{"id":17084,"date":"2006-09-01T07:45:48","date_gmt":"2006-09-01T07:45:48","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/09\/die-leib-und-magen-krimis\/"},"modified":"2022-06-07T01:44:23","modified_gmt":"2022-06-06T23:44:23","slug":"die-leib-und-magen-krimis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/09\/die-leib-und-magen-krimis\/","title":{"rendered":"Die Leib- und Magen-Krimis"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2006\/cover\/202.gif\" alt=\"202.gif\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Was tut man nicht alles f\u00fcr die Kunst. Sogar einen schwer ins Chaotische abschweifenden Magen habe ich mir zugelegt, um die Antwort auf eine der letzten offenen Fragen der Kriminalliteratur zu finden: Beeinflusst die pers\u00f6nliche k\u00f6rperliche Befindlichkeit unser Urteil \u00fcber Krimis? Steigt proportional zur Magens\u00e4ure unsere Sympathie f\u00fcr, unsere Abneigung gegen bestimmte Themen und Strickmuster? Wenn ja: warum? Wenn nein: warum nicht? Hier erste vorl\u00e4ufige Erkenntnisse.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend meines Maladeseins habe ich folgende Titel gelesen respektive angelesen:<\/p>\n\n\n\n<p>Mischa Bach: Stimmengewirr<br \/>Michael Robotham: Amnesie<br \/>Astrid Paprotta: Melitta-Mann jagt Dr. Best<br \/>Charles Willeford: Sperrstunde<br \/>Peter O\u2019Donnell: Modesty Blaise \u2013 Der Xanadu-Talisman<\/p>\n\n\n\n<p>Mischa Bach hatte Pech. Ihr Roman, in dem es um eine \u201eschizophrene Pers\u00f6nlichkeit\u201c geht, war zu nahe an meiner momentanen Befindlichkeit. Auch ich bestand aus mehreren Menschen, einem kopf- und einem magengesteuerten, Dr. Head and Mister Stomach, beide bek\u00e4mpften sich, und meistens gewann Mister Stomach. Also: weg damit, sp\u00e4ter noch einmal versuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz anders Michael Robotham. Sein Thriller \u201eAmnesie\u201c macht uns mit einem Protagonisten bekannt, der nach einer wilden Schie\u00dferei mit Ged\u00e4chtnisschwund im Krankenhaus aufwacht. Es geht ihm dreckig, sehr dreckig \u2013 und das gefiel mir, denn es ging ihm NOCH dreckiger als mir. Irgendwann lernte ich ihn auch hassen, denn er hatte stets Morphiumk\u00fcgelchen gegen die Schmerzen dabei. Mit meinen l\u00e4cherlichen Ibuprofen war dagegen nicht das entfernteste Anstinken, und weil dieses Jahr das Cannabisb\u00fcschlein auf meinem Balkon nicht richtig gedeihen will, w\u00fcnschte ich dem Robothamschen Helden alles nur erdenklich Schmerzliche. Er bekam es. Also: Klasse Krimi, mehr davon!<\/p>\n\n\n\n<p>Kommen wir zu Astrid Paprottas \u201eMelitta-Mann jagt Dr. Best\u201c. Das harsche Urteil kann hier nur lauten: Mensch, der du dich vor Magenschmerzen kr\u00fcmmst, meide dieses Buch! Das Cover sieht aus wie eine Tafel RITTER SPORT, es beginnt mit MAGNUM-Eis und anderen Leckereien. Eine zynische und magenverachtende Lekt\u00fcre, die dem gesunden Individuum manch heitere Stunde bereiten mag, dem kranken indes die Pein noch verschlimmert. Sch\u00e4men Sie sich, Frau!<\/p>\n\n\n\n<p>Nun, Frau P. sammelte wenigstens einige Sympathiepunkte, indem sie mir Charles Willefords \u201eSperrstunde\u201c empfahl. Boah, wie dort gelitten wird! Selbstmordversuche! Totalbes\u00e4ufnisse! Schl\u00e4gereien! Psychiatrien! Das war noch besser als bei Robotham, da hat sich der eigene Schmerz vollst\u00e4ndig verabschiedet. Fazit: Weiter so! Pflichtlekt\u00fcre f\u00fcr jeden Krankenhausinsassen!<\/p>\n\n\n\n<p>Getoppt werden konnte Willeford nur noch von IHR: Modesty Blaise. Das ist sch\u00f6n. Schlimm aber: Ich wei\u00df nicht warum. Zwar gibt es gleich zu Beginn ein Erdbeben, ein Mann wird mit Napalm verbrannt und auch sonst stirbt man wacker. Aber wirklich Schmerzen kommen nicht r\u00fcber. Ist halt Modesty. Die liest man in guten wie in schlechten Tagen, da \u00e4ndert sich nichts. Meine Erkenntnis: Wer Modesty nicht mag, ist weder krank noch gesund, sondern schlicht: tot.<\/p>\n\n\n\n<p>Lesen Sie n\u00e4chste Woche: Lungensteckschuss und Nierenversagen \u2013 Welche Krimis passen?<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was tut man nicht alles f\u00fcr die Kunst. Sogar einen schwer ins Chaotische abschweifenden Magen habe ich mir zugelegt, um die Antwort auf eine der letzten offenen Fragen der Kriminalliteratur zu finden: Beeinflusst die pers\u00f6nliche k\u00f6rperliche Befindlichkeit unser Urteil \u00fcber Krimis? Steigt proportional zur Magens\u00e4ure unsere Sympathie f\u00fcr, unsere Abneigung gegen bestimmte Themen und Strickmuster? [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1070],"tags":[],"class_list":["post-17084","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-watching-the-detectives"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"dpr","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/dpr\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17084","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17084"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17084\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17084"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17084"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17084"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}