{"id":16618,"date":"2006-04-10T07:45:50","date_gmt":"2006-04-10T07:45:50","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/04\/ein-roman-aus-der-gegenwart\/"},"modified":"2022-06-16T04:01:30","modified_gmt":"2022-06-16T02:01:30","slug":"ein-roman-aus-der-gegenwart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/04\/ein-roman-aus-der-gegenwart\/","title":{"rendered":"Ein Roman aus der Gegenwart"},"content":{"rendered":"\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eEs ist bei Gott eine Mis\u00e8re in der Welt,\u201c seufzte unser invalider Lieutenant, \u201edie Dummheit h\u00e4lt das Heft der Thaten in beiden H\u00e4nden, w\u00e4hrend der Verstand zur Rolle des m\u00fcssigen Zuschauens verdammt ist.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Was f\u00fcr eine Gegenwart! Es wird betrogen und intrigiert, unterschlagen und erpresst, bestochen und diskriminiert. Zweimal wird unges\u00fchnt gemordet \u2013 einmal aus Habsucht, einmal zur politischen Vertuschung -, zwei \u201eM\u00e4rtyrer\u201c bleiben auf der Strecke, die Bedr\u00e4ngten, die Unterdr\u00fcckten verabschieden sich am Ende resigniert in die Emigration. Und die Gegenwart geht weiter ihren b\u00f6sen Gang.<\/p>\n\n\n\n<p>Was f\u00fcr ein Roman! \u201eEin Roman aus der Gegenwart\u201c, wie es im Untertitel hei\u00dft, jeder Gegenwart, m\u00f6chte man bitter erg\u00e4nzen, von einer Frau geschrieben, die mehr Hintern in der Hose hatte als die meisten ihrer m\u00e4nnlichen Kollegen. Und die schreiben konnte; Handlungsf\u00e4den kn\u00fcpfen und verkn\u00fcpfen, Personen zeichnen, bisweilen ironisch, immer auf den Punkt. Kurz: Eine Bereicherung f\u00fcr jede Kriminalbibliothek wird das werden, wenn \u2013<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; und, Achtung, jetzt phantasieren wir ein wenig \u2013<\/p>\n\n\n\n<p>wenn dieser Roman baldigst in einem \u201erichtigen\u201c Verlag erscheinen wird, in angemessener Auflage, angemessen beworben, sorgf\u00e4ltig editiert, die Sprache nicht \u201ebehutsam unserer Zeit angepasst\u201c, vielleicht mit dem Sticker auf dem Cover: \u201eWenn Arno Schmidt dieses Buch gekannt h\u00e4tte, er h\u00e4tte es gnadenlos gelobt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; und, schn\u00f6de Gegenwart:<\/p>\n\n\n\n<p>Hat er wohl nicht. Kein Sticker. Wozu auch. Kein Buch in einem richtigen Verlag. Die haben sich schon bei \u201eSchwarzwaldau\u201c blamiert und werden es wieder tun. Man versteht sie. Schlie\u00dflich muss zum 150sten Mal der \u201eMichael Kohlhaas\u201c gedruckt werden oder ein fl\u00fcchtiges Frou-frou der Sorte \u201eLesen und Vergessen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie hei\u00dft das Buch? Wer schrieb es? Verrate ich noch nicht. Vielleicht sollte man den Verlegern doch eine Chance geben, jedenfalls denen, die wissen, dass sie der Literaturgeschichte etwas schulden. Nicht viel, nur ein bisschen Gerechtigkeit. Nein, keine verstaubte Scharteke wartet hier auf ihre Wiederentdeckung, sondern ein moderner Roman, ein ewig aktueller, so gar nicht in seiner Belanglosigkeit und seinem Happyending erstarrter Krimi.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eFreilich, das Thier steht auch um so viel h\u00f6her da als der Mensch hinsichtlich der F\u00fcrsorge, welche es sich von der Humanit\u00e4t zu erfreuen hat, besonders als der arme Mensch, &#8211; ihm w\u00e4re besser, nimmer geboren zu sein, denn schon sein erster Gru\u00df wird mit Sorge und Angst empfangen. Man bemitleidet die armen Eltern mit ihrem Reichthum an Kindern und h\u00e4lt solchen Segen all\u00fcberall f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Fluch. Wehe dem Ungl\u00fccklichen, der im Schoo\u00dfe der Armuth geboren, nur f\u00fcr ihn sind die Gesetze, nur ihn umspannt ihr eiserner Ring von der Wiege bis zur Gruft.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Wer sich f\u00fcr den Fortgang dieses Projekts und einiger anderer interessiert, sei freundlichst an die Seite der \u2192<a href=\"http:\/\/www.alte-krimis.de\"> Criminalbibliothek des 19. Jahrhunderts <\/a> verwiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>dpr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEs ist bei Gott eine Mis\u00e8re in der Welt,\u201c seufzte unser invalider Lieutenant, \u201edie Dummheit h\u00e4lt das Heft der Thaten in beiden H\u00e4nden, w\u00e4hrend der Verstand zur Rolle des m\u00fcssigen Zuschauens verdammt ist.\u201c<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1070],"tags":[],"class_list":["post-16618","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-watching-the-detectives"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"dpr","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/dpr\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16618","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16618"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16618\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16618"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16618"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16618"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}