{"id":16383,"date":"2006-02-02T05:26:55","date_gmt":"2006-02-02T05:26:55","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/02\/eugenio-fuentes-die-haende-des-pianisten\/"},"modified":"2022-06-17T17:12:53","modified_gmt":"2022-06-17T15:12:53","slug":"eugenio-fuentes-die-haende-des-pianisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/02\/eugenio-fuentes-die-haende-des-pianisten\/","title":{"rendered":"Eugenio Fuentes: Die H\u00e4nde des Pianisten"},"content":{"rendered":"\n<p>Die H\u00e4nde des Pianisten traktieren die qu\u00e4nkelnde Orgel in einer Tanzcombo. Sie t\u00f6ten, im Nebenberuf, sieche und l\u00e4stig gewordene Haustiere. Davon lebt man, wenn es zur gro\u00dfen Kunst nicht gereicht hat. Aber k\u00f6nnen diese H\u00e4nde auch Menschen ermorden? Diese Frage beantwortet Eugenio Fuentes in seinem neuen Roman.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Nein, eigentlich nicht. Denn jener Pianist, der Tiere, die aus der Gnade ihrer Menschen gefallen sind, skrupellos entsorgt, w\u00fctet nicht innerhalb der eigenen Art. Dass wer Tiere auch Menschen umbringt, glaubt jedoch die Bauunternehmerin und macht ihm das Angebot, ihren Kompagnon aus dem Weg zu schaffen, in dem er ihr steht. Den Vorschuss nimmt der Pianist, er beschattet sein vorbestimmtes Opfer, er ist in die N\u00e4he des Tatorts, als der Mord geschieht &#8211; doch ein anderer hat ihn begangen. Der Pianist sitzt in der Klemme und beauftragt Detektiv Ricardo Cupido, den wahren T\u00e4ter ausfindig zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja doch. Am Ende kriegt er ihn. Ist das wichtig? Ein simpler Mord, dann noch einer. Viele haben ein Motiv, niemand hat ein lupenreines Alibi, es wird ermittelt und verd\u00e4chtigt, gelogen und reingelegt. Am Ende, sagte ich schon, wissen wir, wer da warum gemordet hat. Aber kommen wir doch zum Wesentlichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz langsam. Eher l\u00e4ndliches als st\u00e4dtisches Spanien. Die Bauern der Umgebung d\u00fcrfen nicht mehr Bauern sein, sie m\u00fcssen in die Kreisstadt, Bauern auf den Bau, und der Verlust ist gr\u00f6\u00dfer als ein paar Buchstaben. Der Sinn des Daseins geht mit verloren. So wie beim Pianisten, der kein Pianist sein kann, weil es halt nicht reicht, so wie dem ersten Mordopfer, das wohl den eiskalten Arbeitgeber gibt, aber eigentlich auch etwas anderes sein m\u00f6chte, so wie die Rivalin, die doch nur einen Mann und ein Kind br\u00e4uchte.<\/p>\n\n\n\n<p>Um Leben, die man nicht f\u00fchren will, geht es in Fuentes&#8216; Roman. Es gibt einen Ich-Erz\u00e4hler, den titelgebenden Pianisten, doch der h\u00e4lt sich zur\u00fcck und ger\u00e4t immer weiter in den Hintergrund. Denn eigentlich erz\u00e4hlen sie alle: Cupido, der Detektiv, die Opfer und die T\u00e4ter und die Verd\u00e4chtigen. SIe erz\u00e4hlen, sie reden, sie denken so, wie ihr Sch\u00f6pfer erz\u00e4hlt, redet, denkt. Da sinnieren Bauarbeiter philosophisch, M\u00fc\u00dfigg\u00e4nger slalomen elegant durch Syntaxlabyrinthe &#8211; das muss man nicht m\u00f6gen, denn das ist nicht die Wirklichkeit der Wirklichkeit. Es ist die Wirklichkeit einer wehm\u00fctigen Poesie, die \u00fcber dem Buch liegt, das zuf\u00e4lligerweise ein Krimi ist, weil nur das Ungeheuerliche das Allt\u00e4gliche zu transportieren vermag, das Scheitern am eigenen Leben im eigenen Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann &#8222;Die H\u00e4nde des Pianisten&#8220; als einen konventionellen Kriminalroman mit allen g\u00e4ngigen Zutaten lesen, das spielt den Aufwand locker ein. Man kann aber auch die dichte und so gar nicht von Hoffnung getr\u00e4nkte Atmosph\u00e4re des Buches auf sich wirken lassen, wenn Fuentes selbst die Welt reflektiert oder sein Personal dies f\u00fcr ihn tut. Ein Chor von Stimmen, der ein einziges Lied skandiert, das sich merkw\u00fcrdigerweise von der Geschichte und der Wirklichkeit, in der sie angesiedelt ist, l\u00f6st. Manchmal hat man Angst, jetzt k\u00f6nnte alles gleich ins Banale kippen, dieses melancholische Philosophieren und Spekulieren, aber meistens balanciert der Autor nur kurz vor dem Abgrund und f\u00e4ngt sich wieder, kehrt zur Story zur\u00fcck, die Ricardo Cupido gem\u00e4chlich vorantreibt, dem unvermeidlichen genrem\u00e4\u00dfigen Ende zu. Kein Buch f\u00fcr die Liebhaber des handlungsschwangeren Thrillers. F\u00fcr alle anderen schon.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Eugenio Fuentes: Die H\u00e4nde des Pianisten. Ein Fall f\u00fcr Ricardo Cupido. <br \/>Goldmann 2005. 316 Seiten, 7,95 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die H\u00e4nde des Pianisten traktieren die qu\u00e4nkelnde Orgel in einer Tanzcombo. 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