{"id":16970,"date":"2006-07-11T07:44:26","date_gmt":"2006-07-11T07:44:26","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/07\/reed-farrel-coleman-the-james-deans\/"},"modified":"2022-06-09T22:16:48","modified_gmt":"2022-06-09T20:16:48","slug":"reed-farrel-coleman-the-james-deans","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/07\/reed-farrel-coleman-the-james-deans\/","title":{"rendered":"Reed Farrel Coleman: The James Deans"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Dieses ist die erste Besprechung eines der diesj\u00e4hrigen Kandidaten f\u00fcr den <\/em>Edgar, <em>Kategorie \u201eBestes Taschenbuch\u201c. Besprechungen der anderen Kandidaten und jener f\u00fcr die Kategorie \u201eBestes Buch\u201c sollen folgen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>H\u00e4ufig sind sich zeitgen\u00f6ssische PI (private investigator)-Romane im Aufbau recht \u00e4hnlich. Ein Detektiv, gern auch fr\u00fcherer Polizist, der zum Jagen getragen werden muss, beauftragt von Personen aus gesellschaftlichen Schichten, die als die besseren gelten, mit einem Privatleben voller emotionaler Fallgruben, trotz aller Widerst\u00e4nde moralisch integer. Am Ende dann h\u00e4ufig eine erste L\u00f6sung, scheinbar \u00fcberzeugend, und doch, wie die zweite wahre L\u00f6sung zeigt, ganz verkehrt. Wenn sich das Ganze dann noch an einem Ort wie New York zutr\u00e4gt, nicht gerade selten bespielt, wo Krimileser auch abseitig gelegene Gebiete kennen, scheint das Problem des Autors, dem Leser einen interessanten Roman zu bieten, noch gr\u00f6\u00dfer zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Um Variation ins scheinbare Einerlei zu bringen, versuchen viele Autoren deshalb ihre Helden mit Konflikten vollzustopfen und die Plots mit Finten \u00fcber Finten zu spicken. Wirklich gute Romane entstehen deshalb nicht unbedingt. In \u201eThe James Deans\u201c w\u00e4hlt Reed Farrel Coleman einen anderen Weg um den Leser zu fesseln: Er <em>schreibt <\/em>ein schlichtweg gutes Buch. Eines, welches sich stark an den klassischen Vorgaben orientiert, ohne zu dick aufzutragen oder den Leser mit Pirouetten schwindlig zu spielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Moira Heaton arbeitete als Praktikantin bei einem aufstrebenden US-Senator in New York und ist vor zwei Jahren urpl\u00f6tzlich ohne eine Spur zur\u00fcckzulassen verschwunden. Da die politische Umgebung des Senators diesen zu H\u00f6herem berufen sieht, und da Ger\u00fcchte um das Verschwinden der jungen Dame f\u00fcr dessen weitere Karriere problematisch sind, beauftragt einer der reichen G\u00f6nner des Senators Moe Prader, herauszufinden was mit der jungen Frau passiert ist. Recht unspektakul\u00e4r kommt die Aufkl\u00e4rung der Geschichte voran. Moe Prager findet einen Ansatz, sammelt sich Mitstreiter, trickst ein wenig\u2026 und schon liegt das Gest\u00e4ndnis des Verd\u00e4chtigen vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Eigenartig denkt sich da der Leser, 155 Seiten rum, und 120 liegen noch vor mir, und die Truppe h\u00e4lt ihre Siegesfeier in einem eleganten New Yorker Restaurant ab, da stimmt doch etwas nicht!<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl \u201eThe James Deans\u201c erst das dritte Buch der Moe Prager Serie ist, gilt dieser \u201esp\u00e4t gereifte\u201c, 1956 geborene Autor alles andere als ein Geheimtipp. Die Qualit\u00e4t des Stils Colemans liegt nicht nur in der unaufdringlichen, pr\u00e4gnanten Art in der er schreibt, sondern noch mehr in den intelligenten Bemerkungen, den gelungenen und eigenst\u00e4ndigen Bildern die er verwendet und den Personen, die er gestaltet. J\u00fcdisches Leben in New York ohne folkloristisch zu wirken, strahlende Politiker und die \u201eMacher\u201c im Hintergrund. Coleman erz\u00e4hlt Eigenst\u00e4ndiges und ohne uns mit Geschw\u00e4tzigkeit zu langweilen. Nicht \u00fcberkandidelt und nicht immer wieder auf den gleichen Seelenschmerz rekurrierend wirkt auch Moe Prager nachvollziehbar. Ein Jagdhund, falsche F\u00e4hrten aufsp\u00fcrend und hartn\u00e4ckig auf der Spur bleibend. Und so entwickelt sich im zweiten Teil eine \u00e4u\u00dferst spannende Geschichte, so dass am Ende nichts ist, wie es schien.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja , \u201eThe James Deans\u201c ist sehr klassisch gehalten und doch so individuell wie ein gutes Buch nur sein kann.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Reed Farrel Coleman: The James Deans. <br \/>Plume Books 2005. 277 Seiten. 11,50 \u20ac <br \/>(noch keine deutsche \u00dcbersetzung)<\/pre>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses ist die erste Besprechung eines der diesj\u00e4hrigen Kandidaten f\u00fcr den Edgar, Kategorie \u201eBestes Taschenbuch\u201c. 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