{"id":16802,"date":"2006-06-01T19:35:51","date_gmt":"2006-06-01T19:35:51","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/06\/dirty-pretty-things-waterloo-to-anywhere\/"},"modified":"2022-06-13T16:08:10","modified_gmt":"2022-06-13T14:08:10","slug":"dirty-pretty-things-waterloo-to-anywhere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/06\/dirty-pretty-things-waterloo-to-anywhere\/","title":{"rendered":"Dirty Pretty Things: Waterloo to anywhere"},"content":{"rendered":"\n<p>Jetzt sind Punk und Pop vers\u00f6hnt, wenn nicht gar verheiratet. Wahnsinn, t\u00f6nte es Anfang der 90er. Als Nirvanas \u201eNevermind\u201c erschien. Aber was noch viel wahnsinniger ist: Punk und Pop sind schon wieder miteinander im Bett gelandet. Und diesmal klingt es ganz anders. Das Quartett aus England, um das es hier geht, wird von Carl Barat angef\u00fchrt. Und der spielte einst mit Pete Doherty bei den Libertines. Genau wie der Drummer der Band. Und der Gitarrist hat ebenfalls Libertines-Meriten: er ersetzte Doherty nach dessen Weggang.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Schon optisch muss man sich die Dirty Pretty Things als Gegenst\u00fcck zu den schluffig-sympathischen Grungern von Nirvana vorstellen. Eben so, wie der Name schon sagt: d\u00fcrre junge M\u00e4nner in dunkler Kleidung. Speckige, dreckstarrende Jeans. Lederjacke. D\u00fcstere Mienen und dicke Ringe unter den Augen. Rattige Haare. Vielleicht so wie die Strokes, aber nicht so betont understatig und fohlenhaft hip. Erst auf den zweiten Blick entdeckt man, dass das tats\u00e4chlich ein Haarschnitt ist, was der S\u00e4nger der Dirty Pretty Things da hat. Sogar ein irgendwie romantischer. Wie ihn Richard Ashcroft vor einigen Jahren wieder einf\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so \u00e4hnlich verh\u00e4lt es sich auch mit ihrer Musik. Huch! Jetzt aber gut anschnallen, denkt man, wenn die Dirty Pretty Things loslegen. Wenn sie ihren scharfzahnigen, rasanten Gitarrenrock abfeuern. Aus allen Rohren gleichzeitig schie\u00dfen, als gelte es, in Sachen Wall of Sound und Geschwindigkeit zugleich einen neuen Rekord aufzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schn\u00f6rkellos und dreckig \u2013 quick and dirty eben, wie die \u201eDinger\u201c schon im Bandnamen ank\u00fcndigen. Druckvoll und geradeaus, als gute Adepten der Punk-\u00c4sthetik. Aber mindestens so verspielt und mit einem Faible f\u00fcr Garagenrock und Collegesound versehen wie zum Beispiel die Ramones.<\/p>\n\n\n\n<p>Und da beginnt die harte Schweinrock-Oberfl\u00e4che schon aufzubrechen. Denn die Dirty Pretty Things sind Erfinder gro\u00dfer Popmelodien. Nicht nur die Single \u201eBang Band you\u00b4re dead\u201c hakt sich gnadenlos im Ohr fest. Geschickt verpackt die Band ein ums andere Mal kleine Hymnen in ihren gnadenlosen Sound. Und selbst in diesen webt sie einiges an Raffinesse ein. Variiert die Arrangements so geschickt, kostet ganze Harmonielinien so lustvoll aus und schwelgt in rauem, aber virtuosem Satzgesang, dass man ahnt, wie viele Stunden die Herrschaften fr\u00fcher mit ihren Beatles-Platten verbracht haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Vergleiche fallen einem ein: auch Franz Ferdinand berherrschen viele der genannten Tugenden. Aber die Dirty Pretty Things sind geerdeter, verzichten auf den allzu deutlich jugendlichen Popglamour der Kollegen. Und da waren doch noch diese&#8230; ja, genau: Weezer. Wenn\u00b4s um knackig-melodischen Collegerock geht, tauchen ihre Umrisse unweigerlich am Reminiszenzen-Horizont auf. Aber \u201eWaterloo to anywhere\u201c klingt, als h\u00e4tte man Meisterproduzent Ric Ocasek im Studio die H\u00e4nde auf den R\u00fccken gefesselt. Oder ihn gleich in Troubadix-Manier zum handlichen P\u00e4ckchen verschn\u00fcrt f\u00fcr die Produktionsdauer in den Baum geh\u00e4ngt. Damit er nicht seinen \u2013 zugegeben grandiosen \u2013 Popcandyglibber \u00fcber die Songs gie\u00dfen kann. All diesen Versuchungen haben die Dirty Pretty Things widerstanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ergebnis ist ein Deb\u00fctalbum. das in zwei Sessions in Los Angeles und Glasgow aus dem Boden gestampft wurde und vor Energie nur so Funken schl\u00e4gt. Die meisten Songs sind offenbar erst rund um die Aufnahme entstanden. Und mag der Sound einem auch wohlig bekannt vorkommen \u2013 die Kraft, Sexyness und Stilsicherheit des Werks ist einfach nur meisterlich und eine Riesenfreude!<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Dirty Pretty Things\nWaterloo to anywhere\nMercury\/Universal\nV\u00d6: 5.5.2006<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt sind Punk und Pop vers\u00f6hnt, wenn nicht gar verheiratet. Wahnsinn, t\u00f6nte es Anfang der 90er. Als Nirvanas \u201eNevermind\u201c erschien. 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