{"id":16666,"date":"2006-04-27T07:41:23","date_gmt":"2006-04-27T07:41:23","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/04\/george-p-pelecanos-wut-im-bauch\/"},"modified":"2022-06-13T00:41:18","modified_gmt":"2022-06-12T22:41:18","slug":"george-p-pelecanos-wut-im-bauch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/04\/george-p-pelecanos-wut-im-bauch\/","title":{"rendered":"George P. Pelecanos: Wut im Bauch"},"content":{"rendered":"\n<p>Bei Pelecanos f\u00e4hrt man viel Auto. Die Guten tun es, die B\u00f6sen, die T\u00e4ter und die Opfer, so ist alles in Bewegung, und am Ende war jeder \u00fcberall und alles, und der Leser war auch irgendwo. Mitten in der Wirklichkeit.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Eigentlich widerstrebt es mir jetzt, etwas von der Handlung des Romans zu erz\u00e4hlen. Au\u00dferdem gibt es mehrere Handlungsstr\u00e4nge, die 14j\u00e4hrige Ausrei\u00dferin, die von den beiden Ermittlern Strange und Quinn vom Strich geholt wird, das junge Gangstertrio, dem 100 Dollar Schulden Grund genug sind, zwei Menschen zu exekutieren, dann das von Strange und Quinn unterst\u00fctzte Footballteam, dessen Spieler \u201egef\u00e4hrdete Jugendliche\u201c sind, und dann noch das Privatleben unserer beiden Helden, gar nicht so rosig, aber so schlecht auch wieder nicht, und diese Str\u00e4nge bilden selbst wieder welche aus, und am Ende ist alles verschlungen, aber es verwirrt nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, weg von der Handlung. Weg von den Str\u00e4ngen. Nennen wir sie Stra\u00dfen. Stra\u00dfen, die durch jene Bezirke Washingtons f\u00fchren, in die hineingeboren zu werden nicht selten der Todesstrafe gleichkommt, f\u00fcr die sich immer ein Vollstrecker findet, oder der Ausbildung zum Vollstrecker, der sich um seine Deliquenten nicht zu sorgen braucht. Pelecanos also sitzt am Steuer dieses Wagens, wir auf dem R\u00fccksitz, und so fahren wir gemeinsam durch diese elende Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe aber selten einen Roman gelesen, in dem dieses Elend so hoffnungsvoll ist wie hier. Und die Hoffnung so elend zugrunde geht. Das ist es, was wir sehen. Menschen. Zwei Protagonisten, den schwarzen Detekteibesitzer Derek Strange, mittelalt, abgebr\u00fcht, durchaus noch idealistisch gegen das Schicksal ank\u00e4mpfend. Er liebt seine B\u00fcrovorsteherin \u2013 und entspannt sich dennoch in den Hinterzimmern asiatischer \u201eMassagesalons\u201c. Und den wei\u00dfen Terry Quinn, Expolizist, ungeduldiger Draufg\u00e4nger, der sich verliebt und trotzdem seine inneren D\u00e4monen nicht \u00fcberwindet. Die beiden sind K\u00e4mpfer und Zweifler zugleich. Sie k\u00e4mpfen um die Seelen der Jugendlichen, gegen die Ausfl\u00fcchte der Dealer und Zuh\u00e4lter, die ihre Chancenlosigkeit, ihr Schwarzsein f\u00fcr alles verantwortlich machen. Das stimme schon, sagt Quinn einmal, aber man k\u00f6nne dagegen ank\u00e4mpfen. Der Leser wei\u00df nicht, ob er das ernst meint, doch Quinn k\u00e4mpft um die noch nicht Verlorenen und wei\u00df, dass er dies zulasten der l\u00e4ngst Verlorenen tun muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die B\u00f6sen. Je l\u00e4nger wir durch die Stra\u00dfen dieses fiktiven Washington fahren, dessen d\u00e4monischer wird das alles \u2013 und desto deutlicher zeigt sich, dass selbst die B\u00f6sen so geworden sind, wie sie werden mussten. Nicht b\u00f6se geboren; b\u00f6se gemacht. So verschwimmt allm\u00e4hlich alles. Pelecanos erkl\u00e4rt uns die Welt nicht. Er zeigt sie uns einfach. Steigen Sie ein, fahren Sie mit.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">George P. Pelecanos: Wut im Bauch (Hell to pay). <br \/>Aufbau 2005. 360 Seiten. 8,95 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei Pelecanos f\u00e4hrt man viel Auto. Die Guten tun es, die B\u00f6sen, die T\u00e4ter und die Opfer, so ist alles in Bewegung, und am Ende war jeder \u00fcberall und alles, und der Leser war auch irgendwo. Mitten in der Wirklichkeit.<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1070],"tags":[],"class_list":["post-16666","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-watching-the-detectives"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"dpr","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/dpr\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16666","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16666"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16666\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16666"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16666"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16666"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}