{"id":16692,"date":"2006-05-09T07:47:14","date_gmt":"2006-05-09T07:47:14","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/05\/reginald-hill-the-stranger-house\/"},"modified":"2022-06-15T00:55:27","modified_gmt":"2022-06-14T22:55:27","slug":"reginald-hill-the-stranger-house","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/05\/reginald-hill-the-stranger-house\/","title":{"rendered":"Reginald Hill: The Stranger House"},"content":{"rendered":"\n<p>Illthwaite ist eine kleine abgelegene (und fiktive) Gemeinde in Cumbria, Gro\u00dfbritannien. \u00dcber f\u00fcnf Jahrhunderte l\u00e4sst sich die Geschichte seiner Bewohner durch eine \u00e4ltere Dorfchronik zur\u00fcckverfolgen. Und doch wird sich die Gemeinde in \u201eThe Stranger House\u201c von Reginald Hill als Ort voller dunkler Geheimnisse entpuppen. Sam Flood, eine junge hochbegabte australische Mathematikerin und Miguel Madero, ein junger spanisch-britischer Historiker sind unabh\u00e4ngig von einander dorthin gekommen, um ein St\u00fcck ihrer (und seiner) Vergangenheit aufzukl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Alles was Sam \u00fcber ihre Gro\u00dfmutter wei\u00df ist, dass diese als 12 j\u00e4hrige (wie rund 120.000 Kinder real in den 60er Jahren) von der katholischen Kirche als Waisenkind von Gro\u00dfbritannien nach Australien verschifft worden war und einen Zettel mit dem Namen Sam Flood und dem Ortsnamen Illthwaite bei sich trug. Sie versucht herauszubringen, was im Ort mit ihrer Gro\u00dfmutter passierte. Miguel Madero dagegen, ein ehemaliger Seminarist, m\u00f6chte seine Doktorarbeit schreiben und ist auf der Suche nach Quellen \u00fcber einen katholischen Priester, der zur Zeit der Katholikenverfolgung lebte und dessen Familie aus Illthwaite stammte.<\/p>\n\n\n\n<p>Beide treffen einen verschwiegenen Ort. Alle reden mit Ihnen, aber kaum einer sagt ihnen etwas. Es sind skurrile, verschrobene Typen, die sie dort vorfinden. Und so unterschiedlich Sam und Miguel auch sind, sie harmonieren gut und finden langsam zueinander. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck arbeiten sie sich voran und entbl\u00e4ttern die Geheimnisse des Orts.<\/p>\n\n\n\n<p>Das 2005 erschienene \u201eThe Stranger House\u201c ist kein Buch der legend\u00e4ren Serie um die beiden Ermittler Dalziel and Pascoe. Das in der englischen Kritik vereinzelt auch als psychologischer Thriller bezeichnete Buch wird durch die Bezeichnung \u201eSpannungsroman\u201c passend charakterisiert. Reginald Hill demonstriert hier seine souver\u00e4ne Stilistik: Eine Geschichte voller historischer Bez\u00fcge geistreich mit Humor zu erz\u00e4hlen. Losgel\u00f6st von den Konventionen seiner Serie, so scheint es, hat er sich stilistische Freiheiten genommen. Anders als bei den Dalziel und Pascoe &#8211; B\u00fcchern ist der verschmitzte Humor direkter und die zahlreichen literarischen Zitate werden mit \u201eQuellenangabe\u201c genannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas Kryptographie, etwas nordische Mythologie, etwas Katholikenverfolgung zur Zeit Elisabeth I und viele Diskussionen zwischen atheistischer Mathematikerin und ehemaligem Seminaristen, wenn man einen Vergleich sucht, k\u00f6nnte man ihn bei \u201eSakrileg\u201c von Dan Brown finden und \u201eThe stranger house\u201c als intelligente \u201eVariation\u201c des Bestsellers ansehen. Obwohl, es geht nat\u00fcrlich weniger spektakul\u00e4r zu. Spannung wird nicht k\u00fcnstlich gesteigert, keine Weltenrettung steht an, keine (Pseudo-)Botschaft des Schriftstellers soll unters Volk gebracht werden; sondern es werden einfach ein paar gut verpackte R\u00e4tsel, mit ernstem Hintergrund, gescheit erz\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht jedermanns Sache d\u00fcrfte sein, dass Hill sich \u00fcber 600 Seiten Zeit gibt und so wundert es nicht, dass es bei so viel gediegener literarischer Verpackung etwas dauert, bis sich der Zwang des Wissenwollens beim Leser einstellt. Viele F\u00e4den werden anf\u00e4nglich ausgelegt, ohne dass man zuerst ahnt, wohin das Ganze f\u00fchren soll, was Staffage und was Spur ist. Vergn\u00fcglich zu lesen ist das, zumal Hill seine Personen sorgf\u00e4ltig einf\u00fchrt, aber die rechte Spannung mag sich zuerst noch nicht einstellen. Erst als dann nach 400 Seiten der gr\u00f6\u00dfere Zusammenhang erahnbar wird, steigert diese sich merklich.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedes Buch hat seine Zeit: Nach B\u00fcchern von Ellroy, Bruen und Peace war \u201eThe Stranger House\u201c als anderes literarisches Konzept hoch willkommen.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Reginald Hill: The Stranger House. \nHarperCollins 2006. 626 Seiten. 9,90 \u20ac \n(noch nicht ins Deutsche \u00fcbersetzt)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Illthwaite ist eine kleine abgelegene (und fiktive) Gemeinde in Cumbria, Gro\u00dfbritannien. \u00dcber f\u00fcnf Jahrhunderte l\u00e4sst sich die Geschichte seiner Bewohner durch eine \u00e4ltere Dorfchronik zur\u00fcckverfolgen. Und doch wird sich die Gemeinde in \u201eThe Stranger House\u201c von Reginald Hill als Ort voller dunkler Geheimnisse entpuppen. 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