit dem Verkauf der &#8222;Spex&#8220; an Piranha ging Dietmar Dath (heute FAZ-Redakteur und Schriftsteller) und Du wurdest Chefredakteur. Freiwillig? Oder nur weil Du der dienst\u00e4lteste &#8222;Spex&#8220;-Mitarbeiter warst?<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"answer\"><b>Viehmann:<\/b> Als Dietmar ging und\/oder gegangen wurde, musste jemand offiziell diesen Job \u00fcbernehmen. Als der neue Verleger Alex Lacher f\u00fcr diese \u00dcberlegungen nach K\u00f6ln kam, tauchte ich an diesem Tag erst sp\u00e4ter im B\u00fcro auf. Dort sa\u00df dann die Redaktion in einer gro\u00dfen Runde und teilte mir mit, sie h\u00e4tten einstimmig entschieden, ich solle den Job \u00fcbernehmen. Was ich tat. Ich hatte quasi keine Wahl und war aber auch damals schon Dienst\u00e4ltester (mit 26) und hatte in der schwierigen Zeit des \u00dcbergangs quasi mit Piranha die inhaltlichen &#8218;Verhandlungen&#8216; \u00fcber die Zukunft gef\u00fchrt. Irgendwie war es also logisch.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"question\"><b>Hinternet: <\/b>Du sagtest damals im Editorial, &#8222;Spex&#8220; m\u00fcsse ein Heft sein, dem man ansieht, von wem es gemacht wird. Ist Dir das in den letzten f\u00fcnf Jahren gelungen?<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"answer\"><b>Viehmann:<\/b> Ich hoffe doch. Beurteilen m\u00fcssen das Andere. Frage zehn Leute und du bekommst elf Meinungen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"question\"><b>Hinternet: <\/b>Steht man als Chefredakteur einer Zeitschrift wie der &#8222;Spex&#8220;, \u00fcber deren Stil und deren Wichtigkeit immer wieder innig diskutiert wird, unter besonderer Beobachtung? (Er hatte dies ja eingangs angedeutet. Da es aber ein E-Mail-Interview ist, hier jetzt die Nachhakfrage.)<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"answer\"><b>Viehmann:<\/b> Ja und nein. Ja, bei manchen ist das sicher so. Nein, im Sinne von: mir egal. Im Gegensatz zu manch einem meiner Vorg\u00e4nger ist es mir auch nicht so wichtig, mich in der \u00d6ffentlichkeit oder \u00fcber Texte zu jedem Diskursfitzelchen zu \u00e4u\u00dfern. Meine St\u00e4rke und mein Ansinnen war zun\u00e4chst, den Kahn wieder flott zu bekommen und eher im Hintergrund Entscheidungen zu treffen. Ich f\u00fchle mich also weniger als Autorendiva, denn als hemds\u00e4rmeliger Musikliebhaber. Wenn ich aber eingangs gesagt habe, dass man st\u00e4ndig als &#8218;Spex&#8216; wahrgenommen wird, dann meint das eben nicht nur die von dir angesprochene Ebene, sondern auch die rein physische.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"question\"><b>Hinternet: <\/b>Allmonatlich k\u00fcrt die Redaktion die &#8222;Platte des Monats&#8220;. Manchmal gar zwei. Wie heftig sind die internen Diskussionen, die dem Konsens \u00fcber ein Album vorangehen?<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"answer\"><b>Viehmann:<\/b> Das ist sehr unterschiedlich. Mal ist es allen klar, mal steht man als Verfechter einer bestimmten Platte auf verlorenem Posten da, aber bekommt dennoch das Vertrauen geschenkt. Meist kann man es jenen, die eine gewisse Platte vorschlagen, auch einfach im Gesicht ablesen, wie ernst sie es meinen. Und manchmal sind es auch politische Entscheidungen. Nicht von au\u00dfen herangetragen, sondern im Sinne von: XYZ ist bereits Cover, dann wird die Platte des Monats eben ZYX. Es gibt aber wohl noch circa 67 andere Entscheidungsvarianten. Und zwei Platten des Monats gibt es nur im Januar\/Februar-Heft, das gilt ja auch f\u00fcr zwei Monate, hehe.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"question\"><b>Hinternet: <\/b>Derzeit ist es f\u00fcr anspruchsvollere Pop-Liebhaber recht schwer, im Fernsehen eine Plattform zu finden &#8211; sieht man einmal von den Sendungen auf &#8222;arte&#8220; ab. Hast Du eine Ahnung, warum in Deutschland Pop gleich immer mit Mainstream einhergehen muss und Nischen nunmehr fast v\u00f6llig aus dem Musikfernsehen ausradiert wurden?<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"answer\"><b>Viehman:<\/b> Ich habe nicht die leiseste Ahnung und die Hoffnung auf \u00c4nderung im Gro\u00dfen mittlerweile l\u00e4ngst aufgegeben. Das von dir Festgestellte gilt ja leider nicht nur f\u00fcr das Fernsehen, sondern ebenso auch f\u00fcrs Radio und vor allem die dramatisch langweilig Print-Landschaft. Mit Risiko und \u00fcberm\u00e4\u00dfigem Engagement ist es hierzulande nicht allzu weit bestellt. Je mehr Auflage und je gr\u00f6\u00dfer die Reichweite, desto weniger Chuzpe hat das &#8218;Produkt&#8216;. Eigentlich nichts Neues. Dass man sich dennoch nicht damit abgeben darf, ist ein Grund warum &#8218;Spex&#8216; noch jeden Monat erscheint.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"question\"><b>Hinternet: <\/b>Was ist das Geheimnis der &#8222;Spex&#8220;, dass dort die Trends immer sehr fr\u00fch aufgenommen und thematisiert werden?<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"answer\"><b>Viehmann:<\/b> Ist dem so? Oder anders: Sicher war dem so, aber Techno beispielsweise wurde damals grandios verschlafen. Daf\u00fcr st\u00fcrzte die &#8218;Spex&#8216; sich im Laufe der Jahre umso lieber auf andere Hypes. Heute ist das allerdings doppelt schwer. Durch die Konkurrenzmedien wie das Internet sind heute alle Interessierten l\u00e4ngst dreimal so gut informiert wie der &#8218;Spex&#8216;-Redakteur, der viel weniger Nerd sein darf, sondern immer einen Blick auf das Ganze behalten muss. Um am Ende aus dem Ver\u00f6ffentlichungs-Wirrwarr und Stimmengewitter da drau\u00dfen vielleicht eine kleine Vorauswahl f\u00fcr die bereit zu stellen, die zwar \u00fcberm\u00e4\u00dfig interessiert an der Musikwelt sind, aber sich nicht blo\u00df als Spezialist\/in verstehen wollen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"question\"><b>Hinternet: <\/b>Der Mitarbeiterstamm der &#8222;Spex&#8220; ist f\u00fcr Au\u00dfenstehende einem st\u00e4ndigen Wandel unterworfen. Leute kommen, Leute gehen. Bedauert man als Chefredakteur diese Fluktuationen, oder werden sie eher als Chance erachtet, Neues ausprobieren und frisches Blut integrieren zu k\u00f6nnen?<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"answer\"><b>Viehmann:<\/b> Es sind alles Einzelf\u00e4lle. Manchmal mit traurigem Hintergrund, manchmal lebt man sich auseinander, wird \u00e4lter, geht in andere Jobs oder gr\u00fcndet etwa eine Familie. Andere schreiben seit 15 Jahren und brennen genauso wie die Jungautorin mit 21. Grunds\u00e4tzlich ist es einfach sch\u00f6n zu sehen, dass auch in den vielen neuen Gesichtern und Texten der letzten von mir beobachteten Jahre dennoch eine gewisse Vorstellung davon abzulesen ist, was es hei\u00dft, f\u00fcr &#8218;Spex&#8216; zu schreiben.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"question\"><b>Hinternet: <\/b>Wie sehr \u00e4rgert man sich, wenn Ideen, die man entwickelt hat, von der &#8222;Konkurrenz&#8220; aufgegriffen werden? Oder spornt das eher zu neuen Ideen an?<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"answer\"><b>Viehmann:<\/b> Es \u00e4rgert einen schon sehr. Vor allem dann, wenn die Masse der Rezipienten Dinge Anderen als den &#8218;Erfindern&#8216; zuschreibt. Aber so ist das nun mal. Mittlerweile setzen Gro\u00dfverlage ihre Hefte gezielt darauf an, zum Beispiel bei uns zu kopieren und uns &#8218;zu verdr\u00e4ngen&#8216;. Ha ha.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"question\"><b>Hinternet: <\/b>Der Piranha Media Verlag, Herausgeber der &#8222;Spex&#8220;, spielt mit dem Gedanken, die Redaktion nach Berlin zu verlegen. Aus Synergieeffekten, da zu dem Verlag just das Berliner Magazin &#8222;Groove&#8220; dazugekommen ist. Wie steht die Redaktion zu diesen Pl\u00e4nen? W\u00fcrde jeder mitziehen?<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"answer\"><b>Viehmann:<\/b> Nein. Es gibt teilweise heftige Diskussionen. Inhaltlich, was die &#8218;Spex&#8216; und die aktuelle Redaktionskonstellation angeht, aber auch mit dem eigenen Herzen. K\u00f6ln ist nicht Puselmuckel. Wer so lange hier lebt wie die meisten der an diesem Heft Arbeitenden, verliert durch einen Umzug nicht nur ein wenig &#8218;Spex&#8216;-Traditionen und die ureigene K\u00f6lner Stimme, sondern auch eine geliebte Stadt, Freunde, K\u00f6lsch, das k\u00f6lsche Gem\u00fct und den FC. Nur als Beispiele abseits der Diskussionen, die nun wieder andere f\u00fchren, warum dies der Untergang des Heftes sein k\u00f6nnte. Es kann ja auch eine Chance sein.<br \/>Die nun schon \u00fcber viele viele Jahre anhaltende Tendenz, in Berlin eine alle Kreativit\u00e4t dieses Landes aufsaugende und die H\u00e4lfte davon unverdaut auf den Hartz IV-Haufen ausspuckende M\u00f6chtegern-Weltmetropole in diesem Land zu haben, ist nat\u00fcrlich zu verdammen. Aber am Ende muss man zugeben, dass f\u00fcr unser Kerngesch\u00e4ft Musik, nur diese Stadt heute noch das an Kontakten etc. bietet, was man auch im Redaktionsalltag braucht. Zu sehr vereinnahmt zu werden und urpl\u00f6tzlich eine Berliner Stimme (so es die gibt) zu bekommen, halte ich f\u00fcr unwahrscheinlich: Daf\u00fcr werden die AutorInnen weiterhin aus zu vielen unterschiedlichen St\u00e4dten und Positionen heraus schreiben. Au\u00dferdem war dem auch in K\u00f6ln nicht mehr so. Schon lange. Die M\u00e4r der K\u00f6lner Stimme und Popsprecherposition stammt aus Zeiten, als nur wenige Autoren ewig an der Theke die gleichen Diskussionen f\u00fchrten. Heute, auch Redaktionssysteme sind globalisiert, ist dem weit weniger so.<br \/>Mehr denn je sollte man &#8218;Spex&#8216; als Autorenblatt lesen und verstehen, auch wenn f\u00fcr den ein oder anderen Altvorderen die Stimmen nicht mehr so k\u00e4mpferisch sein m\u00f6gen. Weniger kluge Gedanken und jubilierende Herzen gibt es im Gegensatz zum nervigen Fr\u00fcher sicher auch 2006 nicht. Aber f\u00fcr viele der Lesenden sind sie eben nicht immer neu. Retro ist ja nicht nur ein musikkulturhistorisches Ph\u00e4nomen. Wie ich pers\u00f6nlich mit dem Herzen \u00fcber einen Umzug denke &#8211; sowie weite Teile der Redaktion &#8211; steht aber auf einem ganz anderen Blatt.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"question\"><b>Hinternet: <\/b>Am 27. Januar erscheint das Heft zum 25. Jubil\u00e4um. Welche \u00dcberraschungen hat sich die Redaktion ausgedacht?<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"answer\"><b>Viehmann:<\/b> Tja. Erst einmal wird es zwei unterschiedliche Cover geben, mit zwei der definitiven Ikonen f\u00fcr &#8218;Spex&#8216; und der letzten 25 Jahre \u00fcberhaupt: Madonna und Morrissey. Aber ausgerechnet f\u00fcr diese beiden brechen wir mit dem Heftprinzip. W\u00e4hrend alle anderen knapp 30 Heldinnen und Helden der &#8218;Spex&#8216;-Historie &#8211; mit Depeche Mode, Chuck D., Bobby Konders, Mike Watt, Neil Young, Mary J. Blige, Carl Graig, Wolfgang Tillmans, Mark E. Smith, Lemmy, Trevor Horn, Schorsch Kamerun, Charlotte Roche -, ohne die das Blatt nie so geworden w\u00e4re, wie es heute ist, ausschlie\u00dflich in Interviewform portr\u00e4tiert und befragt werden, bekommen Madonna und Morrissey einen Text spendiert. Dazu gibt es eine Kurzgeschichte \u00fcber Joey Ramone und alle Redaktionsbestenlisten der 25 Jahre und einige Kleinigkeiten.<br \/>Das Besondere aber ist eine DVD mit 25 Musikvideo-Klassikern aus 25 Jahren. Von The Jams &#8218;That&#8217;s Entertainment&#8216; \u00fcber Nirvanas &#8218;Smells Like Teen Spirit&#8216; bis hin zu Franz Ferdinand und Broken Social Scene . Angeblich sollen auf der DVD noch drei Videos mehr versteckt sein, aber: man wei\u00df es nicht.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist es wirklich schon 25 Jahre her, dass die erste &#8222;Spex&#8220;-Ausgabe erschien &#8211; damals es war September 1980, noch im \u00fcbergro\u00dfen Format, komplett in schwarz-wei\u00df. Seinerzeit entstand die &#8222;Spex&#8220;, die anfangs noch den Untertitel &#8222;Musik Zur Zeit&#8220; trug, unter der Leitung von Peter B\u00f6mmels. 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