{"id":16988,"date":"2006-07-14T07:46:55","date_gmt":"2006-07-14T07:46:55","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/07\/folge-2-das-ultimative-verbrechen\/"},"modified":"2022-06-16T03:08:04","modified_gmt":"2022-06-16T01:08:04","slug":"folge-2-das-ultimative-verbrechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/07\/folge-2-das-ultimative-verbrechen\/","title":{"rendered":"Folge 2: Das ultimative Verbrechen"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2006\/cover\/million.jpg\" alt=\"million.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Kurz vor dem Offenbarungseid? Mehr Krimis gelesen als Georges Simenon geschrieben hat? Stets bereit, die Tinte aus der Feder sprudeln zu lassen, bevor die Ideen aus dem Hirn font\u00e4nen? Mit einem Wort: Skrupellos genug, ein(e) deutsche(r) Kriminalschaffende(r) zu werden? Nun denn, wohlan. In unserer neuen kleinen Sommerreihe erkl\u00e4ren wir dir, wie du es schaffst, ein Erfolgskrimiautor zu werden und nach 300 Seiten die ersten Millionen an die Pforte deiner Sparkasse klopfen zu h\u00f6ren. Wir geben dir die ultimativen Ratschl\u00e4ge, wie du wenigstens vier Millionen Krimileser erreichst. Das ist wissenschaftlich bewiesen! Und wie du somit, bei einem durchschnittlichen Honorar von zwei Euro pro Buch (gebunden, Schutzumschlag) 8 Millionen Euro vor Steuern einsacken kannst. Denn vier Millionen mal 2 macht acht Millionen. Das ist mathematisch bewiesen! Heute: Welches Verbrechen w\u00e4hlen wir f\u00fcr unseren Topseller?<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Genau jetzt &#8212; da ich dies niederschreibe &#8212; w\u00e4lzen etwa 300 deutsche Kriminalschaffende folgende Problematik: Serienmord oder Sexualverbrechen? Beides findet zuverl\u00e4ssig seine Liebhaber, die Kombination Serienmord \/ Sexualverbrechen gilt gar als K\u00f6nigsweg zur mallorquinischen Finca oder dem neuen Benz der S-Klasse.<\/p>\n\n\n\n<p>Da wir indes nach H\u00f6herem (8 Millionen!) streben, m\u00fcssen neue Pfade beschritten werden, jenseits des Mainstream, gewisserma\u00dfen, in der Hoffnung, dass dieses tr\u00e4ge Wasser (Main-Strom, das referenziert, nebenbei, Frankfurt, wo es die gr\u00f6\u00dfte \u201eIch-schreib-Krimis-in-meiner-Finca\u201c-Fraktion der Republik gibt) schnurstracks zu uns umgeleitet wird und direktemang Kurs nimmt auf die goldene, unlimitierte VISA CARD.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wie? Nun, ganz k\u00fchn: Wir erneuern das deutsche Krimischaffen dadurch, dass wir Morde ab sofort zu \u201eBegleitverbrechen\u201c erkl\u00e4ren. Morde geschehen nat\u00fcrlich, sie umranken gewisserma\u00dfen das Hauptverbrechen. Und das hei\u00dft:<\/p>\n\n\n\n<p>Ladendiebstahl.<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, bleiben Sie dran! Schalten Sie nicht ab! Das ist kein Witz! Horchen Sie doch nur einmal in sich hinein und stellen Sie fest: Die Schraube ist \u00fcberdreht! Immer mehr Sexualmorde, sadistische Massenvergewaltigungen in Kinderg\u00e4rten und Altersheimen, abgetrennte Gliedma\u00dfen, die fein geh\u00e4ckselt in der KNORR-T\u00fctensuppe landen (zum Thema Product Placement kommen wir in einer sp\u00e4teren Folge), depressive Pathologinnen, die am Flie\u00dfband sezieren (\u201eDer T\u00e4ter hat seine letzten 100 Opfer vermittels einer Laubs\u00e4ge portioniert.\u201c) \u2013 ja, es existiert sogar ein Krimi, in dem ein komplettes mitteleurop\u00e4isches Volk AUSGEL\u00d6SCHT wird!<\/p>\n\n\n\n<p>Kein Zweifel: Wir sind \u00fcbers\u00e4ttigt. Zwar nehmen wir solch blutige Ware weiterhin gern, doch uns d\u00fcnkt nach dem subtilen Verbrechen, dessen Ausma\u00dfe nicht offenkundig, durch einen guten Autor, eine blendende Autorin indes sofort plausibel gemacht werden k\u00f6nnen, wie das folgende Beispiel aus dem noch unver\u00f6ffentlichten Werk einer Erfolgsschriftstellerin zeigt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eIna Henkel schlug mit der flachen Hand auf die Schreibtischoberfl\u00e4che. &#8218;Ladendiebstahl? Wollen Sie mich verarschen?&#8216; Traugott l\u00e4chelte m\u00fcde und taxierte den verbeamteten Ledermini vor sich. Nett&#8230; &#8218;Ladendiebstahl, Frau Kommissarin&#8216; \u2013 Er lie\u00df sechs Augenblicke Raum f\u00fcr Gedankenstriche \u2013 &#8218;Ladendiebstahl sch\u00e4digt die deutsche Volkswirtschaft j\u00e4hrlich um Milliarden. Bedenken Sie die Auswirkungen! Profitschm\u00e4lerung! Verlagerung von Produktionsst\u00e4tten ins Ausland, Freisetzungen von Arbeitnehmerinnen an den Registrierkassen, h\u00e4usliche Trag\u00f6dien bis hin zur Ausrottung der eigenen Familie, Stimmengewinne der FDP bei den n\u00e4chsten Wahlen, demzufolge Guido Westerwelle in einem \u00f6ffentlichen Amt und wiederum demzufolge jeden Abend mit der Fresse in der Tagesschau. Nennen Sie das&#8216; \u2013 Noch einmal f\u00fcnf Augenblicke f\u00fcr konzentriertes Nachdenken \u2013 &#8218;Nennen Sie das &#8212; banal?&#8216; Ina Henkel sehnte sich nach einer Duftwolke BRUNO BANANI und schwieg besch\u00e4mt.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>(Mehr zu diesem unver\u00f6ffentlichten Werk \u00fcbrigens in einem <a href=\"mailto:dpr@hinternet.de\">\u201eKrimiportr\u00e4t\u201c, <\/a>das hier bestellt werden kann. Zu Product Placement, wie schon erw\u00e4hnt, mehr in einer sp\u00e4teren Folge unserer kleinen Serie.)<\/p>\n\n\n\n<p>Es liegt auf der Hand, dass die deutsche Wirtschaft ein solchen Krimi mit offenen Armen und, was f\u00fcr uns wichtiger ist, auch in ihr aktuelles Sortiment aufnehmen wird. Und, glauben Sie mir, sobald Ihr Krimi neben dem Kaugummi an den Kassen von ALDI, LIDL und PLUS liegt, haben Sie gewonnen! Sie sind reich! Daf\u00fcr kann man ja durchaus einen stinklangweiligen Krimi schreiben, oder?<\/p>\n\n\n\n<p>dpr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurz vor dem Offenbarungseid? Mehr Krimis gelesen als Georges Simenon geschrieben hat? Stets bereit, die Tinte aus der Feder sprudeln zu lassen, bevor die Ideen aus dem Hirn font\u00e4nen? Mit einem Wort: Skrupellos genug, ein(e) deutsche(r) Kriminalschaffende(r) zu werden? Nun denn, wohlan. 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