{"id":16650,"date":"2006-04-20T07:37:10","date_gmt":"2006-04-20T07:37:10","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/04\/andreas-hoppert-zug-um-zug\/"},"modified":"2022-06-16T04:00:14","modified_gmt":"2022-06-16T02:00:14","slug":"andreas-hoppert-zug-um-zug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/04\/andreas-hoppert-zug-um-zug\/","title":{"rendered":"Andreas Hoppert: Zug um Zug"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Kriminalroman als Schachaufgabe: Vorbereitung \u2013 Er\u00f6ffnung \u2013 Mittelspiel \u2013 Endspiel. Akkurat nach diesem Muster hat Andreas Hoppert seinen neuen Krimi \u201eZug um Zug\u201c aufgebaut, einen \u201eGerichtsthriller vom Allerfeinsten\u201c, wie der Klappentext klappert und tollk\u00fchn hinzuf\u00fcgt: \u201edie deutsche Antwort auf Grisham\u201c. Naja. Ein gelungener Krimi aus dem Gerichtsmilieu \u2013 das reicht doch auch, oder?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Der Jurist Marc Hagen, nach einem Betrugsversuch seiner Anwaltszulassung ledig, arbeitet im B\u00fcro von Irene von Kleist, einer einstmals gesch\u00e4tzten, nun aber dank Alkoholmissbrauch vor der beruflichen Aus stehenden Anw\u00e4ltin. Die Jobs sind rar, und so nimmt man alles was da kommt, auch die Vertretung des arroganten Hasso von Neuendorff, der wegen Wilderei angeklagt ist. Der Fall regelt sich \u2013 und ist der Auftakt eines weitaus schwerwiegenderen. Von Neuendorff wird beschuldigt, seine Lebensgef\u00e4hrtin aus Geldgier ermordet zu haben. Keine leichte Aufgabe f\u00fcr Hagen und seine labile Chefin.<\/p>\n\n\n\n<p>Schach also. Daf\u00fcr eigenen sich Krimis, die \u00fcber weite Strecken im Gerichtssaal spielen, nat\u00fcrlich vorz\u00fcglich. Es gibt Regeln, es gibt eine ehrgeizige Staatsanw\u00e4ltin, Gutachter und teils dubiose Zeugen, mithin gen\u00fcgend Figuren auf dem Brett, die bewegt werden wollen. Hoppert gelingt das auch nicht schlecht, sieht man einmal davon ab, dass im Schach wie im Schachkrimi manch Routinezug vorgenommen werden muss, der notwendig ist, uns aber nicht gerade von der Couch haut. Erschwert wird das noch durch Vergangenheit (Hagen) und Gegenwart (von Kleist) der beiden Verteidiger, aber deren Probleme dr\u00e4ngen sich gottlob niemals in den Vordergrund, so dass uns tiefere und der Handlung nicht f\u00f6rderliche Einblicke in das Seelenleben der Protagonisten erspart bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Rasch wird klar, dass bei dieser Partie ein Unbekannter mit am Tisch sitzt. Von Neuendorff ist unzweifelhaft das Opfer eines Komplotts. Anonyme Briefe belasten ihn, doch wer steckt dahinter? Der Gesch\u00e4ftspartner, der sich vom Angeklagten betrogen f\u00fchlt? Die Tochter einer fr\u00fcheren und unter merkw\u00fcrdigen Umst\u00e4nden verschwundenen Lebensgef\u00e4hrtin von Neuendorffs? Gar die junge Staatsanw\u00e4ltin, die ein d\u00fcsteres Geheimnis in sich tr\u00e4gt?<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ende, soviel sei verraten, ist eine \u00dcberraschung, jedenfalls f\u00fcr Nichtjuristen. Und das anscheinend so reglementierte Schachspiel entpuppt sich als kalkuliertes Hasard. Figuren sind Spieler, Spieler Figuren, Z\u00fcge werden gegen die Regeln unternommen. Sehr sch\u00f6n das alles.<\/p>\n\n\n\n<p>Hoppert, im Brotberuf Richter, ist ein solide durchkonstruierter Krimi gelungen, der seine Leser aufs Glatteis f\u00fchrt, ohne sie auf den Hintern fallen zu lassen. Das liest sich gut \u2013 auch f\u00fcr Ver\u00e4chter des Schachspiels.<\/p>\n\n\n\n<p>dpr<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Andreas Hoppert: Zug um Zug. <br \/>Grafit 2006. 349 Seiten. 9,95 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kriminalroman als Schachaufgabe: Vorbereitung \u2013 Er\u00f6ffnung \u2013 Mittelspiel \u2013 Endspiel. Akkurat nach diesem Muster hat Andreas Hoppert seinen neuen Krimi \u201eZug um Zug\u201c aufgebaut, einen \u201eGerichtsthriller vom Allerfeinsten\u201c, wie der Klappentext klappert und tollk\u00fchn hinzuf\u00fcgt: \u201edie deutsche Antwort auf Grisham\u201c. Naja. 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