{"id":16996,"date":"2006-07-18T07:48:31","date_gmt":"2006-07-18T07:48:31","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/07\/eleanor-taylor-bland-windy-city-dying\/"},"modified":"2022-06-15T00:52:30","modified_gmt":"2022-06-14T22:52:30","slug":"eleanor-taylor-bland-windy-city-dying","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/07\/eleanor-taylor-bland-windy-city-dying\/","title":{"rendered":"Eleanor Taylor Bland: Windy City Dying"},"content":{"rendered":"\n<p>Eleanor Taylor Bland ist so etwas wie die gro\u00dfe alte Dame des afroamerikanischen Krimis. Heldin ihrer derzeit 13 B\u00fccher ist Marti MacAlister. Diese zog gemeinsam mit ihren zwei Kindern, nachdem ihr Mann im Dienst als Polizist erschossen wurde, von Chicago nach Lincoln Prairie, einer kleinen Gemeinde mit 60.000 Einwohnern, und arbeitet dort seitdem als Kriminalpolizistin.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u201eWindy City Dying\u201c greift auf Marti MacAlisters ersten Fall in Lincoln Prairie zur\u00fcck. Damals war sie auf eine Gruppe von Kindern gesto\u00dfen, die mitten im Winter, als Ausrei\u00dfer, ohne Erwachsenen in einem verlassenen Geb\u00e4ude zu \u00fcberleben versuchten. Jetzt sind die Kinder \u00e4lter geworden, einige haben Pflegeeltern gefunden, andere sind in die M\u00fchlen der Jugendf\u00fcrsorge geraten. Jose, eines der Kinder, mittlerweile 15 Jahre alt, ein stiller, zur\u00fcckhaltender, mitunter zorniger Junge, wird im Haus seiner derzeitigen Pflegeeltern am Leichnam einer Pflegetochter der Familie, voll mit deren Blut, gefunden. Er gilt als tatverd\u00e4chtig und wird in Gewahrsam genommen.<\/p>\n\n\n\n<p>MacAlister versucht das Leben der beiden Jugendlichen zu rekonstruieren. Gar nicht so leicht, wenn diese regelm\u00e4\u00dfig Pflegeheime und Pflegeeltern wechseln. Parallel hierzu blendet die Autorin immer wieder zu einer anderen Figur \u00fcber. Dem M\u00f6rder, wie wir bald erfahren. Der, einst verurteilt, will alle Beteiligten seines damaligen Verfahrens wie Staatsanw\u00e4ltin, Richterin, Geschworene dadurch verletzen, dass er deren Verwandte ermordet, und dessen ultimatives Ziel MacAlister selber ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus packt Eleanor Taylor Bland in \u201eWindy City Dying\u201c ein ganzes B\u00fcndel interessanter Erz\u00e4hlstr\u00e4nge und formt daraus ein schl\u00fcssiges Ganzes. Unrecht kommt im Dutzend. So werden die Nachforschungen MacAlisters und ihres polnischst\u00e4mmigen Partners immer durch die Entdeckung sozialer Missst\u00e4nde unterbrochen, so dass die Polizistin wiederholt zur Sozialarbeiterin mutiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Anders als bei vielen ihrer afroamerikanischen Kolleginnen stehen Rassekonflikte nicht im Vordergrund der B\u00fccher Eleanor Taylor Blands, diese werden eher von Identifikationsfragen um die eigene Rasse und sozialen Konflikten dominiert. Dennoch, in \u201eWindy City Dying\u201c spielt der Konflikt zwischen Hispanoamerikanern und den anderen ethnischen Gruppen eine wichtige Rolle. Der Mord passierte in dem Haus eines aufstrebenden hispanoamerikanischen Politikers, der, nat\u00fcrlich, die mangelnde Motivation der Polizei bei der Aufkl\u00e4rung des Falles zu sp\u00fcren meint.<\/p>\n\n\n\n<p>Es erstaunt mich immer wieder, wie gelungen die B\u00fccher Blands wirken. So ist auch \u201eWindy City Dying\u201c spannend, finessenreich und durchdacht. Vielleicht etwas \u201ecozy\u201c und nicht ganz so hipp, ganz so\u2026.kristallin wie die der j\u00fcngeren (meist m\u00e4nnlichen) Dominatoren der Branche, aber auf einem sehr hohen Niveau. Sie schreibt handwerklich gelungen und hat sich zudem f\u00fcr mich schon lange als soziale Stimme etabliert, die unseren Blick auf die Opfer der sozialen Umst\u00e4nde lenkt, und ihnen gleichzeitig W\u00fcrde verleiht. Es ist vermutlich ihre warmherzige, leicht naiv wirkende Art, die dazu f\u00fchrt, dass die 1944 geborene Autorin in Amerika immer wieder als Entdeckung gefeiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Eleanor Taylor Bland: Windy City Dying. <br \/>St. Martin Minotaur 2003. 324 Seiten. 13,50 \u20ac (Amazon-Preis). <br \/>(Noch keine deutsche \u00dcbersetzung)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eleanor Taylor Bland ist so etwas wie die gro\u00dfe alte Dame des afroamerikanischen Krimis. 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