{"id":16773,"date":"2006-05-23T05:16:21","date_gmt":"2006-05-23T05:16:21","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/05\/paula-l-woods-stormy-weather\/"},"modified":"2022-06-12T04:41:23","modified_gmt":"2022-06-12T02:41:23","slug":"paula-l-woods-stormy-weather","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/05\/paula-l-woods-stormy-weather\/","title":{"rendered":"Paula L. Woods: Stormy Weather"},"content":{"rendered":"\n<p>Wie kann eine Frau <em>innerhalb<\/em> einer geschlossenen Gruppe mit ihren Dem\u00fctigungen fertig werden und dennoch die Etiquette des Korpsgeist nicht verletzen, und welche Grenzen sind Korpsmitglieder bereit zu \u00fcbertreten, um das Gesicht zu wahren? In ihrem Buch \u201eStormy Weather\u201c r\u00fchrt Paula L. Woods an recht grunds\u00e4tzlichen Fragen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Einer der fr\u00fchen schwarzen Regisseure Hollywoods wird tot in seinem Haus aufgefunden. Der schwer krebskranke Mann, welcher \u00fcber eine l\u00e4ngere Zeit hohe Dosen Morphin gegen seine Schmerzen einnahm, starb an einer \u00dcberdosis Rauschgift. Ein Zusammenhang mit einem Euthanasie-Serienkiller, f\u00fcr dessen Taten ein Mann kurz vorher verurteilt worden war, scheint m\u00f6glich und die zentrale Mordkommission der Stadt Los Angeles wird hinzugezogen. Die schwarze Polizistin Charlotte Justice \u00fcbernimmt den Fall und muss gleich am Anfang erkennen, dass die (wei\u00dfen m\u00e4nnlichen) Kollegen der lokalen Mordkommission etwas lieblos recherchiert hatten. So f\u00e4llt es ihr leicht, schnell Hinweise darauf zu finden, dass deren Vorstellung, das Opfer habe Selbstmord begangen, wenig wahrscheinlich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eStormy Weather\u201c ist nicht einfach der Wein ihres erfolgreichen Erstlings \u201eInner City Blues\u201c in neuen Schl\u00e4uchen, sondern zeigt, dass Paula L. Woods sich und ihre Heldin weiter entwickelt hat. Nat\u00fcrlich, einige Rahmenbedingungen sind Teil ihres Programms und also gleich geblieben. Charlotte Justine k\u00e4mpft schwer mit ihrer Rolle als Frau und als Schwarze in einer Mordkommission, die immer noch vom Geist des LA-Quartetts von James Ellroy (wei\u00df, m\u00e4nnlich, homophob) beseelt ist. Ihre Beziehung zu ihrem \u201elover\u201c leidet unter ihrem gewaltsamen Verlust von Mann und Kind und die zu ihrer Mutter unter deren \u00c4ngste um die Tochter. \u00c4hnlich wie \u2192<a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/12\/grace-f-edwards-do-or-die.php\"> Grace F. Edwards <\/a> zeigt uns auch Paula L. Woods, dass es m\u00e4chtige schwarze Wurzeln der amerikanischen Kultur gibt und noch deutlicher zeigt sie uns, dass es eine breite Schicht hochgebildeter und wohlhabender schwarzer US-Amerikaner gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eStormy Weather\u201c entwickelt sich zu einem hochkomplexen Buch, in dem die Aufkl\u00e4rung des Mordfalls, die Intrigen innerhalb der Abteilung, ihr dahind\u00fcmpelndes Privatleben und die Geschichte des Opfers zupackend miteinander verflochten sind. Ausgepr\u00e4gter als im ersten Buch steht das Krimir\u00e4tsel im Zentrum. Ein R\u00e4tsel von geradezu klassischer Pr\u00e4gung: Das Opfer war weitgehend immobil und verlie\u00df sein Zimmer kaum noch, so dass seine Besucher am Todestag den Kreis der Verd\u00e4chtigen darstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>St\u00e4rker als zuvor verkn\u00fcpft Paula L. Woods die verschiedenen Handlungsebenen ausgewogen miteinander und f\u00fcgt \u00fcberraschende Wendungen ein, welche die Geschichte enorm verdichten und Charlotte Justice in scheinbar ausweglosen Situationen zur\u00fccklassen. Dabei wagt sich die Autorin weit vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Whodunit, \u201epolice procedural\u201c, Aufkl\u00e4rungsbuch. Und dennoch erhielt das komplexe, vielschichtige und spannende Buch nicht die Aufmerksamkeit, die ihm zusteht. Sprachlich ist das Buch nicht schlecht, alleine der zumeist depressionsverhangene Ton der Erz\u00e4hlung wirkt manchmal als unpassender Kontrapunkt zu der rasanten Geschichte. Das alleine wird es aber nicht sein. Kann es sein, dass der afroamerikanische Hintergrund es vielen (wei\u00dfen) Lesern doch schwierig macht, das Buch angemessen zu w\u00fcrdigen ? M\u00f6glicherweise. Verdient aber genauso die Aufmerksamkeit wie B\u00fccher aus China, Kuba oder Angola. Meiner Meinung nach beginnt die Autorin sich als eigenst\u00e4ndige Stimme afroamerikanischer Krimikultur auf hohen Niveau zu etablieren. Also freuen wir uns, dass auch dieses Buch \u00fcbersetzt vorliegt.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Paula L. Woods: Stormy Weather. <br \/>Ballantine Books One World 2003. 304 Seiten. 6,49 \u20ac <br \/>(deutsch als \"Engel der Gnade\". Droemer Knauer 2005. 458 Seiten. 8,90 \u20ac)<\/pre>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie kann eine Frau innerhalb einer geschlossenen Gruppe mit ihren Dem\u00fctigungen fertig werden und dennoch die Etiquette des Korpsgeist nicht verletzen, und welche Grenzen sind Korpsmitglieder bereit zu \u00fcbertreten, um das Gesicht zu wahren? In ihrem Buch \u201eStormy Weather\u201c r\u00fchrt Paula L. 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