{"id":16581,"date":"2006-03-27T14:12:22","date_gmt":"2006-03-27T14:12:22","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/03\/peace-1977-notizen-eins\/"},"modified":"2022-06-09T22:40:54","modified_gmt":"2022-06-09T20:40:54","slug":"peace-1977-notizen-eins","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/03\/peace-1977-notizen-eins\/","title":{"rendered":"Peace, 1977, Notizen eins"},"content":{"rendered":"\n<p>Also lesen wir \u201e1977\u201c, durchaus mit einer gewissen Beklemmung. Beklemmung, weil man die Stimmen derjenigen im Ohr hat, die das Buch im Original gelesen haben, positive wie negative Stimmen, die aber, so oder so, auf eines hinauslaufen: \u201e1977\u201c ist eigentlich wie \u201e1974\u201c.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Und genauso scheint es zu sein. Das erste Kotzen, den ersten brachialen Geschlechtsverkehr begr\u00fc\u00dft man wie gute alte Bekannte und hofft inst\u00e4ndig, man m\u00f6ge Ihnen \u2013 gute alte Bekannte eben \u2013 ab sofort nicht auf Schritt und Tritt begegnen. An die Stelle des tragischen Helden Edward Dunford ist in \u201e1977\u201c gleich ein Duo getreten, der Polizist Robert Fraser und der Journalist Jack Whitehead, beide selbstverst\u00e4ndlich keine good guys, eher Ge- und Besch\u00e4digte, traumatisiert, von b\u00f6sen Geistern aus der Vergangenheit und der Gegenwart nicht nur durch die dunkle Handlung gejagt, sondern auch durch die Sprache.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Leser erwartet man jetzt, bei zwei Ich-Erz\u00e4hlern, auch zwei Perspektiven, aber die bietet Peace nur ansatzweise. Fraser und Whitehead sind von der gleichen Sorte wie schon Dunford im ersten Band, H\u00f6llenbewohner mit vager Aussicht aufs Fegefeuer.<\/p>\n\n\n\n<p>So beginnt man zu lesen, vierzig Seiten, f\u00fcnfzig Seiten, diesmal werden keine kleinen M\u00e4dchen, sondern Prostituierte ermordet, die Polizei ist eher noch brutaler als in \u201e1974\u201c, es gibt, wie erhofft, ein paar sprachliche Leckerbissen, aber die Hauptelemente diese finsteren Welt sind die aus \u201e1974\u201c, die Polizei noch ein bisschen brutaler, die Hoffnungslosigkeit der Protagonist noch etwas hoffnungsloser, alles nat\u00fcrlich \u201esehr hart\u201c, f\u00fcr manchen Rezensenten denn doch zu hart, so hart, dass es ihm gleich den Verstand raushaut: <em>\u201eHier macht einer Schlu\u00df mit der ganzen Kreuzwortr\u00e4tselei eines zutiefst b\u00fcrgerlichen Genres, das sich zur Wiederherstellung der Ordnung gern so niedlicher Charaktere wie Hercule Poirot oder der Mi\u00df Marple bedient.\u201c<\/em> Willkommen im 20. Jahrhundert, \u2192<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/data\/2006\/03\/18\/860780.html\"> Herr Rezensent<\/a>, schauen Sie sich um, wir gehn dann schon mal vor ins 21.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt ist er da: Der Verdacht, \u201e1977\u201c sei lediglich die 2. Stufe auf dem Weg zum \u201eh\u00e4rtesten Krimi aller Zeiten\u201c, wo doch, \u2192<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/literatur\/0,1518,407757,00.html\"> laut SPIEGEL<\/a>, Peace schon <em>\u201eder h\u00e4rteste Krimiautor der Gegenwart\u201c<\/em> ist, und wenn Fraser \/ Whitehead bei solcher Aussicht auf Weltrekord das Kotzen k\u00e4me, es w\u00e4re nur zu verst\u00e4ndlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wenn man dann weiterliest und pl\u00f6tzlich keine Lust mehr hat auf Blut und Kotze und Tr\u00e4nen und Hirn an der Wand, wenn der m\u00e4nnliche Schwanz einmal zuviel in eine weibliche \u00d6ffnung gesteckt wurde \u2013 dann hat man die Wahl. Entweder man klappt das Buch zu und sagt \u201eKenn ich schon\u201c. Oder man liest weiter und studiert Peaces Sprachdramaturgie. Oder: Man fragt sich: \u00dcber welche Welt lese ich da eigentlich?<br \/>Alternative eins ist zu deprimierend; Alternative zwei nicht wirklich das, was man tun m\u00f6chte. Bleibt Alternative drei. Die Welt von \u201e1977\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>wird fortgesetzt<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Also lesen wir \u201e1977\u201c, durchaus mit einer gewissen Beklemmung. 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