{"id":16671,"date":"2006-04-28T03:45:30","date_gmt":"2006-04-28T03:45:30","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/04\/live-blumfeld\/"},"modified":"2022-06-16T03:57:12","modified_gmt":"2022-06-16T01:57:12","slug":"live-blumfeld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/04\/live-blumfeld\/","title":{"rendered":"Live: Blumfeld"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hannover, Musikzentrum, 27.04.06<\/h2>\n\n\n\n<p>Immer wieder &#8230; Liebeslieder<\/p>\n\n\n\n<p>Blumfeld ist zurzeit die beste Band, die es in Deutschland gibt. Punkt.<br \/>Steve McQueen: L\u00e4ssige Eleganz, hinter der sich unb\u00e4ndige Leidenschaft zu verstecken scheint. Gelegentlich bricht die Energie aus, liegt sichtbar an der Oberfl\u00e4che \u2013 und trotzdem verliert der Mann nie die Aura der Unergr\u00fcndlichkeit. Behind blue eyes &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4re Steve McQueen eine Band, sie hie\u00dfe Blumfeld.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Es gibt ein neues Album der Hamburger Gruppe um S\u00e4nger und Texter Jochen Distelmeyer und es gibt eine Deutschland-Tournee. Am Donnerstag, dem 27. April, war Auftakt in Hannover \u2013 einen Tag, bevor \u201eVerbotene Fr\u00fcchte\u201c offiziell erscheint. Was war im Vorfeld nicht alles zu lesen: Von Naturlyrik (die Songs hei\u00dfen \u201eDer Apfelmann\u201c oder \u201eIch fliege mit Raben\u201c), vom endg\u00fcltig vollzogenen R\u00fcckzug ins Private, vom Verlust jeglicher politischen Relevanz, die man fr\u00fcheren Blumfeld-Texten zuschrieb. Der vielleicht sch\u00f6nste Kommentar stand in der \u201etaz\u201c. <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/pt\/2006\/04\/25\/a0124.1\/text\">Eine komplette Seite<\/a> widmete die Berliner Tageszeitung der neuen CD, zwei Redakteure besprachen das Album, einer Pro, einer Contra. Es stelle sich ein \u201e<i>unleugbares Gef\u00fchl ein, Jochen Distelmeyer habe den Verstand verloren (und das sagt tats\u00e4chlich jeder, der die Platte das erste Mal h\u00f6rt)<\/i>\u201c. Achtung, bitte: Das Zitat stammt aus der Pro-Rezension.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer immer sich um Distelmeyers Verstand und die angesichts der Kritiken zu bef\u00fcrchtende Kastration der Rock-Band Blumfeld sorgt: Keep cool, Baby! Blumfeld rocken wie Sau, immer noch und immer wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit \u201eSchnee\u201c, dem ersten Song der neuen Platte, fangen die vier auf der B\u00fchne an. Der relativ ruhige Einstieg ins Konzert entspricht der Atmosph\u00e4re des Albums. Aber Blumfeld-Alben und Blumfeld-Gigs sind zwei verschiedene Paar Stiefel: Nach vier Songs hat Distelmeyer vier verschiedene Gitarren gespielt \u2013 nur eine davon ist eine akustische. Munter geht es durch die letzten f\u00fcnf Alben, einzig das Deb\u00fct \u201eIch-Maschine\u201c findet sich im Live-Set \u00fcberhaupt nicht wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Andre Rattay am Schlagzeug, Vredeber Albrecht an den Keyboards, der neue Bassist Lars Precht und der Master of Ceremony himself an Gitarre und Gesang grooven \u00e4u\u00dferst entspannt. Von Beginn an sind sie extrem pr\u00e4sent, das Zusammenspiel ist leicht und gleichzeitig so druckvoll, dass \u2013 um mal wieder den alten Slogan von der Hamburger Schule hervorzukramen \u2013 Blumfeld alle imagin\u00e4ren Brothers in Arms wie Tomte, Kettcar oder Olli Schulz tats\u00e4chlich wie ABC-Sch\u00fctzen aussehen lassen, w\u00e4hrend sie selbst bereits Galaxien entfernt in der Welt der Erwachsenen angekommen sind. Hier werden keine Gefangenen gemacht, die Schulbank ist weit entfernt und auch das vielzitierte germanistische Seminar hat die Band schon l\u00e4ngst ad acta gelegt. Da st\u00f6rt es auch nicht, dass die Gruppe im Big Business angekommen ist, von Sony\/BMG straight vermarktet wird und beispielsweise in der deutschen Ausgabe der TV-Show \u201eTop of the Pops\u201c auftrifft und vorm Mitklatscher-RTL-Publikum Zeilen wie \u201eIhr Sklaven in der \u00dcberzahl, wie lang noch wollt ihr leiden\u201c zum Besten gibt (ein Highlight der deutschen Fernsehunterhaltung!).<\/p>\n\n\n\n<p>Einer der vielen angenehmen Gedanken bei einem Blumfeld-Konzert ist die Feststellung, dass diese Band nie Stadion-Rock produzieren wird. Dazu sind sie einfach zu sperrig, zu einzigartig in ihrer Haltung und Abgrenzung zu allem, was vereinnahmend wirkt, wogegen Gruppen wie Kettcar schon l\u00e4ngst im Stadion-Rock angekommen sind, live allerdings (bislang noch) ohne Stadion.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts ihrer Show wirkt es geradezu unfassbar, wie Blumfeld in Artikeln und Rezensionen immer wieder auf die Songtexte reduziert werden. Es ist kein Vorlesewettbewerb, den Distelmeyer bestreitet, es ist ein Rockkonzert, Baby! Beeindruckend, wie der Mann mittlerweile singt, mitrei\u00dfend, wie die Musiker die neuen und vor allem die alten St\u00fccke interpretieren. Einer der H\u00f6hepunkte: \u201eSo lebe ich\u201c vom Album \u201eOld Nobody\u201c, mit dem das regul\u00e4re Programm nach anderthalb Stunden endet. Nach anf\u00e4nglicher Zur\u00fcckhaltung kommt das hannoversche Publikum richtig in Schwung und bejubelt die Band nach etlichen Zugaben noch einmal auf die B\u00fchne, als in der Halle bereits die Rausschmei\u00dfer-Musik vom Band l\u00e4uft.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann kommt er wirklich, der von den Zuh\u00f6rern lautstark verlangte Blumfeld-Klassiker \u201eVerst\u00e4rker\u201c vom \u201eL\u2019Etat et moi\u201c-Album, in den Distelmeyer \u2013 wie auch schon auf der letzten Tour vor drei Jahren \u2013 einige Zeilen aus Prefab Sprouts \u201eElectric Guitars\u201c einf\u00fcgt: \u201eWe were Songbirds, we were Greek gods, we were singled out by fate, we were quoted out of context \u2013 it was great. Greater than castles, cathedrals or stars \u2013 electric guitars!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wer Blumfeld daf\u00fcr nicht liebt, der ist ein Schuft.<\/p>\n\n\n\n<p>Das musste mal gesagt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hannover, Musikzentrum, 27.04.06 Immer wieder &#8230; Liebeslieder Blumfeld ist zurzeit die beste Band, die es in Deutschland gibt. Punkt.Steve McQueen: L\u00e4ssige Eleganz, hinter der sich unb\u00e4ndige Leidenschaft zu verstecken scheint. Gelegentlich bricht die Energie aus, liegt sichtbar an der Oberfl\u00e4che \u2013 und trotzdem verliert der Mann nie die Aura der Unergr\u00fcndlichkeit. 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