{"id":16791,"date":"2006-05-31T07:44:10","date_gmt":"2006-05-31T07:44:10","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/05\/john-connolly-die-insel\/"},"modified":"2022-06-15T00:38:59","modified_gmt":"2022-06-14T22:38:59","slug":"john-connolly-die-insel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/05\/john-connolly-die-insel\/","title":{"rendered":"John Connolly: Die Insel"},"content":{"rendered":"\n<p><em>(Mit einer durchaus wohlwollenden Rezension von John Connollys &#8222;Die Insel&#8220; beginnt Jochen K\u00f6nig seine Mitarbeit bei den Hinternet-Krimiseiten. A warm welcome! Herr K\u00f6nig hat, wie \u00fcbrigens alle Hinternet-Kriminalautoren, ein mehrj\u00e4hriges Studium an der Cambridge School of Advanced Crime Criticism erfolgreich absolviert und im Fernlehrgang die Lizenz zum Verrei\u00dfen erworben. Hinternet rules the crime!)<\/em><br \/>Menschen umkreisen sich wie Motten das Licht. Durch Zeit und Raum bewegen sie sich aufeinander zu wie an Schn\u00fcren gezogen, und wenn sie sich endlich gegen\u00fcber stehen, fliegt alles in Fetzen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Es beginnt im Jahr 1693, als ein Ausgesto\u00dfener (Erinnerungen werden wach an Joseph Conrads \u201eOutcast of the Islands\u201c) die Insel \u201eSanctuary\u201c \u00fcberf\u00e4llt und in der einzigen Siedlung dieser Insel mit seinen Komplizen ein Massaker anrichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Rund 300 Jahre sp\u00e4ter scheint sich diese Geschichte zu wiederholen. Doch diesmal werden die Killer erwartet. Und zwar von den Geistern der vor Dekaden get\u00f6teten Siedler.<\/p>\n\n\n\n<p>John Connolly hat mit \u201eBad Men\u201c eine Mixtur aus modernem Serienkiller-Thriller und nostalgischer Geistergeschichte geschrieben, die bis ins M\u00e4rchenhafte reicht. Es gibt einen b\u00f6sen K\u00f6nig, eine nicht ganz unschuldige Prinzessin und einen Riesen, der aber \u2013 entgegen g\u00e4ngiger Lesart &#8211; auf Seiten der Guten k\u00e4mpft.<\/p>\n\n\n\n<p>Das liest sich erstaunlich gut, ist durchaus spannend bis zum gespenstischen Finale.<\/p>\n\n\n\n<p>Und doch will es nicht recht ineinander greifen: auf der einen Seite die Pilgerfahrt des ultimativ B\u00f6sen, eine Gruppe eiskalter, bzw. durchgeknallter Killer, die eine blutige Spur hinterlassen, ohne gestoppt zu werden; auf der anderen Seite jene unheimlich-beschauliche Insel mit ihren unterschiedlichen Bewohnern, ihren Aff\u00e4ren und Visionen. Dabei gelingen Connolly eindringliche Szenen, sei es ein Kapitel, das an Spannung die meisten Backwoods-Filme der letzten Jahre auf hintere R\u00e4nge verweist, sei es jener fiese kleine Moment, in dem der Agent Mr. Misters durch das Summen der Melodie des Songs \u201ebroken wings\u201c der Band Mister Mister zur Wei\u00dfglut getrieben wird. Jeder, der das Lied kennt, kann seine Reaktion nachvollziehen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Doch es wird zu viel behauptet: von Zwangsl\u00e4ufigkeit, Schicksal und dem Kreislauf, der sich irgendwann schlie\u00dfen muss. Warum das so sein soll, und warum es gerade zum Zeitpunkt der Romanhandlung passiert, bleibt jedoch offen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu stereotyp ist auch die Namensgebung der Protagonisten: da tr\u00e4gt der B\u00f6sewicht der Vergangenheit und Gegenwart den Nachnamen \u201eMoloch\u201c, und als sei das noch nicht eindeutig genug, wird im Text die Herkunft und Bedeutung dieses Namens ausf\u00fchrlich er\u00f6rtert. Sein weiblicher Gegenpart hei\u00dft Marian, was sowohl auf die Bibel wie auf Robin Hood verweist, beides nicht ohne Berechtigung, doch zu offensichtlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz allen Einw\u00e4nden bleibt \u201ebad men\u201c ein lesenswertes Buch. Connolly ist ein viel zu guter Schreiber, um den Leser untreu werden zu lassen (selbst an seinen schlechten Tagen ist er besser als Stephen King an seinen guten). Auch wenn die Erz\u00e4hlstr\u00e4nge nicht perfekt ineinander greifen, ist jeder f\u00fcr sich unterhaltsam genug, um ihm folgen zu wollen \u2013 und nat\u00fcrlich bleibt der Reiz zu erfahren wie und wann sich die beiden Str\u00e4nge \u2013 wenn auch knirschend &#8211; treffen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Mit seinen Romanen um den (Ex)-Cop Charlie \u201eBird\u201c Parker \u2013 der im Buch einige honorable Erw\u00e4hnungen bekommt &#8211; kann \u201ebad men\u201c nicht mithalten, aber ein weitgehend spannendes Vergn\u00fcgen \u2013 mit wunderbaren, d\u00fcsteren Einzelpassagen \u2013 ist es allemal.<\/p>\n\n\n\n<p>PS.: Die Motten-Paraphrase zu Beginn der Rezension musste einfach sein. Leser des Buches wissen warum\u2026<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">John Connolly: Die Insel. <br \/>Ullstein 2005. 479 Seiten. 14 \u20ac <br \/>(Original: \u201eBad men\u201c. Hodder &amp; Stoughton 2003)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Mit einer durchaus wohlwollenden Rezension von John Connollys &#8222;Die Insel&#8220; beginnt Jochen K\u00f6nig seine Mitarbeit bei den Hinternet-Krimiseiten. A warm welcome! Herr K\u00f6nig hat, wie \u00fcbrigens alle Hinternet-Kriminalautoren, ein mehrj\u00e4hriges Studium an der Cambridge School of Advanced Crime Criticism erfolgreich absolviert und im Fernlehrgang die Lizenz zum Verrei\u00dfen erworben. 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