{"id":16574,"date":"2006-03-27T07:50:24","date_gmt":"2006-03-27T07:50:24","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/03\/krimischach\/"},"modified":"2022-06-16T04:08:08","modified_gmt":"2022-06-16T02:08:08","slug":"krimischach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/03\/krimischach\/","title":{"rendered":"Krimischach"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/310.gif\" alt=\"310.gif\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>(Auf dem Denkstapel landet alles Unausgegorene, Angedachte, Zurechtgedachte oder f\u00fcr zuk\u00fcnftige Arbeiten Zurechtzudenkende. Der Leser darf mitdenken, vorausdenken, querdenken, tieferdenken, Hauptsache: denken.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u201eDer Kriminalroman als Schachspiel\u201c? Man kann das so wie Moez Lahm\u00e9di in der \u2192<a href=\"http:\/\/perso.wanadoo.fr\/arts.sombres\/polar\/4_dossiers_articles_lahmedi_de.htm\"> neuesten Ausgabe von <em>Europolar<\/em> <\/a> sehen. Aber Bilder und Metaphern haben in der Regel ihre T\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste: Laut Lahm\u00e8di erkl\u00e4rt der Bezug der Kriminalliteratur auf das Schachspiel <em>\u201edie Reduktion, die die Kriminalliteratur im 19. Jahrhundert erlitten hat.\u201c<\/em> Das ist zwar auf einer einfachen Erkl\u00e4rungsebene richtig, aber doch sehr unscharf. Was war Kriminalliteratur, bevor sie \u201eSchachspiel\u201c wurde? Wann genau wurde sie es? Mit Edgar Poe oder doch erst im Prozess ihrer Trivialisierung durch Garboriau und Conan Doyle? Und wie lange ist sie reines Schachspiel geblieben? Es ist ja nicht zu leugnen, dass das Lesen von Kriminalromanen immer auch ein Spiel ist, aber ausgerechnet Schach?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich mich als Nichtschachspieler nicht t\u00e4usche, ist es das Ziel dieses Spiels, einen Gegner zu besiegen. Also: Wer sitzt sich da am imagin\u00e4ren Spielbrett gegen\u00fcber? Autor und Leser? Text und Leser? Und wer verliert wodurch?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gebe aber zu: Die Vorstellung eines Kampfes zwischen Autor \/ Text und Leser hat etwas f\u00fcr sich. Sie ist aber nicht sehr popul\u00e4r. Popul\u00e4r ist der Doppelsieg, den der Leser von nicht nur Kriminalromanen nach der Lekt\u00fcre verk\u00fcndet: Tolles Buch \/ f\u00e4higer Autor \u2013 zufriedener, gut unterhaltener Leser. \u00c4u\u00dferst unpopul\u00e4r hingegen ist das Ergebnis eines d\u00fcpierten Lesers, dessen Erwartungen sich nicht erf\u00fcllt haben. Dann gibt es keinen Sieger, denn der Leser, obwohl er nat\u00fcrlich verloren hat (Langeweile!), erkennt ja in der Regel den \u201eSieg\u201c des Autors \/ Textes nicht an, schon deshalb nicht, weil er nicht zugeben mag, es sei die Strategie des Autors gewesen, ihn, den Leser, zu besiegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber genau darum geht es bei Literatur. Wenn ich lese, dann sollte der Text gr\u00f6\u00dfer sein als ich. Ich reagiere auf die Z\u00fcge des Autors nicht um zu gewinnen, sondern um das Spiel Literatur zu verstehen. Verstehe ich es zur G\u00e4nze, habe ich verloren. Verstehe ich es besser als ich es ohne die Lekt\u00fcre dieses Buches getan h\u00e4tte, habe ich zwar, was dieses Buch anbetrifft, auch verloren, aber insgesamt gewonnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das m\u00fcsste man jetzt ausarbeiten. Und k\u00e4me dann gleich wieder ins 19. Jahrhundert zur\u00fcck, zu Poe etwa, der ja Krimischach erfunden haben soll \u2013 aber eigentlich etwas ganz anderes, das Schach verkehrtrum.<\/p>\n\n\n\n<p>Mal notieren.<\/p>\n\n\n\n<p>dpr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Auf dem Denkstapel landet alles Unausgegorene, Angedachte, Zurechtgedachte oder f\u00fcr zuk\u00fcnftige Arbeiten Zurechtzudenkende. 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