{"id":16916,"date":"2006-06-26T07:40:44","date_gmt":"2006-06-26T07:40:44","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/06\/nicht-lachen-bitte\/"},"modified":"2022-06-16T03:32:31","modified_gmt":"2022-06-16T01:32:31","slug":"nicht-lachen-bitte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/06\/nicht-lachen-bitte\/","title":{"rendered":"Nicht lachen, bitte!"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2005\/cover\/k_krimis.gif\" alt=\"k_krimis.gif\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ich lache gern. Ich bin Beamter. Ich lache gern, weil ich Beamter bin. Ich stehe jeden Morgen vor dem Spiegel und sage meinem Gegen\u00fcber: \u201eGehalt auf Lebenszeit, Alter. Garantiert.\u201c Dann lacht auch mein Spiegelbild und hat mehr Falten im Gesicht als Michael Jackson am Hintern. Nur beim Krimi \u2013 da soll mir das Lachen gef\u00e4lligst vergehen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Da bin ich mit dem Franz Schuh einig, der anl\u00e4sslich einer Besprechung von Andrea Camilleri geschrieben hat: <em>\u201eMir kommt vieles zu harmlos vor, wobei Harmlosigkeit mir stets willkommen ist, wenn sie eben nichts, was h\u00e4rtere Schilderungen ben\u00f6tigt, \u00bbverharmlost\u00ab.\u201c <\/em>(Ein Zitat \u00fcbrigens aus dem \u201eKrimijahrbuch 2006\u201c, auf das ich hier verweisen muss, widrigenfalls mir dpr \u2013 Zitat \u2013 \u201eden Beamtenarsch versohlt\u201c).<\/p>\n\n\n\n<p>Denn \u201ewitzige Krimis\u201c verharmlosen. Schon Lessing forderte vom Theater, es solle Schrecken verbreiten, auf dass die Zuschauer gel\u00e4utert w\u00fcrden, und der Krimi von heute ist die Trag\u00f6die von gestern, und da ist jeder Lacher ein Lacher zuviel. Erschreckt\u2019s mich, damit ich zuk\u00fcnftig besser zwischen Gut und B\u00f6se unterscheiden kann, wenn ich lachen will, kann ich auch in den Keller gehen, dort liegen meine Donald-Duck-Hefterln.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste \u201elustige Krimi\u201c, an den ich mich erinnere, war Dashiel Hammetts \u201eDer d\u00fcnne Mann\u201c. Er bezieht seinen Humor vor allem aus den Faustschl\u00e4gen, die Nick Charles seiner Frau Nora verpasst und der Situationskomik eines Hundes namens Asta, der immer, wenn die Ganoven die Knarren ziehen, \u00e4ngstlich unters Bett kriecht.<\/p>\n\n\n\n<p>Lustig war auch Chandler, vor allem in der deutschen \u00dcbersetzung von Hans Wollschl\u00e4ger, der aus einem \u201elong drink\u201c einen \u201elangen Drink\u201c machte und darob schwer beschimpft wurde. Das Lustigste daran: Wollschl\u00e4ger lag mit seiner \u00dcbersetzung v\u00f6llig richtig, blamiert haben sich seine Kritiker.<\/p>\n\n\n\n<p>Die wirkliche Welle der Witzigkeit indes schwappte von \u00d6sterreich aus \u00fcber uns schwerm\u00fctig-tiefgr\u00fcndige Teutonen. Kottan ermittelt. Sie erinnern sich? Gut, das war nur Fernsehen und insofern zu verkraften. Dann aber kam Wolf Haas. In seinem Gefolge Heinrich Steinfest. Undundund. Dann kamen die Wolf-Haas-Epigonen, in ihrem Gefolge die Heinrich-Steinfest-Epigonen. Das war zwar nun weniger witzig, aber daf\u00fcr umso schlechter, so dass man vor lauter Lachen laut heulen musste, was nun der Lessingschen Theorie vom karthartischen Schrecken eine v\u00f6llig neue Wendung verpasste.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber nein, ich bleibe dabei: No laughter please, I\u2019m just reading a crime novel. Krimis sind eine ernste Sache, denn der Tod ist eine ernste Sache und das Schreiben von Krimis generell ist eine ernste Sache. Da kann man nicht wie der b\u00f6se Shayol-Verlag einfach daherkommen und eine neue Reihe namens \u201efunny crimes\u201c pr\u00e4sentieren! Sch\u00e4m dich, Shayol! Sch\u00e4m dich, Joe R. Lansdale, der du die Reihe er\u00f6ffnen wirst, gemeinsam mit Malcolm Pryce. Ich habe dem Herrn dpr schon angeraten, ein besonderes Augenmerk auf diese Produkte zu haben und bei n\u00e4chstbester Gelegenheit zu gei\u00dfeln. Gleiches gilt auch f\u00fcr die \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen, \u00d6sterreicher voran, diese Vertreter eines ridik\u00fclen Volkes, dem irgendwann einmal die Alpen auf die Hirnschachteln gebr\u00f6selt sein m\u00fcssen, dass sie jetzt st\u00e4ndig vor sich hin retardieren und lustig!lustig! sind. Gut nur, dass Thomas Bernhard, der komischste Vogel von allen, niemals einen Krimi geschrieben hat. Da w\u00e4re einem das Lachen vor lauter Schrecken im Halse steckengeblieben und Lessing h\u00e4tte \u2013 \u201eHabs ja gesagt!\u201c \u2013 uns aus dem Grabe zugenickt.<\/p>\n\n\n\n<p>Freundlichen Gru\u00df<br \/>Ihr K.<\/p>\n\n\n\n<p><em>(Herr K. arbeitet als Sachbearbeiter bei der Oberfinanzdirektion Oberursel. Seine aktuellen Lieblingskrimischreiber sind Patricia Hightsmith, Friedrich D\u00fcrrenmatt und, bis vor kurzem, Astrid Paprotta, aber dann hat ihm dpr stringent nachgewiesen, dass A.P. auch lustig sein kann. Wenn es ihm die Zeit erlaubt, wird Herr K. seine Mittagspausen weiterhin dazu nutzen, den Krimi zu erkl\u00e4ren.)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich lache gern. Ich bin Beamter. Ich lache gern, weil ich Beamter bin. Ich stehe jeden Morgen vor dem Spiegel und sage meinem Gegen\u00fcber: \u201eGehalt auf Lebenszeit, Alter. Garantiert.\u201c Dann lacht auch mein Spiegelbild und hat mehr Falten im Gesicht als Michael Jackson am Hintern. 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