{"id":16525,"date":"2006-03-14T07:47:28","date_gmt":"2006-03-14T07:47:28","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/03\/frueher-war-alles-besser\/"},"modified":"2022-06-13T01:29:48","modified_gmt":"2022-06-12T23:29:48","slug":"frueher-war-alles-besser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/03\/frueher-war-alles-besser\/","title":{"rendered":"Fr\u00fcher war alles besser"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich will ja dem Herrn \u2192<a href=\"http:\/\/www.nutblog.de\/\/\"> Linder<\/a>, der gerade das fr\u00fche 20. Kriminaljahrhundert unterm kritischen Auge hat, nicht ins Handwerk pfuschen. Aber <em>das hier <\/em>ist einfach zu sch\u00f6n und so wahr, als dass ich daran vorbeigehen k\u00f6nnte. Eine Kriminalparodie aus dem Jahr 1920 von Baron G. de S. Heinrich Lautensack, und schon der Titel ist eine Kurzgeschichte: &#8222;Leben, Taten und Meinungen (kurz zusammengefa\u00dft) des sehr ber\u00fchmten russischen Detektivs Maximow, Beamter zu besonderen Auftr\u00e4gen im Ministerium des Innern zu St. Petersburg&#8220;. Allein die Vorrede war die Investition wert&#8230;<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&#8222;So wenig er &#8211; dessen Namen wir nicht zu nennen brauchen &#8211; daf\u00fcr etwa verantwortlich zu machen ist, da\u00df seine Serie wundervoller Romane jene allesverheerende Flut von Detektivgeschichten heraufbeschwor (man denke an Mond und Ebbe, und man denke an Mond und Flut), so sehr kann ihm dieser Vorwurf doch nicht erspart bleiben, da\u00df wir von allem privaten Leben seines Sherlock Holmes kaum ein Mehreres wissen als: da\u00df Rauchen etwas ist, das einem zur Leidenschaft werden &#8211; und da\u00df die Geige spielen (oder ist es ein Klavier? oder ist&#8217;s eine Fl\u00f6te?)etwas, das Dr\u00fcber- oder Drunterwohnende, Linksnebenan- oder Rechtsnebenanhausende gar wohl veranlassen kann, zum n\u00e4chsten Termin oder vorher noch fluchtartig aus- und die Unannehmlichkeit eines, sagen wir, bis zur Totalit\u00e4t verwanzten Hauses (gegen solchen musikalischen Dauergenu\u00df gehalten) immer noch bei weitem lieber vorzuziehen.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Dem will der Autor abhelfen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&#8222;Denn: vom Gehirnschwei\u00df eines Detektivs haben wir durch die schier unendlich anwachsende einschl\u00e4gige Literatur mehr als eine Ahnung&#8230; ja, um es dreist zu sagen: fast die Nase voll. Versuchen wir dieserhalb einmal, wie einer der sehr ber\u00fchmten Detektivs pur als Mensch transpiriert&#8230;als Mensch und obendrein noch als Liebhaber.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Man kann es sich heute gar nicht mehr vorstellen! Es gab mal eine Zeit, als man uns nicht hundertseitenlang mit den Privatproblemchen von ErmittlerInnen behelligte, als die Libido auf die Couch der Psychoanalytiker geh\u00f6rte und nicht in einen Krimi gepresst werden musste! Als noch DER FALL im Mittelpunkt stand und nicht das gesammelte Weltelend, \u00fcber das Herr oder Frau Detektiv sich schier das K\u00f6pfchen zergr\u00fcbelt! Mensch, was f\u00fcr Zeiten!<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wir erfahren auch, warum diese Zeiten dahin sind, endg\u00fcltig.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&#8222;Wir kannten und wir kennen unseren Leitsatz (nicht nur f\u00fcr dieses B\u00fcchlein): Von Erz\u00e4hlungen, so auf nichts als auf Spannung gearbeitet sind, von solchen ganz zu schweigen, haftet selbst allen Milieuschilderungen (wir k\u00f6nnen uns nicht helfen) immer etwas Reporterhaftes an; dagegen reine Menschlichkeitsschilderungen und -gem\u00e4lde, eija, die haben Ewigkeitswert!&#8220;<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Und so menscheln sie halt fr\u00f6hlich vor sich hin, klecksen eine banale Befindlichkeit auf die n\u00e4chste und nennen&#8217;s Krimi &#8211; versch\u00e4mt, naturellement, denn sie wollen ja unsterblich werden, ewig &#8211; und werden doch nur schlechte KrimiautorInnen. Das h\u00e4lt kaum \u00fcbers Jahr.<\/p>\n\n\n\n<p>Ach ja: Und \u2192<a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/lautensk\/maximow\/toc.htm\"> hier <\/a> kann man den Text lesen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich will ja dem Herrn \u2192 Linder, der gerade das fr\u00fche 20. Kriminaljahrhundert unterm kritischen Auge hat, nicht ins Handwerk pfuschen. Aber das hier ist einfach zu sch\u00f6n und so wahr, als dass ich daran vorbeigehen k\u00f6nnte. Eine Kriminalparodie aus dem Jahr 1920 von Baron G. de S. 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