{"id":16891,"date":"2006-06-20T23:55:14","date_gmt":"2006-06-20T23:55:14","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/06\/live-matt-costa\/"},"modified":"2022-07-18T16:37:21","modified_gmt":"2022-07-18T14:37:21","slug":"live-matt-costa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/06\/live-matt-costa\/","title":{"rendered":"Live: Matt Costa"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">K\u00f6ln, Prime Club, 7.6.2006.<\/h2>\n\n\n\n<p>Eigentlich h\u00e4tte der lange laue Vorsommerabend all diese Jungs und M\u00e4dels mit den Skater-Schuhen, T-Shirts mit Aufdruck &#8222;West Shore&#8220; und kleinen Holzsurfbords um den Hals zu einer Grillparty oder zumindest in den Biergarten gelockt, w\u00e4re da nicht das Matt Costa Konzert im Prime Club gewesen.<br \/>In der Schlange vorm Club wird noch in Ruhe ein Joint geraucht, bevor die Sonnenbrillen in den Taschen oder in den Haaren verschwinden und das schummerig-dunkle Saal-Licht uns alle umh\u00fcllt. Auf den Auftritt muss ich noch zwei angenehme Bierl\u00e4ngen warten. Der Raum ist voll als der nette Junge von nebenan die B\u00fchne betritt&#8230;<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Doch Stopp, zuvor ein keiner R\u00fcckblick auf die noch junge Karriere des Matt Costa. Angefangen hatte alles mit einem Schicksalsschlag als 19 J\u00e4hriger: der leidenschaftliche Skater, der auf dem besten Wege war ein erfolgreicher Pro zu werden, zertr\u00fcmmerte sich bei einem Sturz das Bein und musste anderthalb Jahre dem Sport entsagen. Aus Langeweile in der Reha nahm er sich die alte Gitarre wieder zur Hand, die er als 12-J\u00e4hriger geschenkt bekommen hatte. Bald hatte er sein Spiel perfektioniert und schrieb eigene Songs.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf einem einfachen Rekorder nahm er ein Demotape auf, das \u00fcber Tape-zu-Tape-Propaganda in seiner Heimat Huntington Beach zu Tom Dumont, dem Gitarristen von No Doubt, gelangte. Der fand die Songs klasse, erz\u00e4hlte seinem Freund Jack Johnson von dem musikalischen Potential des jungen Kaliforniers und schnell entstand das Album &#8222;Songs We Sing&#8220; ver\u00f6ffentlicht durch Johnsons Label Brushfire.<br \/>Costa ist also nun kein professioneller Skater, hat daf\u00fcr aber eine m\u00e4rchenhafte Musikerkarriere hingelegt, die ihn mittlerweile auch auf Europatour katapultiert hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Texte sind vom Sunshine-Coast-Leben gepr\u00e4gt, seine Melodien erinnern an Donavon. Doch sein Album besticht schlicht durch Vielseitigkeit: von Folk \u00fcber Rock und Country bis Psychedelic ist alles dabei. Und auch live sollte Costa nicht entt\u00e4uschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Leise betritt Matt Costa fast sch\u00fcchtern die B\u00fchne, im Hintergrund seine Band. Im karierten Hemd mit Dreitagebart eher unscheinbar wirkend, verliebt man sich doch, sobald die ersten Kl\u00e4nge ertonen und er beginnt zu singen. Mit einer unglaublichen Leichtigkeit purzeln die wundersch\u00f6nen Melodien aus seinem Mund. Man f\u00e4ngt an zu tr\u00e4umen, w\u00e4gt sich in einem anderen Land, in einem Stra\u00dfenkreuzer-Cabriolet sitzend relaxet den linken Arm aufgest\u00fctzt, \u00fcber endlos weite Landstra\u00dfen cruisend&#8230;<br \/>Er kann rockig, er kann sinnlich, er kann abgedreht sein, wenn er erst einmal das Publikum auf seiner Seite w\u00e4hnt. Am heutigen Abend dauert das nicht lange, denn die Jungs und M\u00e4dels hier kennen seine Songs, singen und klatschen begeistert mit. Ausgerecht &#8222;Cold December&#8220; l\u00e4sst mich in einen weiteren Traum voller Lagerfeuerromantik versinken, w\u00e4hrend der verhinderte Halfpipe-Champion erkl\u00e4rt, dass Musik f\u00fcr ihn eine Art Flucht in eine andere Welt abseits des gesellschaftlichen Mainstreams ist.<br \/>Mit dem Gitarrenrocker &#8222;Sweet Thursday&#8220; holt er mich aus meinen Tr\u00e4umen. Darauf folgt die Beatles-Hommage &#8222;Oh Dear&#8220; und die aufmunternde, galoppierende Country-Nummer &#8222;Sweet Rose&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der Akustischen Gitarre ist Costa seine Mundharmonika das wichtigste Instrument auf der B\u00fchne. &#8222;One day I forgot my harmonica\u2026&#8220; erz\u00e4hlt er uns von einem ungl\u00fccklichen Tag. Und weil das damals so sch\u00f6n war, als er dem Publikum beibrachte den Part der Mundharmonika zu summen, hat er das als Stilmittel beibehalten. Das Publikum l\u00e4sst sich von seiner kumpelhaften Art mitrei\u00dfen: das erstaunlich harmonisch klingende Brummen und Summen erf\u00fcllt wenig sp\u00e4ter den Konzertsaal des Prime Club.<br \/>Das Sahneh\u00e4ubchen des Abends ist f\u00fcr mich &#8222;Whiskey and Wine&#8220;. Erstens ist der Song einfach prima und zweitens zeigt er, dass Costa definitiv nicht der perfekte Schwiegersohntyp ist, f\u00fcr den ihn viele auf den ersten Blick halten m\u00f6gen, dass er auch schon mal Schw\u00e4chen gezeigt und den Trost im Alkohol gesucht hat..<\/p>\n\n\n\n<p>Nach gut zwei Stunden in einer imagin\u00e4ren H\u00e4ngematte, schwebe ich nach Konzertende in Trance an Matt Costa vorbei, der noch brav am Eingang des Prime Club Autogramme gibt und mit seinen Fans \u00fcbers Surfen philosophiert. -Einfach wunderbar.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Links:<br \/><a href=\"http:\/\/www.mattcosta.com\">Homepage von Matt Costa<\/a><br \/><a href=\"http:\/\/brushfirerecords.com\">Homepage von Brushfirerecords<\/a><\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00f6ln, Prime Club, 7.6.2006. 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