{"id":16999,"date":"2006-07-19T07:43:27","date_gmt":"2006-07-19T07:43:27","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/07\/die-debuetantin\/"},"modified":"2022-06-13T00:43:22","modified_gmt":"2022-06-12T22:43:22","slug":"die-debuetantin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/07\/die-debuetantin\/","title":{"rendered":"Die Deb\u00fctantin"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Presse-Infos des Eichborn Verlags, die von Zeit zu Zeit in meinem Postfach landen, sind zumeist erfreulicher Natur. &#8222;Aschemenschen&#8220; von Ulrich Schmid wurde mir so ans Herz gelegt, auch Jan Costin Wagners &#8222;Schattentage&#8220;, ein Spiel mit den M\u00f6glichkeiten des Krimis. Gestern jedoch brachte mich schon die Betreffzeile der neuesten Eichborn-Post schwer ins Gr\u00fcbeln: <em>&#8222;Regula Venskes literarisches Deb\u00fct &#8218;Marthes Vision'&#8220;<\/em>. Regula Venske? Den Namen kenn ich doch&#8230;<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Auch dem Schreiber der Mail ist der Name Venske, w\u00e4re ja noch sch\u00f6ner, nicht unbekannt. Stolz z\u00e4hlt er auf:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&#8222;Im selben Jahr wurde sie f\u00fcr ihr Jugendbuch \u00fcber Fanny Lewald mit dem Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnet, 1992 mit &#8222;Schief gewickelt&#8220; f\u00fcr den Friedrich-Glauser Preis nominiert. 1996 erhielt sie f\u00fcr &#8222;Rent a Russian&#8220; den Deutschen Krimipreis und f\u00fcr &#8222;Die Alphabetische Autorin&#8220; den Hamburger Literaturpreis. 1997 wurde ihr f\u00fcr ihr Gesamtwerk das Lessing-Stipendium des Hamburger Senats zuerkannt.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>F\u00fcrwahr imponierend, aber meiner Verwirrung ist das durchaus zutr\u00e4glich. Wie kann jemand mit einer solchen Erfolgslatte bei Eichborn als &#8222;Deb\u00fctantin&#8220; durchgehen? &#8211; Oh, Kommando zur\u00fcck, mein Fehler. Es hei\u00dft ja: &#8222;literarisches Deb\u00fct&#8220;. Will sagen: Was immer Regula Venske vor &#8222;Marthes Vision&#8220; auch geschrieben haben mag &#8211; Literatur kann es nicht gewesen sein. Ebbes f\u00fcr die Vor- und Mittendrin-Pubert\u00e4ren, ein paar Krimis &#8211; dass sie f\u00fcr dieses &#8222;Gesamtwerk&#8220; ein &#8222;Lessing-Stipendium&#8220; erhalten hat, kann nur ein Irrtum sein, denn so etwas ist doch eigentlich nur f\u00fcr &#8222;LiteratInnen&#8220; vorgesehen, oder?<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, die Streitfrage: &#8222;Sind Krimis Literatur?&#8220; m\u00f6chte ich an dieser Stelle nicht mehr durchs Netz jagen. Bei Eichborn sind sie es anscheinend nicht. Mich jedenfalls erinnert diese pr\u00e4zise und vom Geist wahren Kunstschaffens durchdrungene Trennung ganz fatal an einen Satz auf der Homepage von \u2192<a href=\"http:\/\/www.astrid-paprotta.de\/basics.html\">Astrid Paprotta<\/a>:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Die Nachbarin sagt: \u00bbJetzt haben Sie Krimis geschrieben, die sind doch alle gut besprochen worden, da k\u00f6nnen Sie doch auch mal einen Roman schreiben.\u00ab<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Regula Venske hat es geschafft. Aus den Niederungen deutscher Krimikunst auf den Olymp deutscher Hochschreibe, wo auch der Werbefuzzi der alten Schindm\u00e4hre Pegasus gar m\u00e4chtig die Sporen gibt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&#8222;Venske lotet in einem Balanceakt zwischen Traum und Wirklichkeit den Kosmos des Lebens aus, verortet Frauen wie M\u00e4nner zwischen den Polen von Zuweisung und Entfesselung, wirft einen ironisch-differenzierten Blick in<br \/>die Ab- und Hintergr\u00fcnde der menschlichen Seele und sucht &#8211; ohne sich auf Geschlechter festzulegen &#8211; das faustische Prinzip wie jene Kraft zu ergr\u00fcnden, die das B\u00f6se will und das Gute schafft.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Sch\u00f6n, wenn man so in die wirkliche Literatur eingef\u00fchrt wird.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Presse-Infos des Eichborn Verlags, die von Zeit zu Zeit in meinem Postfach landen, sind zumeist erfreulicher Natur. &#8222;Aschemenschen&#8220; von Ulrich Schmid wurde mir so ans Herz gelegt, auch Jan Costin Wagners &#8222;Schattentage&#8220;, ein Spiel mit den M\u00f6glichkeiten des Krimis. 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