{"id":16710,"date":"2006-05-15T07:50:42","date_gmt":"2006-05-15T07:50:42","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/05\/krimiwerbung\/"},"modified":"2022-06-06T22:33:49","modified_gmt":"2022-06-06T20:33:49","slug":"krimiwerbung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/05\/krimiwerbung\/","title":{"rendered":"Krimiwerbung"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/k_krimis.gif\" alt=\"k_krimis.gif\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Krimigr\u00fcbeln f\u00fcrs Hinternet: Das ist reines Ehrenamt, nicht mal die Spesen kriegt man ersetzt, wohl dem also, der sich bei der Oberfinanzdirektion Oberursel unk\u00fcndbar den Hintern plattsitzen kann wie unsereiner. Das Hinternet ist eine v\u00f6llig geldfreie Zone. Hier hat Gott Mammon noch nicht seine Tempel erbaut, ist \u201eKonsum\u201c nichts weiter als ein Eintrag im Fremdw\u00f6rterbuch. Aber das muss nicht so bleiben. Mit Krimirezensionen l\u00e4sst sich viel Geld verdienen, man muss nur wissen wie. Ich wei\u00df es.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Nein, nein, nicht die Amazon-Links, die den werten Leser diskret zur sofortigen Bestellung auffordern. Auch keine \u201eWerbebanner\u201c oder gar \u201eBezahlinternet\u201c. Das ist dem abgebr\u00fchten Krimifreund nur ein L\u00e4cheln wert, ein Fluch schlimmstenfalls, wenn er die Seite \u2013 Schei\u00df Reklame! \u2013 wegklickt, um seiner Obsession auf den noch nicht von Gewinnmaximierung penetrierten Seiten idealistischer Selbstausbeuter zu fr\u00f6nen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Zauberwort hei\u00dft hier wie allerorten: Psychologie. Das Unbewusste, ja, Herr Freud. Man muss die Leser mit Werbung zum\u00fcllen, ohne dass sie es merken \u2013 aber ihre Gehirne sind dann auf der Ausgabenseite stimuliert, der Geldbeutel ein fickriges, pochendes Etwas, das sich seines Inhaltes stehenden Fu\u00dfes zu entledigen dr\u00e4ngt. Alles unbewusst, ja, ja, Herr Freud.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen ersten, h\u00f6chst erfolglosen Versuch lancierte vor Jahresfrist der Leiter unserer Hamburger Zweigstelle, Herr Ludger Menke, als er in einer \u2192<a href=\"http:\/\/www.krimiblog.de\/216\/starke-seelenzeichnungen-statt-psychokram.html\"> Besprechung<\/a> von Astrid Paprottas \u201eDie H\u00f6hle der L\u00f6win\u201c (wozu es \u00fcbrigens bald ein \u2192<a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2006\/05\/klassisch.php\"> Krimiportr\u00e4theftchen <\/a>geben wird) sogenannte \u201estakkative Mantrabeschw\u00f6rungen\u201c werbem\u00e4\u00dfig zweckentfremdete \u2013 und beim kritischen Publikum voll auf die Schnauze fiel:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eAstrid Paprottas Buch \u2013 kaufmich, kaufmich, kaufmich, kaufmich \u2013 hat jene Intensit\u00e4t \u2013 sofort, sofort, sofort, wirdsbald! \u2013 die man sonst nur noch bei der Eissorte \u201eSchwarzw\u00e4lder Kirsch\u201c der Firma \u2192<a href=\"http:\/\/www.moevenpickfoods.com\/de\/other_products.html\"> M\u00d6VENPICK <\/a>feststellen kann.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Die Richtung, lieber Herr Menke, stimmt hier durchaus schon. Aber die Machart entspricht leider nicht den neuesten Erkenntnissen der etablierten Konsumpsychologie. Diese verarbeitend, w\u00fcrde ich folgende Methode vorziehen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eSj\u00f6wall \/ Wahl\u00f6\u00f6 haben Kommissar \u2192<a href=\"http:\/\/www.becks.de\/becks.asp?mURL=%2Fmarke%5Fhome\"> Beck\u2019s<\/a> (ein Bier wie ein alter Schwede!) Kollegen mit jener Akribie&#8230;bietet der neue Krimi von Frau Swann etwa Zweitausendundeins Interpretationsm\u00f6glichkeiten. Das neue \u201eMerkheft\u201c mit tollen Sonderangeboten gibt es \u2192<a href=\"http:\/\/www.zweitausendeins.de\/\"> hier<\/a>&#8230; Das Buch liest si<a href=\"www.Schlecker.com\">sch lecker<\/a>&#8230;Eine dichterische Komposition wie ein St\u00fcck von Viv<a href=\"http:\/\/www.aldi.com\/\">aldi<\/a>&#8230;\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Und so weiter. Diese Werbung funktioniert unbewusst. Sie wird kognitiv als Botschaft, nicht jedoch als semantische Zeichenfolge wahrgenommen, beziehungsweise dort, wo der Leser den Braten riecht, im Sud der Rezension geschickt gewendet. Daher wird sie vom Konsumenten auch nicht als negativer Reiz empfunden, sondern wirkt als unterschwelliges Stimulans. Subkutanes Power-Messaging nennen das die Psycholinguisten, wenn sie ausnahmsweise mal nicht die Studentinnen bespringen, und mein Schwager Erich, Senior Creative Director in einer Werbeagentur, bringt es auf den Punkt: \u201eDamit kann man auch noch mit der letzten elit\u00e4r abgewichsten Krimirezension des Herrn dpr ein Schei\u00dfgeld verdienen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Und verschafft mir das gro\u00dfe professionelle Vergn\u00fcgen, dem notorisch klammen Herrn Mitty endlich einmal ein Gewerbesteuerformular zuzuschicken, das dieser fluchend ausf\u00fcllen muss. Das stimuliert dann den Finanzbeamten in mir.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr K.<\/p>\n\n\n\n<p><em>(Herr K. arbeitet als Sachbearbeiter bei der Oberfinanzdirektion Oberursel. Seine aktuellen Lieblingskrimis sind: &#8222;Die simple Kunst der Werbung!&#8220;, &#8222;Werbung als sch\u00f6ne Kunst betrachtet\u201c sowie &#8222;Wer bumm? T\u00e4tersuche und Product Placement im zeitgen\u00f6ssischen Unterschichtenkrimi&#8220;). Wenn es ihm die Zeit erlaubt, wird Herr K. seine Mittagspausen weiterhin dazu nutzen, den Krimi zu erkl\u00e4ren.)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Krimigr\u00fcbeln f\u00fcrs Hinternet: Das ist reines Ehrenamt, nicht mal die Spesen kriegt man ersetzt, wohl dem also, der sich bei der Oberfinanzdirektion Oberursel unk\u00fcndbar den Hintern plattsitzen kann wie unsereiner. Das Hinternet ist eine v\u00f6llig geldfreie Zone. Hier hat Gott Mammon noch nicht seine Tempel erbaut, ist \u201eKonsum\u201c nichts weiter als ein Eintrag im Fremdw\u00f6rterbuch. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1070],"tags":[],"class_list":["post-16710","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-watching-the-detectives"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"dpr","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/dpr\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16710","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16710"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16710\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16710"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16710"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16710"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}