{"id":16968,"date":"2006-07-10T08:09:11","date_gmt":"2006-07-10T08:09:11","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/07\/bettnaessen\/"},"modified":"2022-06-15T00:11:20","modified_gmt":"2022-06-14T22:11:20","slug":"bettnaessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/07\/bettnaessen\/","title":{"rendered":"Bettn\u00e4ssen"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2006\/cover\/spannung.gif\" alt=\"spannung.gif\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Und noch eine kleine Sommerserie: Kurze \u00dcberlegungen zur Geschichte der Spannung in Kriminaltexten. Vieles ausbauf\u00e4hig, das meiste skizzenhaft. Keine Angst: Gibt keine Heftchen.<br \/>Monoton ist es schon, das Retten der alten Krimis. Scannen und oder abschreiben. Aber auch irgendwie erhebend. Man rettet kein Menschenleben, aber immerhin ein B\u00fccherleben. Und lernt etwas dabei. Nicht nur \u00fcber die alten, auch \u00fcber die neuen Krimis, deren Spannungstechniken auf einmal nicht mehr so selbstverst\u00e4ndlich daherkommen, wenn man wei\u00df, dass es fr\u00fcher andere, durchaus nicht schlechtere Strategien gegeben hat, Spannung zu erzeugen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Altes lesen macht also sensibel beim Neuen. Es ist heutzutage guter Brauch, Krimis auf das Ende zu zu schreiben. Man hat eine Aufl\u00f6sung und stellt den restlichen Text ganz in deren Diensten. A. muss es gewesen sein, weil &#8212; jetzt folgt eine logische Begr\u00fcndung, die meistens etwas mit \u201ePsychologie\u201c zu tun hat &#8212; und der Leser, die Leserin muss, in Kenntnis der Aufl\u00f6sung, diese \u201enachvollziehen\u201c k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein sch\u00f6nes Beispiel ist Camilla L\u00e4ckbergs \u201eDer Prediger von Fj\u00e4llbacka\u201c, dessen Aufl\u00f6sung in verbl\u00fcffender Weise der von Stieg Larssons \u201eVerblendung\u201c \u00e4hnelt. In beiden F\u00e4llen ist der T\u00e4ter \u201ewahnsinnig\u201c, und dieser Geisteszustand wird im Nachhinein logisch begr\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur ist nat\u00fcrlich diese Logik eine sozusagen werkimmanente. Von hinten wird die Story nachvollziehbar, mag sie, \u201evon vorne gelesen\u201c, auch noch so haneb\u00fcchen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein kurzes Beispiel zur Verdeutlichung, losgel\u00f6st von den konkreten Texten. Ein Serienm\u00f6rder (darunter tut man es in Schweden bekanntlich nicht) stattet seine Opfer post mortem mit Windeln aus. Klarer Fall: Ein Wahnsinniger, ein Perverser. Der Autor, die Autorin f\u00fchrt uns nun auf 4-500 Seiten normale Menschen vor, die es alle gewesen sein k\u00f6nnten. Wichtig: Sie m\u00fcssen normal sein, denn eine Grundannahme in solchen Krimis ist stets die, Wahnsinn sei etwas im Verborgenen Bl\u00fchendes, das im Alltag perfekt kaschiert werden k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Aufl\u00f6sung: Der T\u00e4ter war in seiner Kindheit Bettn\u00e4sser, was ihn traumatisiert hat. Sofort werden dem Leser die Zusammenh\u00e4nge klar und er winkt die Geschichte als \u201elogisch begr\u00fcndet\u201c durch. Der Autor, die Autorin geht dabei kein Risiko ein. Er oder sie hat ja nicht behauptet, jeder Bettn\u00e4sser werde zum Serienkiller. Er oder sie brauchte lediglich ein beliebiges und eben sofort als logisch durchgehendes Motiv f\u00fcr den Wahnsinn des T\u00e4ters. W\u00fcsste der Leser von Anfang an, dass Bettn\u00e4ssen hier als Ausl\u00f6ser von Mord und Perversion dienen soll, w\u00fcrde er das Buch wohl als \u201eMist!\u201c in die n\u00e4chste Ecke pfeffern.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei alten Krimis, dies zum Abschluss, fehlt dieses \u201evon hinten nach vorne Schreiben\u201c fast v\u00f6llig. Es entstand wohl erst mit jenem Prototypen der meisterhaften Detektion, der unsterblichen Figur des Sherlock Holmes. Das ist aber eine andere Geschichte, die heben wir uns f\u00fcrs n\u00e4chste Mal auf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und noch eine kleine Sommerserie: Kurze \u00dcberlegungen zur Geschichte der Spannung in Kriminaltexten. Vieles ausbauf\u00e4hig, das meiste skizzenhaft. Keine Angst: Gibt keine Heftchen.Monoton ist es schon, das Retten der alten Krimis. Scannen und oder abschreiben. Aber auch irgendwie erhebend. Man rettet kein Menschenleben, aber immerhin ein B\u00fccherleben. Und lernt etwas dabei. Nicht nur \u00fcber die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1070],"tags":[],"class_list":["post-16968","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-watching-the-detectives"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"dpr","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/dpr\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16968","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16968"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16968\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16968"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16968"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16968"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}