{"id":17042,"date":"2006-08-08T08:06:01","date_gmt":"2006-08-08T08:06:01","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/08\/ken-bruen-und-jason-starr-bust\/"},"modified":"2025-04-03T05:09:56","modified_gmt":"2025-04-03T03:09:56","slug":"ken-bruen-und-jason-starr-bust","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/08\/ken-bruen-und-jason-starr-bust\/","title":{"rendered":"Ken Bruen und Jason Starr: Bust"},"content":{"rendered":"\n<p>Ken Bruen und Jason Starr sind zwei auch f\u00fcr ihren hintergr\u00fcndigen Humor bekannte Autoren. Anders als z.B. Carl Hiaasen oder Christopher Brookmyre beugen sich die beiden nicht dem Primat des Humors, sondern sie schreiben Noirs, die sie mit ironisch schwarzem Humor w\u00fcrzen. Dass die beiden Autoren f\u00fcr ein Buch zusammengekommen sind, liegt vermutlich daran, dass der in Irland lebende und einst als Sicherheitskraft im UN-Geb\u00e4ude t\u00e4tige Ken Bruen auf einem der \u201eKrimi-Convents\u201c den in New York lebenden Jason Starr traf und man beschloss, die gemeinsamen Interessen bei einem Zug durch die Kneipenwelt New Yorks auszuloten. Ein Wort gab wohl das andere und am n\u00e4chsten Morgen k\u00f6nnte das Gerippe einer Story und so mancher \u201eOne-liner\u201c fertig gewesen sein.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Keine Frage: Die beiden Autoren beherrschen ihr noir-Handwerk und treiben in \u201eBust\u201c ihr Personal durch eine gut strukturierte und recht komplexe Handlung. Max Fisher, Eigent\u00fcmer einer erfolgreichen Computerfirma, will seine Frau loswerden. Angela Petrakos, Angestellte und Geliebte von Max Fisher, tr\u00e4umt vom sorgenfreien Leben und will ihm helfen. Sie kennt jemanden, der den Auftragsmord durchf\u00fchren k\u00f6nnte \u2013 Dillon, der Typ, mit dem sie Bude und Bett teilt. Dillon ist Ire, gewaltbereit und psychisch instabil. So instabil, dass ihn die IRA, zu seinem Leidwesen, nicht als \u201eMitarbeiter\u201c duldet. Der Tod der Ehefrau und sp\u00e4ter, nach dessen Heirat mit Angela, der von Max Fisher, soll Dillon ein angenehmes Leben erm\u00f6glichen. Als Max Fisher Dillon beauftragt, entsteht eine unheilvolle Partnerschaft: Die Partner funktionieren nicht so wie gehofft, die Polizei ist nicht so tumb wie geplant und informierte Dritte nicht so abwesend wie erwartet.<\/p>\n\n\n\n<p>Anders als in ihren eigenen B\u00fcchern haben in \u201eBust\u201c die Comedy-Elemente ein deutliches \u00dcbergewicht, alles wirkt nicht so schwarz, so zwingend, so ernsthaft wie sonst. Die Dialoge sind knackig und insgesamt die Geschichte gekonnt schwerelos erz\u00e4hlt. Manche der \u201eOne-Liner\u201c sind sogar, zugegeben, richtig gut und rechtfertigen f\u00fcr sich schon fast den Kauf des Buches. Ansonsten, ich kann mir nicht helfen, hatte ich gelegentlich das Gef\u00fchl, dass die Autoren einige der Ideen, die sie in ihren eigenen B\u00fcchern nicht unterbringen konnten, einer Verwertung zugef\u00fchrt haben. Auch die Beschreibung des ersten Tatorts, dominiert von einem Schei\u00dfhaufen, den der T\u00e4ter auf dem Teppich zur\u00fcckgelassen hatte, war, einschlie\u00dflich der Wortwahl f\u00fcr das Objekt (\u201eturd\u201c) schon mal zu bestaunen \u2013in C. Brookmyres Erstling \u201eQuit Ugly One Morning\u201c. Dass der Hausarzt eines der m\u00e4nnlichen Patienten eine, sich phasenweise zum \u201eRunning-Gag\u201c entwickelnde, grassierende Herpes-Seuche mittel Pap-Abstrich (1) nachweisen will, halte ich nicht f\u00fcr eine ironische Kommentierung der Heilkunst, sondern f\u00fcr einen kleinen, eigentlich l\u00e4sslichen Schnitzer. Dieser rundet jedoch den Eindruck einer gewissen mangelnden Sorgfalt ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt, aufgrund gelungener Stilistik, einiger sehr guter Spr\u00fcche und da man der Handlung das noir-Training der Autoren ansieht, ein unterhaltsames, irisch-selbstironisches Buch. Geeignet f\u00fcr einen Nachmittag am Sandstrand; von Autoren, die es besser, weil liebevoller und substanzieller, k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>(1) Sog. Pap-Abstrich, genannt nach dem Frauenarzt Papanicolaou. Weltweit durchgef\u00fchrter Abstrich des Geb\u00e4hrmutterhalses im Rahmen der Fr\u00fcherkennung des entsprechenden Krebses. Mit dem Herpesnachweis hat das nichts zu tun. Erst recht nicht bei M\u00e4nnern.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Ken Bruen und Jason Starr: Bust. <br \/>Hard Case Crime 2006. 254 Seiten. 5,99 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ken Bruen und Jason Starr sind zwei auch f\u00fcr ihren hintergr\u00fcndigen Humor bekannte Autoren. Anders als z.B. 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