{"id":17067,"date":"2006-08-24T07:30:51","date_gmt":"2006-08-24T07:30:51","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/08\/joe-r-lansdale-wilder-winter\/"},"modified":"2022-06-14T03:23:34","modified_gmt":"2022-06-14T01:23:34","slug":"joe-r-lansdale-wilder-winter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/08\/joe-r-lansdale-wilder-winter\/","title":{"rendered":"Joe R. Lansdale: Wilder Winter"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201eFunny Crimes\u201c hei\u00dft eine neue Reihe des Shayol Verlags, die mit zwei Titeln gestartet ist. \u201eAberystwyth mon amour\u201c von Malcolm Pryce ist tats\u00e4chlich reichlich abgefahren, aber bei Joe R. Lansdales \u201eWilder Winter\u201c muss man sich den Spa\u00df schon im Funny Kochstudio selbst zusammenr\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Exfrauen sind eine Plage. Hap Collins und Leonard Pine leben als Erntehelfer zwar mehr schlecht als recht, daf\u00fcr aber ruhig auf dem Lande. Bis Haps Exfrau Trudy auf der Bildfl\u00e4che erscheint und nicht nur mit ihren Reizen f\u00fcr Verwirrung und zeitweisen Denkausfall bei Hap sorgt. Sie hat Informationen \u00fcber die Beute eines Bankraubs \u2013 1 Million Dollar -, die in unwegsamem Gebiet in einem Fluss auf gl\u00fcckliche Finder wartet. Und Hap kennt sich in der Gegend aus. Der st\u00f6rrische Leonard wird schlie\u00dflich zur Mitarbeit herangezogen, tja, und w\u00e4ren nur die drei mit von der Partie, vielleicht w\u00fcrde alles gut ausgehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Trudy ist nur das attraktivste Viertel eines reichlich obskuren Quartetts von Sp\u00e4tsechzigern, die den glorreichen Zeiten der Revolution nachtrauern und sie gerne wiederbeleben wollen, indem sie die Beute in Waffen und Sprengstoff investieren. Unbelehrbare Idealisten also? Nicht ganz. Und jetzt kommt die Geschichte in Fahrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie immer bei Lansdale bewundert man auch in \u201eWilder Winter\u201c diesen souver\u00e4nen Balanceakt zwischen den Tiefen der Aussage und den Untiefen der Action. Ein falscher Schritt und der Roman s\u00e4\u00dfe bis zur Halskrause in der Peinlichkeit. Nat\u00fcrlich sind die Alt-Revoluzzer v\u00f6llig abgewrackte Typen, aber niemals Karikaturen. Die Spr\u00fcche kommen einem bekannt vor, die Praxis solch salbungsvoller Theorien auch. Hap und Leonard haben als die desillusionierten Pragmatiker einen schweren Stand, doch das b\u00f6se Ende ist noch nicht erreicht. Es naht schlie\u00dflich in Gestalt eines nun aber v\u00f6llig von der Rolle gewickelten Killerp\u00e4rchens namens Soldier und Angel. Der Showdown ist grauslig, blutig, gar nicht funny.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wenn ich es mir recht \u00fcberlege: Doch, dieser kurzweilige, keine 200 Seiten lange Krimi ist schon ein Kabinettst\u00fcckchen gehobenen Spa\u00dfes. Er verk\u00fcndet bittere Wahrheiten \u00fcber egoistische Idealisten und die profane Wirklichkeit, haarscharf am Parodistischen vorbei, was die Sache umso eindrucksvoller macht, und selbst in den humorigen Dialogen von Hap und Leonard steckt tiefe Resignation. Lansdales Hauptthema, der allgegenw\u00e4rtige Rassismus, darf auch nicht fehlen, manchmal eine Prise Melancholie, die alten Zeiten betreffend, doch sp\u00e4testens wenn am Ende die Hirne spritzen, steht der Roman wieder auf dem Boden des Genres.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWilder Winter\u201c ist der erste von inzwischen sieben Hap Collins \/ Leonard Pine \u2013 Krimis, starker Beginn einer starken Serie, gewohnte Lansdale-Qualit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Joe R. Lansdale: Wilder Winter. <br \/>Shayol 2006. 196 Seiten, 12,90 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eFunny Crimes\u201c hei\u00dft eine neue Reihe des Shayol Verlags, die mit zwei Titeln gestartet ist. \u201eAberystwyth mon amour\u201c von Malcolm Pryce ist tats\u00e4chlich reichlich abgefahren, aber bei Joe R. Lansdales \u201eWilder Winter\u201c muss man sich den Spa\u00df schon im Funny Kochstudio selbst zusammenr\u00fchren.<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1070],"tags":[],"class_list":["post-17067","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-watching-the-detectives"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"dpr","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/dpr\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17067","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17067"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17067\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17067"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17067"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17067"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}