{"id":16800,"date":"2006-06-02T07:42:40","date_gmt":"2006-06-02T07:42:40","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/06\/krimiblock-5\/"},"modified":"2022-06-16T03:22:08","modified_gmt":"2022-06-16T01:22:08","slug":"krimiblock-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/06\/krimiblock-5\/","title":{"rendered":"Krimiblock 5"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Im Krimiblock werden fl\u00fcchtige Einf\u00e4lle zu laufenden Projekten notiert. Ganz grob, skizzenhaft, nicht durchgeformt, Blitzlichter eben. Heute: Psychologie, Plots &#8211; und Klappentexte<\/em><br \/>Die Psychologie schreibt die Klappentexte f\u00fcr die Seele.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>So einen Satz muss man herleiten; er kommt nicht von ungef\u00e4hr. Er kommt aus einer Befindlichkeit heraus, der, dass man mich schon immer mit \u201epsychologischen Krimis\u201c, \u201ePsychothrillern\u201c gar, jagen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht, weil ich Sigmund Freud f\u00fcr einen cleveren Plotter halte, mehr nicht. Er hat das zu einer rei\u00dferischen Geschichte geformt, was es in der Literatur schon immer gegeben hat. Die Kiste mit \u00dcberich und Ich und Es, die hat u.a. Carl von Holtei 1856 aufgemacht und als Krimi verpackt: \u201eSchwarzwaldau\u201c. Zum Thema Psychothriller ist den Autoren seit Edgar Allan Poe auch nix grundlegend Neues mehr eingefallen. Poe, ja, genau, aber nicht nur die drei Geschichtelchen, mit denen er den Krimi erfunden haben soll (\u201eentdeckt\u201c w\u00e4re besser: Der Krimi lag n\u00e4mlich immer schon irgendwo rum und wartete darauf, als literarische Form entdeckt und mit einer \u00c4sthetik ausgestattet zu werden), sondern das Gesamtwerk.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann also Freud, der Plotter. H\u00fcbsch, aber eben nur Plots. Plots sind wichtig f\u00fcr die erz\u00e4hlende Literatur, aber nicht f\u00fcr die Wirklichkeit. Die Wirklichkeit plottet nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wie komme ich da \u00fcberhaupt drauf? Ach ja, Freud noch mal. Vladimir Nabokov hat Freud einen Kurpfuscher genannt und ihm noch viele andere unerfreuliche Berufsbezeichnungen angeh\u00e4ngt. Vor allem, weil Nabokov wusste, dass Plots immer nur die Oberfl\u00e4che der Texte beschreiben, klappentextm\u00e4\u00dfig halt. Nabokov selbst hat furchtbare Plots gemacht, wie \u00fcbrigens alle gro\u00dfen Dichter furchtbare Geschichten erfunden haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist jetzt relativ. Furchtbare Geschichten, weil jeder Ritter des Mittelma\u00dfes, jede Minne der Minimalbegabung daraus auch furchtbare Romane gemacht h\u00e4tte. Aber Nabokov ging es nicht um die Plots, die immer logisch sein m\u00fcssen, nachvollziehbar, eing\u00e4ngig \u2013 freudianisch eben. Ihm ging es um das, was er mit der Sprache anstellen konnte, um Konstruktionen, um Abl\u00e4ufe, die unplottable sind und unter dem, was beschreibbar ist, lauern wie die Klapperschlange auf die wei\u00dfe Maus.<\/p>\n\n\n\n<p>Psychologische Krimis nun. Sind das, was von der Wirklichkeit \u00fcbrigbleibt, wenn man sie erkl\u00e4ren will. Manche dieser Dinge lesen sich wie die 300seitigen Klappentexte, die sie ja auch sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist jetzt wieder hin und her geh\u00fcpft, und mir ist, als ich das geschrieben habe, auch eingefallen, wie ich wieder die Kurve zu dem kriegen k\u00f6nnte, was ich eigentlich sagen will. Aber das ist dann der Plot, das ist Klappentext. Der lauten k\u00f6nnte: Astrid Paprotta ist keine Psycho-Anneliese.<\/p>\n\n\n\n<p>dpr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Krimiblock werden fl\u00fcchtige Einf\u00e4lle zu laufenden Projekten notiert. Ganz grob, skizzenhaft, nicht durchgeformt, Blitzlichter eben. 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