{"id":17051,"date":"2006-08-17T08:02:07","date_gmt":"2006-08-17T08:02:07","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/08\/jonathan-kellerman-todesrausch\/"},"modified":"2022-06-14T20:00:42","modified_gmt":"2022-06-14T18:00:42","slug":"jonathan-kellerman-todesrausch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/08\/jonathan-kellerman-todesrausch\/","title":{"rendered":"Jonathan Kellerman: Todesrausch"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Originaltitel hat schon Recht: Reichlich \u201etwisted\u201c ist das, was uns Jonathan Kellerman in seinem deutsch zum \u201eTodesrausch\u201c hochfabulierten Krimi zumutet. Gar nicht auszudenken, was ein Schreibamateur daraus gemacht h\u00e4tte. Aber Kellerman ist eben Profi, und dem kann es gar nicht verworren genug sein.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Petra Connor von der Mordkommission LA steckt mitten in einem schwierigen Fall. Vier Jugendliche sind nach einem Konzert aus einem vorbeifahrenden Wagen heraus erschossen worden, eines der Opfer, ein f\u00fcnfzehn-, sechzehnj\u00e4hriges M\u00e4dchen, wird von niemandem vermisst und bleibt folglich namenlos. Doch damit nicht genug. Petra fungiert auch als \u201eKinderm\u00e4dchen\u201c des hochbegabten Isaac Gomez, der sich zum Zwecke einer Doktorarbeit durch die Archive des Polizeipr\u00e4sidiums w\u00fchlt. Und f\u00fcndig wird. Sechs Morde, alle mit einem stumpfen Gegenstand zum Nachteil v\u00f6llig unterschiedlicher, von keinem Raster zu erfassender Personen ausgef\u00fchrt und \u2013 alle an einem 28. Juni begangen. Was steckt dahinter? Steckt \u00fcberhaupt etwas dahinter? Die zun\u00e4chst skeptische Connor ist immer mehr davon \u00fcberzeugt, dass ein unheimlicher Serienkiller sein Unwesen treibt \u2013 und der n\u00e4chste 28. Juni steht kurz bevor.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei kapitale F\u00e4lle also, sehr viel Kleinarbeit, die mit ihren zumeist deprimierenden Ergebnissen geschildert wird. Dazu dieser Isaac Gomez, das Genie aus den \u00fcbel beleumundeten Wohngegenden der Hispanoamerikaner, passenderweise auch noch im Hormonrausch taumelnd, nicht zu vergessen die \u00fcblichen internen Mobbingaktionen, denen Petra ausgesetzt ist. Viel Stoff \u2013 und ein Autor, der damit umzugehen versteht. Geschickt hat Kellerman seinen Roman zwischen der Vorstadttristesse amerikanischer Hausfrauen und dem Ghettothrill der Einwandererviertel angesiedelt, manchmal haarscharf am Klischee vorbei man\u00f6vrierend, niemals auch das, was man \u201esoziologisch\u201c schimpfen k\u00f6nnte, aber immer pointiert, in die Handlung passend.<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht generell um Muster, wie man das ja von der Polizeiarbeit kennt. Vom vagen Verdacht bis zur endg\u00fcltigen Gewissheit ist es ein langer Weg, den Kellerman mit allen ihm zur Verf\u00fcgung stehenden Pfeilern amerikanischer Spannungsliteratur abst\u00fctzt. Es wird gemordet, bedroht, gnadenlos geliebt, dass der noch sch\u00fcchterne Isaac immer gleich \u201eeinen stehen\u201c hat, wenn er einen weiblichen Arm streift, mag etwas zuviel des Guten sein, insgesamt jedoch tr\u00e4gt es zum Verve der Erz\u00e4hlung bei.<\/p>\n\n\n\n<p>Hervorragende Unterhaltung, man kennt es von Kellerman nicht anders. Kaum etwas, das uns nach der Lekt\u00fcre der letzten Seite noch weiter besch\u00e4ftigt, aber nun, das muss es ja auch nicht. Gute Unterhaltung ist selten genug, hier findet man sie.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Jonathan Kellerman: Todesrausch.  <br \/>Goldmann 2006. 480 Seiten. 8,95 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Originaltitel hat schon Recht: Reichlich \u201etwisted\u201c ist das, was uns Jonathan Kellerman in seinem deutsch zum \u201eTodesrausch\u201c hochfabulierten Krimi zumutet. Gar nicht auszudenken, was ein Schreibamateur daraus gemacht h\u00e4tte. 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