{"id":17099,"date":"2006-09-05T08:13:50","date_gmt":"2006-09-05T08:13:50","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/09\/thomas-h-cook-red-leaves\/"},"modified":"2022-06-14T02:59:11","modified_gmt":"2022-06-14T00:59:11","slug":"thomas-h-cook-red-leaves","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/09\/thomas-h-cook-red-leaves\/","title":{"rendered":"Thomas H. Cook: Red Leaves"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Dieses ist die zweite Besprechung eines der diesj\u00e4hrigen Kandidaten f\u00fcr den Edgar, Kategorie \u201eBestes Buch\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Auch die B\u00fccher Thomas H. Cooks wurden bisher nur sporadisch ins Deutsche \u00fcbertragen. Insgesamt sechs Mal wurde Cook f\u00fcr einen der Edgar nominiert. 1997 gewann \u201eThe Cladham School Affair\u201c den Preis f\u00fcr das \u201eBeste Buch\u201c. Einen durchschlagenden Markterfolg sicherte ihm dieses aber auch in den USA nicht. Bekannt f\u00fcr seine eigenst\u00e4ndigen und sehr literarischen Krimis geh\u00f6rt er zu der Kategorie der Autoren, die eher 10.000 als 100.000 B\u00fccher verkaufen. F\u00fcr das vorliegende Buch hatte er sich sogar einen neuen Verlag suchen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Mit \u201eRed Leaves\u201c ist ihm wieder ein au\u00dfergew\u00f6hnliches und \u201estilles\u201c Buch von bet\u00f6render Qualit\u00e4t gelungen. \u00dcber weite Strecken ist es ein Text \u00fcber eine Familie, bei der eines ihrer Mitglieder unter den Verdacht ger\u00e4t, am Verschwinden eines kleinen M\u00e4dchens beteiligt zu sein. Es zeigt, wie langsam, Schritt f\u00fcr Schritt, unter dem Druck des Misstrauens Risse im Gef\u00fcge der zuvor intakten Familie entstehen und dieses Gef\u00fcge zum Sprengen bringen k\u00f6nnen. Und in seinem Protagonisten, Eric Moore zeigt \u201eRed Leaves\u201c die zerst\u00f6rerische Kraft des Zweifels.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Moores sind eine ganz normale Familie der amerikanischen Mittelschicht. Sie leben seit mehreren Jahren in einer kleinen abgeschiedenen Stadt. Eric Moore hat ein kleines Fotogesch\u00e4ft aufgebaut und Meredith Moore ist Lehrerin an der lokalen Schule. Keith, der Sohn ist ein unauff\u00e4lliger Jugendlicher. Er hat wenige Freunde und muss sich in der Schule m\u00fchen. Die Familie scheint zufrieden in ihrem unauff\u00e4lligen Gl\u00fcck zu ruhen. Als ein M\u00e4dchen der Nachbarschaft verschwindet, am Abend als Keith dort babysittet, ger\u00e4t diese Welt aus den Fugen. Die ersten d\u00fcrren Aussagen des Sohnes scheinen den Eltern nicht unbedingt plausibel und so beginnt f\u00fcr sie eine Zeit der inneren Anspannung und des Gr\u00fcbelns.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eRed Leaves\u201c lebt nicht von der Handlung. Die Aufkl\u00e4rung des Verschwindens des M\u00e4dchens findet im Buch kaum statt. Eric Moore und seine Gedanken stehen im Zentrum. Die Polizei ermittelt und Keith ger\u00e4t in den Blickpunkt der Untersucher. Eric Moore gr\u00fcbelt und beobachtet: Die Gespr\u00e4che die er f\u00fchrt, l\u00e4sst er in sich nachwirken. Tief sinkt er in seine Gedankenwelt ein. Seine Eltern, sein Frau und sein Sohn. Alle unterzieht er seiner Analyse. \u00dcberall findet er kleine Umst\u00e4nde und beobachtet Gegebenheiten, die nicht zu dem passen wollen, was ihm erz\u00e4hlt worden war und so ger\u00e4t er tiefer und tiefer in den Strudel des Zweifels an seinen Familienmitgliedern.<\/p>\n\n\n\n<p>Stilistisch souver\u00e4n entwickelt Thomas H. Cook Eric Moores innere Welt. Dessen Schlussfolgerungen wirken plausibel und logisch. Nat\u00fcrlich, Thomas H. Cook braucht das R\u00e4tsel des Verschwindens, um dar\u00fcber seine Geschichte zu inszenieren, aber Aufkl\u00e4rung und R\u00e4tsel gibt es hier nicht (anders als es der Umschlagtext suggeriert). Die L\u00f6sung ist so willk\u00fcrlich wie das Ende der Geschichte der Familie Moore schl\u00fcssig ist. Bei all dem ist \u201eRed Leaves\u201c ein Buch voller knisternder Spannung.<\/p>\n\n\n\n<p>Am besten man \u00fcbersetzt es und schickt es den Leuten, die da immer noch meinen, Boileau &amp; Narcejac h\u00e4tte es nie gegeben, Krimiautoren w\u00e4ren limitiert und w\u00fcrden sich noch an den Genrerezepten der gro\u00dfen Drei orientieren.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Thomas H. Cook: Red Leaves. <br \/>Harcourt 2005. 289 Seiten. <br \/>(gebundene Ausgabe ab ca. 12 \u20ac, Taschenbuchausgaben ab ca. 9 \u20ac) <br \/>(noch keine deutsche \u00dcbersetzung)<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses ist die zweite Besprechung eines der diesj\u00e4hrigen Kandidaten f\u00fcr den Edgar, Kategorie \u201eBestes Buch\u201c. Auch die B\u00fccher Thomas H. Cooks wurden bisher nur sporadisch ins Deutsche \u00fcbertragen. Insgesamt sechs Mal wurde Cook f\u00fcr einen der Edgar nominiert. 1997 gewann \u201eThe Cladham School Affair\u201c den Preis f\u00fcr das \u201eBeste Buch\u201c. Einen durchschlagenden Markterfolg sicherte ihm [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":42,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ub_ctt_via":"","footnotes":""},"categories":[1070],"tags":[],"class_list":["post-17099","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-watching-the-detectives"],"featured_image_src":null,"author_info":{"display_name":"Bernd Kochanowski","author_link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/author\/bernd-kochanowski\/"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17099","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/42"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17099"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17099\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17099"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17099"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17099"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}