{"id":16930,"date":"2006-06-27T21:21:19","date_gmt":"2006-06-27T21:21:19","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/06\/grimms-maerchen\/"},"modified":"2022-06-12T04:28:59","modified_gmt":"2022-06-12T02:28:59","slug":"grimms-maerchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/06\/grimms-maerchen\/","title":{"rendered":"Grimms M\u00e4rchen"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image is-style-default\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Grimms-Maerchen.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Grimms-Maerchen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-25801\" width=\"175\" srcset=\"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Grimms-Maerchen.jpg 300w, https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Grimms-Maerchen-107x150.jpg 107w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Was mussten die armen Grimms M\u00e4rchen nicht schon alles mitmachen?! Das Schlimmste waren wohl ihre \u00dcbersetzungen in &#8222;total krasse&#8220; Jugendsprech. Oder die Verfilmungen mit Otto und j\u00fcngst den Comedynasen eines Privatsenders&#8230; Nun gut, als Bilderb\u00fccher gibt\u00b4s es sie auch zuhauf. Und das, obwohl M\u00e4rchen doch traditionelles Erz\u00e4hlgut sind. Also was f\u00fcr die Ohren.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Aber die M\u00e4rchenwelten mit ihren verwunschenen W\u00e4ldern, Feen und Prinzen, mit Monstern und Gefahren sind eben prima Vorstellungsfutter. Kein Wunder, dass sich immer wieder Illustratoren mit Wonne daran machen, sie in Farben und Konturen zu gie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun also als Comic. Aus dem deutschen Traditionshaus Ehapa. Vier St\u00fcck hat man sich vorgenommen: &#8222;H\u00e4nsel und Gretel&#8220; (Philip Petit), &#8222;Das tapfere Schneiderlein&#8220; (Mazan), &#8222;Der Teufel mit den drei goldenen Haaren&#8220; (C\u00e9cile Chicault) und &#8222;Von einem, der auszog, das F\u00fcrchten zu lernen&#8220; (Mazan). Im schicken, mittelalterlich angehauchten Hardcover und mit dicken, hochwertigen 125 Seiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle drei Autoren lassen sich mitrei\u00dfen von der wunderlichen Aura der Geschichten. Philip Petit treibt H\u00e4nsel und Gretel durch eine Abenteuergeschichte der harten Sorte. Sein \u00fcppig gestalteten, wunderbar phantasievollen und heimeligen Bilder kontrastieren mit der grausamen Geschichte, in der ein Vater seine Kinder dem Tod aussetzen will. H\u00e4nsel und Gretel wirken hier nicht wie zwei brave, ansonsten konturenlose Kinder, sondern wie clevere Kobolde &#8211; gezwungen, in h\u00f6chster Not \u00fcber sich hinauszuwachsen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mazans Strich ist ein anderer: ein schlanker, cartoonhafter. Seine ulkigen Figuren und die spektakul\u00e4ren Perspektiven sorgen f\u00fcr subtilen Humor. Er hat ja auch die lustigeren Stories: die des findigen Schneiderleins und die des scheinbar so unbedarften T\u00f6lpels, der sich einfach nicht f\u00fcrchten will. Mazan arbeitet mit eleganter Bildgestaltung und viel Hell-Dunkel-Kontrasten. Aber obwohl er seine Bilder insgesamt strenger arrangiert, fr\u00f6nt auch er immer mal wieder \u00fcppigen, detailreichen Kompositionen.<\/p>\n\n\n\n<p>C\u00e9cile Chicault dagegen l\u00e4sst gute Knollennasen und b\u00f6se Hakennasen gegeneinander antreten. Bei ihr zerflie\u00dft die Farbpalette wiederum zu verschwenderischen Tableaus, in denen sich das Auge hemmungslos verlieren darf, bevor es weiter der spannenden Geschichte folgt. Sie experimentiert auch am meisten mit ungew\u00f6hnlichen Bildformaten und Rahmenformen &#8211; zum Beispiel, wenn der Leser in die Gedankenwelt des Teufels abtauchen darf.<\/p>\n\n\n\n<p>Kleine Unbeholfenheiten in der Erz\u00e4hlweise m\u00f6gen Geschmackssache sein &#8211; etwa wenn bei &#8222;H\u00e4nsel und Gretel&#8220; M\u00e4rchenfiguren in Comicmanier &#8222;Buu\u00e4\u00e4\u00e4h&#8220; schluchzen, obwohl der Rest der Story auf einem ganz anderen Erz\u00e4hlniveau stattfindet. Ansonsten aber ist die Liaison von Comic und M\u00e4rchen eine grandiose Idee. Weil beide Metiers zaubern d\u00fcrfen. Realismus spielt hier eine v\u00f6llig andere, eigene Rolle. Und weil beide wie gemacht sind f\u00fcr Abenteuer, die die Augen tanzen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer keine Lust hat, sich die Geschichten vom M\u00e4rchenonkel im Kassettenspieler erz\u00e4hlen zu lassen &#8211; obwohl auch das seinen Reiz hat! -, f\u00fcr den ist dieses Buch das Richtige. Noch mal Kind sein, ohne es zu merken. Und sich unterhalten lassen von vier rasant erz\u00e4hlten, meisterlich gestalteten Comics. Auch f\u00fcr Kinder, die\u00b4s tats\u00e4chlich noch sind, geeignet &#8211; die sollten aber vorher noch Gelegenheit f\u00fcr eigene Bilder im Kopf bekommen haben. Vielleicht durch den Kassettenm\u00e4rchenonkel. Danach: Bahn frei f\u00fcr Petit, Mazan und Chicault.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Petit, Mazan, Chicault\nGrimms M\u00e4rchen\nV\u00d6: 1.5.2006<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was mussten die armen Grimms M\u00e4rchen nicht schon alles mitmachen?! 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