{"id":17050,"date":"2006-08-16T07:59:57","date_gmt":"2006-08-16T07:59:57","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/08\/das-fundament-ist-gelegt\/"},"modified":"2022-06-14T03:25:22","modified_gmt":"2022-06-14T01:25:22","slug":"das-fundament-ist-gelegt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/08\/das-fundament-ist-gelegt\/","title":{"rendered":"Das Fundament ist gelegt"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2006\/cover\/biblio.jpg\" alt=\"biblio.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Endlich ist sie da: Mirko Sch\u00e4dels \u201eIllustrierte Bibliographie der Kriminalliteratur im deutschen Sprachraum von 1796 bis 1945\u201c. Zwei B\u00e4nde im Schuber, Leseb\u00e4ndchen, \u00fcber 1.000 Seiten mit ca. 10.000 Eintr\u00e4gen und ca. 1.300 Abbildungen. Man muss nicht bibliophil sein, um beim Einblick dieses Werkes in blankes Entz\u00fccken zu verfallen. Hier stimmt alles. Die \u00e4u\u00dfere Gestalt, der Inhalt, die Eintr\u00e4ge, die Abbildungen der Buchumschl\u00e4ge \u2013 ja, allein die halten einen f\u00fcr Stunden davon ab, mit dem Studium des Bibliographischen zu beginnen. Man bl\u00e4ttert, man schaut, man staunt. Und kann es kaum glauben, dass ein einzelner Mensch (mit Unterst\u00fctzung anderer, lieber Menschen) diese gargantueske Kraftanstrengung auf sich nehmen und meistern konnte.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>10.000 Eintr\u00e4ge: ein jeder wie eine Hand, die im letzten Moment ein Buch, eine(n) Autor(in) aus dem Sumpf des Vergessens zieht. Denn genau darum geht es: Die im akademischen Sinne Un-Literatur dadurch vor den Folgen von Ignoranz, D\u00fcnkel und Dummheit zu bewahren, dass man sie \u2013 bittesch\u00f6n! \u2013 als eine Kulturleistung am Leben erh\u00e4lt, die Informationen bewahrt, deren Zweck es sein muss, viele Gehirne dazu zu inspirieren, sich n\u00e4her mit diesen \u201eTrivialit\u00e4ten\u201c zu besch\u00e4ftigen, die \u00fcber ihren reinen Unterhaltungszweck hinaus \u00fcber vergangene Zeiten, ihre Menschen und Ma\u00dfst\u00e4be reden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die nach Autoren alphabetisch gegliederte Bibliographie erfasst nicht nur die Titel deutschsprachiger Originale, sondern pr\u00e4sentiert auch das, was im Arbeitszeitraum an \u00dcbersetzungen hierzulande erschienen ist, also alle Christies, Wallaces und Conan Doyles, um nur die ber\u00fchmtesten Vertreter der Gattung zu nennen. Vollst\u00e4ndigkeit, darauf weist Sch\u00e4del korrekterweise in seinem Vorwort hin, konnte dabei nicht angestrebt werden, dazu ist einiges l\u00e4ngst von der Bildfl\u00e4che verschwunden. Ein gro\u00dfes schwarzes Loch bleiben zudem alle Kriminalromane, die nicht sofort als solche zu erkennen sind, weil sie unter der Sammelbezeichnung \u201eRoman\u201c firmieren und nur nach Lekt\u00fcre dem Genre zugeschlagen werden k\u00f6nnten. Emilie Heinrichs` \u201eLeibrenten\u201c etwa, bald in der \u201eCriminalbibliothek des 19. Jahrhunderts\u201c wieder zu haben, geh\u00f6rt dazu, viele andere, auf die man im Laufe der n\u00e4chsten Jahrzehnte sto\u00dfen wird, sicherlich auch.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass hinter diesem Werk die harte Arbeit vieler Jahre steckt, versteht sich von selbst. Sie haben sich gelohnt, kein Zweifel, schon allein die biografischen Angaben, in vielen F\u00e4llen wohl erst nach m\u00fchseliger Rechercheodyssee erreichbar, sind von unsch\u00e4tzbarem Wert. Und dann die Illustrationen, die auf den ungeraden Seiten des Buches abgebildet sind. Sie er\u00f6ffnen einen bislang unbekannten Kosmos und zeigen, wie sich im Laufe der Zeit die Geschm\u00e4cker ebenso wandelten wie die Werbestategien, ja, die Wahrnehmung von Kriminalliteratur \u00fcberhaupt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nun? Die Bibliographie ist da, das Fundament mithin gelegt. Man kann sie bis zum Jahresende f\u00fcr 175 \u20ac erwerben, danach f\u00fcr 198 \u20ac, was zugegebenerma\u00dfen viel Geld ist, aber angesichts dessen, was man daf\u00fcr bekommt, eben auch wieder nicht. Sch\u00e4del hat sein Werk unter anderem den Literaturwissenschaftlern gewidmet, bei denen das Triviale keine Ber\u00fchrungs\u00e4ngste ausl\u00f6st, die vielleicht auch von einem gelinden Misstrauen in die Literaturgeschichtsschreibung umgetrieben werden und sich mit der These, nur die \u201ehohe Literatur\u201c lohne eine Besch\u00e4ftigung, nicht anfreunden k\u00f6nnen. Sie sind nun gefragt. Denn die Zeit dr\u00e4ngt. Kann sein, dass genau jetzt, in diesem Moment, das letzte Exemplar eines wichtigen, zu Unrecht vergessenen Kriminalromans in irgendeinem M\u00fcllcontainer seine letzte Ruhest\u00e4tte findet. Schwierig genug sind die Dinger eh zu beschaffen und, wie gesagt, was nicht explizit \u201eKrimi\u201c hei\u00dft, schlummert noch ganz und gar im Verborgenen. Noch einmal: Das Fundament ist mit dieser Bibliographie gelegt. Nun muss darauf aufgebaut werden. Es lohnt sich allemal.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessenten k\u00f6nnen die Bibliographie direkt bei der \u2192<a href=\"http:\/\/www.achilla-presse.de\/achilla-pgs\/main1.html\">Achilla Presse<\/a>(bitte \u201eNeuigkeiten\u201c anklicken) bestellen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich ist sie da: Mirko Sch\u00e4dels \u201eIllustrierte Bibliographie der Kriminalliteratur im deutschen Sprachraum von 1796 bis 1945\u201c. 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