{"id":16990,"date":"2006-07-14T02:44:19","date_gmt":"2006-07-14T02:44:19","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/07\/nouvelle-vague-bande-a-part\/"},"modified":"2022-06-15T00:26:32","modified_gmt":"2022-06-14T22:26:32","slug":"nouvelle-vague-bande-a-part","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/07\/nouvelle-vague-bande-a-part\/","title":{"rendered":"Nouvelle Vague: Bande \u00e0 part"},"content":{"rendered":"\n<p>Hypnotisiert, mit halb geschlossenen Augen &#8211; so muss man sich die S\u00e4ngerinnen von Nouvelle Vague hinterm Mikro vorstellen. So klingt es jedenfalls, wenn sie singen. Wie ein besonders zerbrechliches Glas. Wie ein Vogel, der aus dem Nest gefallen ist. Wie eine Lolita &#8211; aber vollj\u00e4hrig.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Mindestens vier Stimmen sind es, die bei der franz\u00f6sischen Band Nouvelle Vague zu unterschiedlichen Songs ans Mikro d\u00fcrfen: die von M\u00e9lanie Pain, Marina Celeste, Silja und Phoebe Killdeer. Alles auch eigenst\u00e4ndige K\u00fcnstlerinnen, jede mit Meriten schon auf anderen musikalischen und nicht-musikalischen Gebieten. Zugegeben, sie klingen nicht alle gleich zart. Aber das vokale Mosaik hat seinen Reiz.<\/p>\n\n\n\n<p>Und zu diesen zart-heiseren, intensiven Stimmen kann nur eine ebenso vorsichtige Instrumentierung passen. Aber die darf es in sich haben. Darf d\u00fcster swingen. Darf alle Klangfarben ausloten zwischen perlen und klappern, muss aber so fein und transparent gewebt sein wie ein Spinnennetz. Wer das Bild \u00fcberm\u00e4\u00dfig ausreizen will, kann sagen, dass man darin auch noch kleben bleibt &#8211; als wehrlose Beute, genau wie von der Band beabsichtigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wenn es doch so ist?! Manche sagen, Nouvelle Vague sei eine Bossa Nova-Band. Das ist sicher nicht falsch. Dort haben sie jedenfalls den Swing und die gro\u00dfartig vielfarbigen Percussions entliehen. Aber sie sind mindestens ebenso viel eine Chanson-Band, die sich mit s\u00fc\u00df-sperrigen, narkotisch schleppenden Arrangements ihrer Songs annimmt. Und ein riesiges Spotlight auf den Gesang richtet. Einen Super Trooper sozusagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vibraphon ist fast immer dabei. Schrammelige Django-Reinhardt-Gitarren. Akkordeon. Kneipen-Piano. Kontrabass. Ab und zu auch Streicher und ein paar Bl\u00e4ser. Initiiert vor allem durch den m\u00e4nnlichen Teil der Band, Marc Collin und Olivier Libaux. Sie haben ein wunderbares Unplugged-Line up aus der Taufe gehoben. Genau das richtige f\u00fcr eine Reihe von New Wave- und Punk-Klassikern also. Oder? Bei fr\u00fcheren Covers durch die Band, zum Beispiel von The Clash, den Dead Kenneydys und Depeche Mode hat \u00fcbrigens immer nur die S\u00e4ngerin gesungen, die den geringsten Bezug zum jeweiligen Lied hatte. Um sicherzustellen, dass in jedem Fall eine ganz eigene Interpretation herauskam.<\/p>\n\n\n\n<p>Diesmal finden sich auf dem Album unter anderem Echo and the Bunnymens &#8222;Killing moon&#8220;, New Orders &#8222;Blue Monday&#8220;, &#8222;Ever fallen in love&#8220; von den Buzzcocks, Billy Idols &#8222;Dancing with myself&#8220;, Yazoos &#8222;Don\u00b4t go&#8220;, Blondies &#8222;Heart of glass&#8220;, &#8222;Bela Lugosi is dead&#8220; von Bauhaus, Visages &#8222;Fade to grey&#8220;\u2026 und derlei mehr. Alle des L\u00e4rms und ihrer stylishen Arrangements entkleidet und stattdessen fast nackt und schonungslos als Songs ausgestellt. Ohne, wie im Original, Reminiszenzen an irgendwelche Musikmoden, keine Kommentare mehr zur Entstehungszeit, keine eingefrorenen Erinnerungen. Sondern aufs innerste Ger\u00fcst reduziert, verletzlich gemacht, entr\u00fcckt und zum Bl\u00fchen gebracht. Wie ins kalte Wasser geworfen. Und siehe &#8211; sie schwimmen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Bande \u00e0 part&#8220; ist also eine ganz bezaubernde Platte. Die wie in Trance durch die fr\u00fchen Achtziger navigiert. Und daraus fast ein Vierteljahrhundert sp\u00e4ter eine ziemlich archaische Mondreise macht.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Nouvelle Vague<br \/>Bande \u00e0 part<br \/>Pias\/Rough Trade<br \/>V\u00d6: 9.6.2006<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hypnotisiert, mit halb geschlossenen Augen &#8211; so muss man sich die S\u00e4ngerinnen von Nouvelle Vague hinterm Mikro vorstellen. So klingt es jedenfalls, wenn sie singen. Wie ein besonders zerbrechliches Glas. 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