{"id":16457,"date":"2006-02-28T07:54:44","date_gmt":"2006-02-28T07:54:44","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/02\/julia-spencer-fleming-out-of-the-deep-i-cry\/"},"modified":"2022-06-15T00:43:49","modified_gmt":"2022-06-14T22:43:49","slug":"julia-spencer-fleming-out-of-the-deep-i-cry","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/02\/julia-spencer-fleming-out-of-the-deep-i-cry\/","title":{"rendered":"Julia Spencer Fleming: Out of the deep I cry"},"content":{"rendered":"\n<p>Schon nach wenigen B\u00fcchern hat sich Julia Spencer Fleming in den USA als au\u00dfergew\u00f6hnlich erfolgreiche Autorin etabliert. Ihr erstes Buch \u201eIn the bleak midwinter\u201c erhielt insgesamt sechs verschiedene Krimipreise und der vorliegende Band \u201eOut of the Deep I Cry\u201c wurde 2005 f\u00fcr den Edgar und den Anthony nominiert.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ihre B\u00fccher werden dem Cozy, also der eher konventionellen Spielart des Krimis zugerechnet. Sie spielen im kleinen Millers Kill, New York am oberen Hudson. Dort wo die Winter lang und kalt sind und die (im Roman abgebildete) soziale Struktur gr\u00f6\u00dftenteils von \u00c4rzten, Anw\u00e4lten, zufriedenen Gesch\u00e4ftsinhabern und ihresgleichen dominiert wird. Die Helden ihre Romane sind Clare Fergusson, Pastorin einer Episkopalen Kirchengemeinde und Russ van Alstyne, Chef der \u00f6rtlichen Polizei.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOut of the Deep I Cry\u201c arbeitet sich tief in die Historie der kleinen Ortschaft vor. Mit zahlreichen R\u00fcckblenden wird uns diese St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck enth\u00fcllt. Ausgangspunkt ist ein Schaden im Dach der Kirche der Gemeinde, in der Clare Fergusson t\u00e4tig ist. Geld muss her und ein Mitglied der Gemeinde hat einen Fond zur Verf\u00fcgung ,dessen Ertr\u00e4ge bisher zur Unterst\u00fctzung einer kleinen Klinik dienten, die kostenlos medizinische Leistungen f\u00fcr Bed\u00fcrftige anbietet.<br \/>Der Arzt dieser Klinik verschwindet, eine irrationale Impfgegnerin ger\u00e4t in Verdacht, an seinem Verschwinden beteiligt zu sein, und in der Vergangenheit der Familie der Spenderin finden sich dunkle Geheimnisse. Es ist eine komplexe Geschichte, die sich die Autoren ausgedacht hat. Gew\u00fcrzt durch die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten mit ihren kleinen Sorgen und N\u00f6ten und angereichert durch Anspielungen auf zahlreiche sozialpolitische Themen.<\/p>\n\n\n\n<p>Geschickt wirbelt sie durch die vielen R\u00fcckblenden die verschiedenen Erz\u00e4hlstr\u00e4nge durcheinander und schafft es so gut zu kaschieren, dass da zwar viele R\u00e4tsel sind, aber kaum ein \u201eWhodunit\u201c. Durch diese R\u00fcckblenden versorgt sie den Leser mit Wissen und lockert so die Abh\u00e4ngigkeit zu den allwissenden Detektiven, die w\u00e4hrenddessen Ihre Schlussfolgerungen in der Gegenwart anstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Julia Spencer Fleming deutet die Gef\u00fchle ihres Personals nicht nur an, sondern sie beschreibt uns diese recht direkt und ausf\u00fchrlich. Man mag das f\u00fcr geschw\u00e4tzig halten, aber es ist stimmig, weil es ihrer Absicht folgt, die Geschichte emotionell aufzuladen. Zu diesem \u201eKonzept\u201c geh\u00f6rt nat\u00fcrlich auch, dass der Leser, der die fr\u00fcheren zwei B\u00e4nde nicht kennt, vom ersten Zusammentreffen der beiden Protagonisten an ahnt, dass der verheiratete Polizist und die Pastorin aufeinander zuschlingern wie zwei P\u00f6tte in einer Meeresenge. Ihre Geschichte und unser Wissen hat die Autorin jederzeit unter Kontrolle. Die zahlreichen Perspektiven f\u00fcgen sich bruchlos zusammen. Und wenn sie \u00fcber die Diphtherieepidemie Anfang des letzten Jahrhunderts erz\u00e4hlt oder ihre beiden Protagonisten in den Keller eines Hauses einsperrt, der von kalten Hudsonwasser geflutet wird, zeigt sie, dass sie eine kompetente Erz\u00e4hlerin ist.<br \/>Der erste Band der Autorin ist mittlerweile in deutscher \u00dcbersetzung erschienen, der zweite erscheint im Herbst und, so k\u00f6nnte ich mir vorstellen, wenn die K\u00e4ufer brav sind, wird im n\u00e4chsten Fr\u00fchjahr auch \u201eOut of the Deep I Cry\u201c in deutscher \u00dcbersetzung vorliegen. Bei Amazon zumindest hat das erste herzenswarme Buch schon viel positive Bewertungen erhalten. Dieses Potpourri an Motiven, ausgarniert mit einer Romanze und dargeboten mit Charme und Eleganz wird sich wahrscheinlich erfolgreich verkaufen. Im Gegensatz zu manch anderer Cozy-Autorin kann man Julia Spencer Fleming auch nicht vorwerfen, in einem ganz heilen Paralleluniversum zu leben. Infektionskrankheiten die durch Impfungen h\u00e4tten verhindert werden k\u00f6nnen, die unzureichende medizinische Versorgung \u00e4rmerer Amerikaner oder das Engagement f\u00fcr Klimaschutz. Das wirkt manchmal wie \u201etopic dropping\u201c und manchmal als w\u00fcrde die Autorin sich innerhalb der Grenzen ihres gediegenen Subgenre recht weit vorbewegen. Dennoch, f\u00fcr mich ist \u201eOut of the Deep I Cry\u201c noch zu sehr Rosamunde Pilcher in Neuengland, heile Welt, gediegene Unterhaltung, Probleme wie durchs Milchglasfenster. Gut gemacht, aber nicht wirklich zwingend.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Julia Spencer Fleming: Out of the deep I cry. <br \/>St. Martin Minotaur 2005. 399 Seiten, 6,99 \u20ac <br \/>(noch keine deutsche \u00dcbersetzung)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon nach wenigen B\u00fcchern hat sich Julia Spencer Fleming in den USA als au\u00dfergew\u00f6hnlich erfolgreiche Autorin etabliert. 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