{"id":16783,"date":"2006-05-30T07:44:59","date_gmt":"2006-05-30T07:44:59","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/05\/stephen-white-missing-persons\/"},"modified":"2022-06-15T00:58:35","modified_gmt":"2022-06-14T22:58:35","slug":"stephen-white-missing-persons","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/05\/stephen-white-missing-persons\/","title":{"rendered":"Stephen White: Missing Persons"},"content":{"rendered":"\n<p>Alan Gregory ist (wie der Autor Stephen White) klinischer Psychologe. Er versucht Menschen mit psychischen Erkrankungen gespr\u00e4chstherapeutisch zu behandeln. Medikament\u00f6se Behandlungen f\u00fchrt er eher nicht durch. Es ist eine der St\u00e4rken von \u201eMissing Persons\u201c von Stephen White, dass Alan Gregory uns mit in seine Praxis nimmt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Da ist zum Beispiel Bob; Bob hat eine schizoide Pers\u00f6nlichkeitsstruktur, er kann keine Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen und die Gef\u00fchle von anderen Manschen nicht werten. In wenigen Worten charakterisiert Alan Gregory den Patienten und f\u00fchrt uns ansonsten durch seine Dialoge mit ihm.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie es der Titel des Buches andeutet, verschwinden mehrere Personen in Boulder, Colorado, und ohne dass er es will, kreist alles Geschehen um Alan Gregory. Hanna Grant, eine gute Bekannte und Kollegin, wird von ihm tot in ihrer Praxis gefunden, eigenartige Begleitumst\u00e4nde lassen ein Gewaltverbrechen m\u00f6glich erscheinen. Kurze Zeit sp\u00e4ter, am Heiligen Abend, verschwindet eine Jugendliche, die von Hanna Grant betreut wurde.<br \/>Nein, Alan Gregory will sich mit all dem nicht besch\u00e4ftigen. Schon h\u00e4ufiger war er in Ermittlungen verwickelt und seine Familie im Schussfeld. Und \u00fcberhaupt: Zu viele Erinnerungen an das Verschwinden eines kleines M\u00e4dchens vor genau acht Jahren werden da geweckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber es kommt nat\u00fcrlich anders als er es gerne h\u00e4tte. Diane Estevez, enge Freundin, Kollegin und Partnerin von Alan Gregory, verschwindet beim Versuch, die Mutter der verschwundenen Jugendlichen in Las Vegas zu besuchen, Bob, der eigenwillige und zwanghaft p\u00fcnktliche Patient, erscheint weder zu seinem Termin bei Alan noch in der Arbeit, und der Vater der Jugendlichen will Alan konsultieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Tiefer und Tiefer wird Alan in die r\u00e4tselhaften Vorg\u00e4nge gezogen und mehr und mehr ger\u00e4t er in die Zwickm\u00fchle, denn all sein Wissen resultiert aus Gespr\u00e4chen mit Patienten und Konsultationen von Kollegen \u00fcber Patienten, ist also vertraulich. Andererseits k\u00f6nnte sein Wissen helfen, die Vermissten zu finden und Menschenleben zu retten. So bleibt Alan Gregory nichts anderes \u00fcbrig als einen Weg zu finden, dass m\u00f6glichst viele der verschwundenen Personen wieder wohlbehalten auftauchen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMissing Persons\u201c ist ein Buch, welches vom popul\u00e4ren amerikanischen Schema abweicht: Keine Alphatiere, die durch die Strassen ziehen, keine Drogentoten auf den Strassen, keine Waffen im Handschuhfach. Statt dessen eine komplexe Geschichte um einen Psychologen im Netz seiner professionellen Ethik. Intelligent, nicht nur lehrreich, sondern auch spannend, mit Dialogen die zeigen, dass der Autor (wie bei einem Gespr\u00e4chstherapeuten nicht anders zu erwarten) offensichtlich eine wesentliche Zeit seines Lebens damit verbringt, Dialogstrukturen zu verstehen. Analytisch l\u00e4sst er uns die Gespr\u00e4che begleiten, welche so gebrochen aufgebaut sind, wie sie es in der Realit\u00e4t h\u00e4ufig sind. Mit feinem Gesp\u00fcr belegt er einzelne Sprecher mit sprachlichen Marotten und offenbart so auch eine humorvolle Seite.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 1991 schreibt Stephen White seine Romane um Alan Gregory. \u201eMissing Persons\u201c ist ein gelungenes Buch eines eigenst\u00e4ndigen Autors, welches von den Lesern erwartet, dass sie sich einlassen auf seine Besonderheiten und sie daf\u00fcr reich belohnt.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Stephen White: Missing Persons. <br \/>Signet 2006. 515 Seiten. 8,99 \u20ac <br \/>(noch keine deutsche \u00dcbersetzung)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alan Gregory ist (wie der Autor Stephen White) klinischer Psychologe. Er versucht Menschen mit psychischen Erkrankungen gespr\u00e4chstherapeutisch zu behandeln. Medikament\u00f6se Behandlungen f\u00fchrt er eher nicht durch. 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