{"id":16500,"date":"2006-03-07T07:38:53","date_gmt":"2006-03-07T07:38:53","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/03\/dominic-stansberry-the-confession\/"},"modified":"2022-06-15T00:47:57","modified_gmt":"2022-06-14T22:47:57","slug":"dominic-stansberry-the-confession","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/03\/dominic-stansberry-the-confession\/","title":{"rendered":"Dominic Stansberry: The Confession"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201eThe Confession\u201c von Dominic Stansberry erhielt 2005 den <em>Edgar<\/em> in der Kategorie \u201eBeste Taschenbuchneuerscheinung\u201c. Eine Kategorie mit Tradition. In der Vergangenheit wurden hier Autoren wie Harlan Coben, Laura Lippman oder \u2192<a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/11\/sylvia-maultash-warsh-find-me-again.php\"> Sylvia Maultash Warsh<\/a> ausgezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u201eThe Confession\u201c ist kein einfach zu lesendes Buch. Ein Buch, bei dem ich mich mittendrin fragte, was denn die Juroren geritten hatte. In diesem Buch z\u00e4hlt nur eine Sichtweise und das ist die des Ich-Erz\u00e4hlers. Das ist nicht ohne Probleme, denn Jack Danser ist zwar nicht pomp\u00f6s, er hat auch keine \u00fcberbordende Phantasie und wird auch nicht in wilde Abenteuer verwickelt. Aber er ist eine selbsts\u00fcchtige ichbezogene Person, mit der man sich eigentlich nicht n\u00e4her besch\u00e4ftigen mag. Er ist psychiatrischer Gutachter vor Gericht und sollte von berufswegen sensibel genug sein, die Empfindungen seiner Frau zu verstehen. Stattdessen beschl\u00e4ft er jede Frau, der er habhaft werden kann und wundern sich dann, dass seine Frau sich scheiden lassen will.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann wird eine fr\u00fchere Geliebte von ihm, eine seiner Krawatten um den Hals, tot aufgefunden. Und so langsam, zur H\u00e4lfte des Buches hin, beginnt es den Leser zu fesseln. Jack Danser gilt als tatverd\u00e4chtig, die Staatsanwaltschaft klagt ihn an und er entwickelt Abwehrstrategien. Ein Kollege untersucht ihn, er steht vor Gericht, seine Anw\u00e4ltin trickst &#8230; und dann das \u00fcberraschende Ende.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist ein Buch, welches sich, eindeutiger als viele andere Krimis, vom Ende her liest. Keines dieser B\u00fccher, die einen von der ersten Seite an in ihren Bann schlagen und bei denen der Leser atemlos die Seiten verschlingt. Auch keines dieser B\u00fccher, bei denen mehrere parallele Erz\u00e4hlungen und wechselnde Perspektiven den Umfang auf 400 und mehr Seiten hieven. Nein, es ist ein kurzes, knappes Buch, welches sich auf seine Geschichte konzentriert und das man gerne ein zweites Mal liest. Dabei erst kann man dann erkennen, wie gekonnt und gelungen Stansberry das Buch konstruiert hat und seine Personen handeln l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>In Amerika wurde \u201eThe Confession\u201c sehr kontrovers diskutiert; von Sarah Weinman z.B. wurde ihm moralische Fragw\u00fcrdigkeit vorgeworfen. Dabei ist dieses Buch nicht mehr und nicht weniger als ein sehr gut gemachtes und den modernen Bedingungen angepasstes \u201eRemake\u201c eines der gro\u00dfen Klassiker aus den sp\u00e4ten 20er des letzten Jahrhunderts.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht dass ich behaupten will, dass Stansberry sich bewusst an diesem Original orientiert h\u00e4tte. Seine Vorbilder k\u00f6nnen auch bei den amerikanischen Klassikern der 50Jahre liegen und die auff\u00e4llige Parallele zu dem Werk der 20er zuf\u00e4llig sein. Wie dem auch sei. Es ist ein gelungenes \u201eRemake\u201c und ein mutiges und extrem fokusiertes Buch. Der zeitgen\u00f6ssischen Stilistik angepasst, ist es ein Buch f\u00fcr alle, die dem \u201eOriginal\u201c vorwerfen (wie gelegentlich in Foren zu lesen), dass bei der Entstehung jenes alterw\u00fcrdigen Buches die Lesererwartungen der Gegenwart nicht ber\u00fccksichtigt wurden. F\u00fcr alle Krimileser die keine \u00e4lteren B\u00fccher lesen, ist \u201eThe Confession\u201c ein Muss. Und f\u00fcr alle jenen, die den einst tabubrechenden Klassiker gelesen haben, ist es ein Lesevergn\u00fcgen der besonderen Art. \u201eThe Confession\u201c hat das Zeug zum Klassiker, da es einen gewissen Ablauf des Krimir\u00e4tsels erneut f\u00fcr viele Jahre verbaut.<\/p>\n\n\n\n<p>Erschienen ist das Buch in der \u201eHard Case Crime\u201c &#8211; Serie, die auch in Deutschland schon wiederholt Erw\u00e4hnung fand (z.B \u2192 <a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2006\/01\/rest-der-welt.php \"> hier<\/a> oder auch im \u2192<a href=\"http:\/\/www.nordpark-verlag.de\/krimikritiksieben-jahrbuch-2006.html\"> Krimijahrbuch 2006<\/a> in einem ausf\u00fchrlichen Beitrag von Axel Bussmer). Das ist eine dieser in den USA popul\u00e4ren Serien, die sich in Stil und Aufmachung an die Pulp Fiction Tradition anlehnen. Andere B\u00fccher der Serie sind z.B. zwei fr\u00fche Lawrence Block, ein Day Keene, ein Buch des \u2192<a href=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/434\/erfolgsstory.html \"> anderenorts <\/a> genannten Allan Guthrie oder ein Buch vom gesch\u00e4tzten Erle Stanley Gardner.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Dominic Stansberry: The Confession. <br \/>Hard Case Crime 2004. 218 Seiten, 6,99 \u20ac <br \/>(noch keine deutsche \u00dcbersetzung)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eThe Confession\u201c von Dominic Stansberry erhielt 2005 den Edgar in der Kategorie \u201eBeste Taschenbuchneuerscheinung\u201c. Eine Kategorie mit Tradition. 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