{"id":17040,"date":"2006-08-07T07:29:22","date_gmt":"2006-08-07T07:29:22","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/08\/finger-weg-von-reginald-hill\/"},"modified":"2022-06-06T16:24:34","modified_gmt":"2022-06-06T14:24:34","slug":"finger-weg-von-reginald-hill","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/08\/finger-weg-von-reginald-hill\/","title":{"rendered":"Finger weg von Reginald Hill!"},"content":{"rendered":"\n<p>Bringt endlich Reginald Hill zur Strecke! Diesen gewissenlosen, weitschweifigen, arroganten, hinterh\u00e4ltigen Krimischreiber, dessen (G)Alertheit ihn bislang vor w\u00fctenden \u00dcbergriffen seiner d\u00fcpierten Leserschaft bewahrt hat. Ja! ALLE Leser hassen Reginald Hill \u2013 aber irgendwie hat er sie unter Drogen gesetzt, sie folgen ihm wie die L\u00e4mmer, und ist der Weg auch noch so weit. 782 Seiten etwa in \u201eDie Launen des Todes\u201c.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Oh, dieser Hill tr\u00e4gt die Maske des perfekten Gastgebers! Er l\u00e4dt uns nicht ans kalte B\u00fcffet eines simplen Serienmordes, verabreicht uns nicht den abgestandenen Sprudel aus brackigen Psychoquellen (brackig hei\u00dft brackig und spielt nicht auf den Nachnamen eines deutschen Krimiautors an!). Nein, er tischt auf! Gleich vier opulente Gro\u00dfverbrechen setzt er uns in \u201eDie Launen des Todes\u201c vor, erz\u00e4hlt uns beil\u00e4ufig und ohne Vorwarnung dies und das, alles h\u00e4ngt am Ende irgendwie zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber hier schon wird es pervers. Denn der Bursche kann schreiben! Sein fettes Ekel Andy Dalziel sch\u00fcttelt die zynisch-geistreichen Bonmots so aus dem \u00c4rmel, dass man fast glauben k\u00f6nnte, es g\u00e4be eine reiche Bonanza in Gro\u00dfbritannien, wo man sich nur zu bedienen br\u00e4uchte. In Deutschland, das ja bekanntlich sehr rohstoffarm ist, haben wir eine solche Mine nicht, in der man funkelnde Sentenzen von den W\u00e4nden hauen k\u00f6nnte. Etwa die, die Dalziel einer deutschen Journalistin schenkt:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eTut mir leid, Liebes\u201c, sagte Dalziel. \u201eMein Dad sagte mir immer, einer Lady darf man nicht widersprechen, aber ich muss doch sagen, wenn es darum geht, jemanden in den Knast zu setzen, dann, sch\u00e4tze ich, kann ich Ihnen das halbe Sudetenland als Vorsprung geben, und ich bin trotzdem vor Ihnen in Prag.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Aaaarghhh, da kauen sich die deutschen Krimischaffenden w\u00fctend die Fingern\u00e4gel ab! Das ist schon schlimm genug, das ist wohl auch die Droge, die uns Hill ins Hirn f\u00fcttert. Wir lesen, wir lesen, wir lesen, Verbrechen um Verbrechen verdichtet sich, es konturieren sich langsam die Guten und die B\u00f6sen &#8212; nein! Eben nicht! Und jetzt haben wir dich bei den Eiern, Hill!<\/p>\n\n\n\n<p>Vier Verbrechen also. Eins davon (ein schn\u00f6der Raub) wird konventionell gekl\u00e4rt. Ein anderes (Fahrerflucht) erledigt sich per Selbstjustiz. Ein drittes bleibt unaufgekl\u00e4rt, l\u00e4sst sich vom Leser allerdings rekonstruieren, mit einer Spur Ungewissheit. Tja, und dann das vierte, das alle anderen umrankt. Hier \u00fcbertreibt es Hill, und das wird ihm zum Verh\u00e4ngnis. DENN ER L\u00c4SST UNS DAMIT ALLEIN! Hunderte von Seiten klopft er uns beruhigend auf die Schultern, ja doch, LeserIn, wird alles gut, es ist genauso, wie es zwischen den Zeilen steht, keine Angst, Pescoe kriegt den Burschen&#8230;.und dann: Nichts ist! War er\u2019s? War er\u2019s nicht? Ein Guter? Ein B\u00f6ser? \u2013 Hill verweigert die Antwort! Wir m\u00fcssen selbst nachdenken und kommen zu keinem Ergebnis! Es kann SO gewesen sein, aber auch SO!<\/p>\n\n\n\n<p>Leserverarschung ist leider kein Straftatbestand. Wir sind uns jedoch sicher, dass im Falle des Reginald Hill das gesunde Leserempfinden gnadenlos sein Urteil f\u00e4llen wird. Der Mann ist einfach zu abgebr\u00fcht! Der schreckt vor nichts zur\u00fcck! Auch den Bildungsb\u00fcrger l\u00e4sst er raush\u00e4ngen, \u201eromantische Dichtung\u201c ist ein Leitmotiv des Buches, Heine (!) wird erw\u00e4hnt (der nur einen einzigen Krimi geschrieben hat; Delikt: Gef\u00e4hrdung der Binnenschifffahrt auf dem Rhein), Deutschland und seine dunkle Gef\u00fchlsduseligkeit mannigfach durch den Kakao gezogen. Und daf\u00fcr m\u00fcssen deutsche Leser 8,95 Euro abdr\u00fccken! F\u00fcr 782 Seiten! Eine Unversch\u00e4mtheit!<\/p>\n\n\n\n<p>Leser! Du hast Anspruch auf einen vern\u00fcnftigen Krimi. Alles muss sich kl\u00e4ren, bitte keine spitzigen Kommentare hunderterweise, bitte mit wenigstens 10 Grammatikfehlern pro Seite, wenn schon ausf\u00fchrlich, dann bitte auch langatmig! Also: Finger weg von Hill! Der Bursche ist gef\u00e4hrlich!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Reginald Hill: Die Launen des Todes. <br \/>Knaur 2006. 782 Seiten. 8,95 \u20ac<\/pre>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bringt endlich Reginald Hill zur Strecke! Diesen gewissenlosen, weitschweifigen, arroganten, hinterh\u00e4ltigen Krimischreiber, dessen (G)Alertheit ihn bislang vor w\u00fctenden \u00dcbergriffen seiner d\u00fcpierten Leserschaft bewahrt hat. Ja! 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