{"id":17097,"date":"2006-09-06T07:46:03","date_gmt":"2006-09-06T07:46:03","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/09\/schnitzel-sonne-und-blondinen\/"},"modified":"2022-06-07T01:12:42","modified_gmt":"2022-06-06T23:12:42","slug":"schnitzel-sonne-und-blondinen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/09\/schnitzel-sonne-und-blondinen\/","title":{"rendered":"Schnitzel, Sonne und Blondinen"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2006\/cover\/krimi_humor.jpg\" alt=\"krimi_humor.jpg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Humor im Krimi kann zum Heulen sein. Zwischen der treffenden Lakonie eines Hammett \/ Chandler und dem Sprachwitz eines Wolf Haas tummeln sich Witzbolde jeglicher Couleur, die Kleinen-Feinen, die Brutal-Direkten, die Aufgesetzt-Bl\u00f6delnden. Drei Exempel angewandten Humors m\u00f6chte ich heute vorstellen: die aktuellen Krimis von Leo P.Ard, Jos\u00e9 Luis Correa und Robert B. Parker.<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Gammelfleisch und BSE, H\u00fchnergrippe und Tierqu\u00e4lerei: Es gibt tats\u00e4chlich viele Gr\u00fcnde, auf den Genuss von Fleisch zu verzichten, vielleicht sogar welche, ihn schlichtweg zu verbieten. Leo P. Ard (wir lachen schon beim Autorennamen) entwirft in \u201eDer letzte Bissen\u201c genau dieses Szenario: die Fleischprohibition. Und ihre nat\u00fcrlichen Folgen: Schwarzhandel, Dealer mit weiten M\u00e4nteln, der Kampf zwischen Gesetzestreue und Fleischeslust. Ein Ermittlerp\u00e4rchen (sie fleischclean, er einem Steak nicht abgeneigt) ist hinter den Al Capones des Fleischschwarzmarktes her und, zun\u00e4chst ohne es zu ahnen, einem Geheimnis auf der Spur, das staatsersch\u00fctternd ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Solide gemacht. Der Autor arbeitet f\u00fcrs Privatfernsehen, das merkt man. Alles kundenorientiert aufgebaut und mundgerecht durchgezogen \u2013 aaaaber: Leider hat Herr Ard, der wie gesagt f\u00fcrs Privatfernsehen arbeitet, die dortigen Comedy-Serien zu sehr verinnerlicht und behelligt uns mit dem Standard der dort angesagten Witzchen. Sch\u00f6n; dass Alfred Biolek im Gef\u00e4ngnis sitzt, weil er nicht vom Fleisch lassen kann, nehmen wir zur Kenntnis und bitten darum, aus der Fiktion doch bitte Wirklichkeit werden zu lassen. Aber dieses Schema zieht sich durch den ganzen Roman. Auch der \u201eBulle von T\u00f6lz\u201c verst\u00f6\u00dft nat\u00fcrlich gegen die Regeln, Bayern M\u00fcnchen desgleichen&#8230; Von den anderen Scherzen mal ganz abgesehen, die der Autor wohl sauber im Zettelkasten hatte und immer dann, wenn ihm Zeit f\u00fcr eine kleine Witzunterbrechung schien, auf das Handlungsbrett genagelt hat. Das verhindert die potentielle Satire und sanktioniert die harmlose Schmunzelidylle. MIt voraussehbarem Ende: DIE DA OBEN halten sich nicht an ihre eigenen Gesetze, predigen Wasser und trinken Wein. Gut zu wissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Jos\u00e9 Luis Correas \u201eDrei Wochen im November\u201c f\u00fchrt auf die Ferieninsel Gran Canaria und macht uns mit Privatdetektiv Ricardo Blanco bekannt. Das kommt zun\u00e4chst leicht parodisch daher, die \u00fcblichen \u201eIch nehme jetzt mal das Genre auf den Arm\u201c \u2013 Strategien mit obligatorischem Sam-Spade-Verweis. Eine sch\u00f6ne, dabei nat\u00fcrlich undurchsichtige Frau nimmt Blancos Dienste in Anspruch, um den angeblichen Selbstmord ihres Verlobten, den sie nicht f\u00fcr Selbstmord h\u00e4lt, zu untersuchen. Bekanntes Muster. Aber dann beginnt dieser Ricardo Blanco zu denken, leicht abseitig zu denken, seine Biografie l\u00e4chelnd zu perforieren, ein Schwenk hierhin, ein Schwenk dorthin, zur\u00fcck zur Wirklichkeit des Falles und so weiter. Das ist witzig und genau, treffend auch und treibt die Handlung auf angenehme Weise voran. Von Parodie keine Spur mehr, eher von der Kraft des wohldosierten Witzes, der nie zum Selbstzweck wird und auch in der Trag\u00f6die nicht deplaziert wirkt. Humor als ein verspieltes H\u00fcndchen, das bei Gelegenheit die Z\u00e4hne zeigt und auch schon mal die Wade des Gegners fixiert. Vielversprechender Beginn einer neuen Serie.<\/p>\n\n\n\n<p>Neu ist uns Spenser, der Held in Robert B. Parkers \u201eDie blonde Witwe\u201c nun wirklich nicht mehr. Der Autor schickt seinen Helden schon seit Jahrzehnten durch die amerikanischen Krimi-Highlands, im vorliegenden Buch bekommt er es, siehe Titel, mit der blonden und \u00e4u\u00dferst dummen Witwe eines erheblich \u00e4lteren und reicheren Mannes zu tun, der aber jetzt nicht mehr \u00e4lter werden kann, weil er n\u00e4mlich tot ist und die Witwe die Hauptverd\u00e4chtige.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ganze erinnert an gute alte US-Krimiserien (und \u201eSpenser\u201c war tats\u00e4chlich mal eine davon), sehr solide gezimmert, die Effekte an den richtigen Stellen \u2013 aber was \u201eSpenser\u201c so besonders macht, das sind die Dialoge. Kurz. Pr\u00e4gnant. Von keinerlei politischen Korrektheit kastriert. In eben dieser K\u00fcrze und Sch\u00e4rfe verdammt witzig. Spannungsliteratur, die auch Entspannungsliteratur ist, Wohlf\u00fchlkrimis, die nun aber auch alle niederen Instinkte aufs H\u00f6chste befriedigen. Noch weitere Jahrzehnte Spenser bitte, verehrter Autor.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Leo P. Ard: Der letzte Bissen. <br \/>Grafit 2006. 285 Seiten. 9,50 \u20ac<\/pre>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Jos\u00e9 Luis Correa: Drei Wochen im November. \nUnionsverlag 2006. 192 Seiten. 8,90 \u20ac<\/pre>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Robert B. Parker: Die blonde Witwe. \nPendragon 2006. 224 Seiten. 9,90 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Humor im Krimi kann zum Heulen sein. Zwischen der treffenden Lakonie eines Hammett \/ Chandler und dem Sprachwitz eines Wolf Haas tummeln sich Witzbolde jeglicher Couleur, die Kleinen-Feinen, die Brutal-Direkten, die Aufgesetzt-Bl\u00f6delnden. Drei Exempel angewandten Humors m\u00f6chte ich heute vorstellen: die aktuellen Krimis von Leo P.Ard, Jos\u00e9 Luis Correa und Robert B. 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