{"id":16520,"date":"2006-03-14T07:39:04","date_gmt":"2006-03-14T07:39:04","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/03\/jim-fusilli-tribeca-blues\/"},"modified":"2022-06-15T00:53:08","modified_gmt":"2022-06-14T22:53:08","slug":"jim-fusilli-tribeca-blues","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/03\/jim-fusilli-tribeca-blues\/","title":{"rendered":"Jim Fusilli: Tribeca Blues"},"content":{"rendered":"\n<p>Terry Orr hat vor f\u00fcnf Jahren seine Frau und ein Kind durch ein Gewaltverbrechen verloren. Er kennt den T\u00e4ter: Raymond Montgomery Weisz, ein ehemaliges Wunderkind des Klaviers, zerbrochen an den Anspr\u00fcchen seiner Mutter, seit vielen Jahren durch die Strasse New Yorks wildernd, von Terry Orr als Wolfsmann bezeichnet. Terry Orr will sich r\u00e4chen: Raymond Montgomery Weisz ist seine Obsession.<br \/>Terry Orr hat aber auch eine Tochter zu erziehen. Er musste lernen seine Obsession zu kontrollieren. Und er tr\u00e4gt schwer daran. Wenn auch \u00fcber weite Strecken des Buches die Beziehung zwischen der selbstst\u00e4ndigen Tochter und dem Vater freundlich ist, sp\u00fcrt der Leser, dass die Tochter gerne mehr von ihrem Vater h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eTribeca Blues\u201c ist das dritte Buch des italoamerikanischen Autors Jim Fusilli, und entwickelt die Geschichte Terry Orrs fort. Es ist zum einen eine Reise zur\u00fcck zum Tod von Frau und Kind und eine Geschichte \u00fcber das Zerplatzen einer Obsession. Pl\u00f6tzlich stellt sich alles ganz anders dar und am Ende wird Terry Orr versuchen, das Leben Raymond Montgomery Weisz\u2019 zu retten. Es ist aber auch ein klassischer PI-Roman (\u201ePrivate Investigator\u201c). Denn einer der beiden letzten W\u00fcnsche eines toten Freundes war, dass ein gemeinsamer Freund seine verwaiste Kneipe \u00fcbernimmt und der andere Wunsch war, dass Terry Orr verhindern m\u00f6ge, dass seine fr\u00fchere Frau selber von der Kneipe Besitz ergreift.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Art von Krimi ist in den USA recht verbreitet: Gut gemacht, entwickeln sich mehrere Erz\u00e4hlstr\u00e4nge nebeneinander, um am Ende eine unaufl\u00f6sbare Einheit darzustellen. Dazu ein Detektiv mit einer pers\u00f6nlichen Konfliktsituation und schon ist es fertig, das amerikanische Krimipendant zu einem internationalen, barrique -ausgebauten Rotwein (1).<\/p>\n\n\n\n<p>So wie beim Wein das Etikett, so dienen bei diesen Krimis die Atmosph\u00e4re, die Umgebung und die Stilistik als M\u00f6glichkeit, sich individuell in Szene zu setzen. \u201eTribeca Blues\u201c spielt haupts\u00e4chlich in einem engumschriebenen Gebiet New Yorks, in dem auch \u201eGround Zero\u201c liegt. Terry Orrs Frau war Italienerin und die Haush\u00e4lterin der Familie versucht die Werte der italienischen K\u00fcche hochzuhalten. Das f\u00fcgt sich zu einem Buch mit individueller Note, aber keineswegs zu einem Regionalkrimi.<\/p>\n\n\n\n<p>Sprachlich ist dem Autor nichts vorzuwerfen. \u201eTribeca Blues\u201c ist ein von leichter Hand geschriebenes, sich furios entwickelndes Buch, dominiert von der Obsession Terry Orrs. Die Sprache ist knapp. Zur Zeichnung der glaubw\u00fcrdig entwickelten Personen enth\u00e4lt die Story allerdings manchmal etwas viel Speck. Der Aufbau ist wohl durchdacht. Dabei schafft es Fusilli immer wieder, im rechten Moment durch eine \u00fcberraschende Wendung an der Schraube zu drehen. Wenn es auch vielleicht nicht ganz die \u201ebeklemmende\u201c Emotionalit\u00e4t oder die scheinbare Ausweglosigkeit der allerersten Garde hat, so ist es ein ausgesprochen gutes Buch. Alleine: Ab und zu erm\u00fcden diese etwas uniform wirkenden Werke des gehobenen Niveaus etwas.<\/p>\n\n\n\n<p>(1) Hierbei handelt es sich bekanntlich um Rotweine, die mitunter sehr teuer sind, qualitativ unangreifbar wirken, aber auf hohen Niveau austauschbar schmecken und ihre <em>Wurzeln<\/em> h\u00e4ufig nicht mehr erkennen lassen.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Jim Fusilli: Tribeca Blues. <br \/>Berkley Prime Crime 2004. 294 Seiten, z.Zt. nur gebraucht erh\u00e4ltlich <br \/>(keine deutsche \u00dcbersetzung)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Terry Orr hat vor f\u00fcnf Jahren seine Frau und ein Kind durch ein Gewaltverbrechen verloren. Er kennt den T\u00e4ter: Raymond Montgomery Weisz, ein ehemaliges Wunderkind des Klaviers, zerbrochen an den Anspr\u00fcchen seiner Mutter, seit vielen Jahren durch die Strasse New Yorks wildernd, von Terry Orr als Wolfsmann bezeichnet. Terry Orr will sich r\u00e4chen: Raymond Montgomery [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":42,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1070],"tags":[397,474],"class_list":["post-16520","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-watching-the-detectives","tag-buchkritik","tag-krimi"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"Bernd Kochanowski","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/bernd-kochanowski\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16520","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/42"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16520"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16520\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16520"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16520"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16520"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}