{"id":16420,"date":"2006-02-14T07:44:20","date_gmt":"2006-02-14T07:44:20","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/02\/ken-bruen-the-guards\/"},"modified":"2022-06-09T22:45:45","modified_gmt":"2022-06-09T20:45:45","slug":"ken-bruen-the-guards","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/02\/ken-bruen-the-guards\/","title":{"rendered":"Ken Bruen: The Guards"},"content":{"rendered":"\n<p>Den Verlegern in Deutschland ist daf\u00fcr zu danken, dass sie sich in besonderer Weise f\u00fcr die englische Sprachkompetenz der deutschen Leser engagieren. In kluger Selbstbeschr\u00e4nkung verzichten sie auf die \u00dcbersetzung und Publikation einiger Topautoren des englischen Sprachraums. Neben der herausragenden \u2192<a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/06\/sj-rozan-winter-and-night.php \"> S.J. Rozan <\/a> ist der in den USA sehr gesch\u00e4tzte Ire Ken Bruen ein weiterer Autor, den die Verleger dem deutschen Leser im Original nahe zu bringen versuchen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Welche Erkenntnisse bietet die Lekt\u00fcre des Shamus Gewinners \u201eThe Guards\u201c von Ken Bruen ? \u00dcbersch\u00e4tzter Autor? Zu schwierig f\u00fcr den deutschen Leser? Nun ja, auf jeden Fall ist es das Buch zweier Buchverr\u00fcckter, welches die Verleger da den Lesern unverf\u00e4lscht anempfehlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist das erste Buch der Jack Taylor Serie. W\u00e4hrend Bruens fr\u00fchere B\u00fccher in London spielten, ist der Autor nun dort angekommen, wo er selber lebt: In Galway, Irland. Jack Taylor ist ein ehemaliger Polizist der wegen Alkoholproblemen rausgeschmissen wurde. Seitdem versucht er sich als Privatdetektiv. W\u00e4hrend er in seiner Stammkneipe davon tr\u00e4umt, nach London abzuhauen, tritt eine Frau an ihn heran und erz\u00e4hlt ihm, ihre Tochter h\u00e4tte angeblich Selbstmord begangen. Allein, sie k\u00f6nne es nicht glauben; ob er ihr wohl helfen k\u00f6nne. Nicht recht \u00fcberzeugt, macht er sich auf und pl\u00f6tzlich ist da im ruhigen Galway die H\u00f6lle los: Viel zu viele junge Frauen begehen Selbstmord, Taylor wird \u00fcberfallen, Freunde werden totgefahren&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Geschenkt: So oder so \u00e4hnlich passiert es in Dutzenden Krimis. Es ist ein Buch, in dem R\u00e4tsel und die Person des Aufkl\u00e4rers sehr dicht miteinander verwoben sind. Dabei nimmt Bruen auf Jack Taylor keine R\u00fccksicht und l\u00e4sst ihn durch jede H\u00f6lle gehen, die sich f\u00fcr einen Alkoholiker auftun kann: Jack Taylor steht am Rande des Abgrundes und des endg\u00fcltigen sozialen Absturzes. Mit ihm hat Bruen eine Person geschaffen, die einen nicht mehr losl\u00e4sst &#8211; nicht so einer dieser Westentaschenalkies a la John Rebus. Nein, Jack Taylor h\u00e4lt mit der Buddel auch dann noch voll auf das Gaspedal, wenn die Mauer schon deutlich vor seinen Augen auftaucht. Anders als bei den meisten der zeitgen\u00f6ssischen Krimis, bei denen die \u201ekomplizierte\u201c Pers\u00f6nlichkeit des Kommissars meist nur manieristisch wirkt, ist \u201eThe Guards\u201c auch ein Buch \u00fcber Jack Taylor.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist dann aber der Stil, der endg\u00fcltig \u00fcberzeugt: Noir meets poetry. Bruen schreibt sehr lakonisch. Viel Muskeln und kein Fett. Szenen, Empfindungen und Dialoge sind hingetupft und dicht. Und dennoch, sein Text kommt (meistens) vollkommen unangestrengt daher. Der Autor und sein Protagonist sind besessen von B\u00fcchern. Anders als Reginald Hill jedoch, versteckt Bruen seine Zitate nicht, sondern er prahlt mit ihnen und stellt sie ins Rampenlicht. Thomas Lynch, Ed McBain, Gustave Flaubert und viele andere machen seine Arbeit. Ihre Zitate halten den Text schlank und laden ihn gleichzeitig mit Bedeutung auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist ein Buch f\u00fcr Literatur-Gourmets. Im Vergleich zur \u201eWhite Trilogy\u201c, mit der Ken Bruen bekannt wurde, ist es eigenst\u00e4ndiger und hat sich von amerikanischen Vorbildern emanzipiert. \u201eThe Guards\u201c ist auch im deutschen Sprachraum eine gro\u00dfe Verbreitung zu w\u00fcnschen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Ken Bruen: The Guards. <br \/>St. Martin Minotaur 2003. 291 Seiten, 12,50 \u20ac <br \/>(bisher keine deutsche \u00dcbersetzung)<\/pre>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Verlegern in Deutschland ist daf\u00fcr zu danken, dass sie sich in besonderer Weise f\u00fcr die englische Sprachkompetenz der deutschen Leser engagieren. 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