{"id":17137,"date":"2006-09-14T07:41:37","date_gmt":"2006-09-14T07:41:37","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/09\/friedrich-ani-idylle-der-hyaenen-letzter-teil\/"},"modified":"2022-06-07T01:20:29","modified_gmt":"2022-06-06T23:20:29","slug":"friedrich-ani-idylle-der-hyaenen-letzter-teil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/09\/friedrich-ani-idylle-der-hyaenen-letzter-teil\/","title":{"rendered":"Friedrich Ani: Idylle der Hy\u00e4nen. Letzter Teil"},"content":{"rendered":"\n<p><em>[Nach dem \u2192<a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2006\/09\/friedrich-ani-idylle-der-hyaenen-teil-eins.php\">ersten<\/a> und dem \u2192<a href=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2006\/09\/friedrich-ani-idylle-der-hyaenen-teil-zwei.php\">zweiten<\/a> Teil nun der Schluss unserer l\u00e4ngeren Betrachtung]<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>So. Der tr\u00fcgerische Moment ist vorbei. Und mit ihm die Illusion, Friedrich Ani habe in \u201eIdylle der Hy\u00e4nen\u201c \u201eGenregrenzen\u201c bewusst \u00fcbertreten. Sagen wir stattdessen die bittere Wahrheit: Friedrich Ani erweist sich in \u201eIdylle der Hy\u00e4nen\u201c als langweiliger, pfuschender, in h\u00f6chstem Ma\u00dfe uninspirierter Autor von \u201eKriminalromanen\u201c. Er muss, das ist meine feste \u00dcberzeugung, Kriminalromane verabscheuen und weist ihnen zum \u00e4u\u00dferen Zeichen seiner Verachtung eine Sprache zu, aus der so ziemlich alles, was Sprache zu Literatur macht, eliminiert wurde:<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eJe l\u00e4nger sein Furor ihn mitri\u00df, desto leidender wirkte sein Gesichtsausdruck, seine Gesten verwandelten sich in dramatisches Gefuchtel, und seine sachlich klingenden Aussagen, seine scheinbar intimen Bekenntnisse und seine monologischen Beschw\u00f6rungen trieben ihn in einen Zustand, den Polonius Fischer von vielen Zeugen und Verd\u00e4chtigen kannte, die in diesem Raum vor ihm gesessen und mit gro\u00dfem inneren Aufwand versucht hatten, den verhunzten Dingen ihres Lebens im nachhinein eine gef\u00e4llige, entschuldbare Gestalt zu verleihen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Dieser Satz geh\u00f6rt, wie das ganze Buch, wahrlich zu den verhunzten Dingen des Lebens, eine adjektiv- und erkl\u00e4rverliebt mit Sprachbeton ausgegossene Denkvertiefung, ein pars pro toto, wohlgemerkt, kein m\u00fchsam aus dem Text gefischtes Einzelbelegst\u00fcck. Dagegen wirkt irreparable Metaphernschiefe schon fast harmlos und humorig:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eVor allem musste er sich vor diesem Mantel aus Mitleid h\u00fcten, den er manchmal \u2013 entgegen aller Vernunft, seiner Erfahrung zum Trotz und mit einer fast h\u00e4mischen Theatralik \u2013 hervorkramte und der ihm schon w\u00e4hrend seiner Jahre in der Zelle niemals Linderung oder Geborgenheit verschafft, sondern ihn mit Selbstha\u00df erf\u00fcllt hatte.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ein Mantel, der erf\u00fcllt \u2013 morgen gleich zum Herrenausstatter schlurfen und solch ein Teil bestellen. Und wenn wir schon beim Konsumieren sind, gleich auch noch ein Dutzend Aphorismen der billigen Sorte f\u00fcr die n\u00e4chste intellektuelle Stehparty:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201e\u2019Und nehmen Sie Ihr Leben nicht allzu pers\u00f6nlich, Herr Flies.\u2019\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ich nehme diesen Roman pers\u00f6nlich. Er ist, m\u00f6glicherweise, nur das Dokument des grausigen Scheiterns, aus den Niederungen des Krimi in die H\u00f6henlagen der \u201eLiteratur\u201c zu h\u00fcpfen. Er ist, auch m\u00f6glicherweise, das Dokument einer gro\u00dfen Unlust, Krimi zu schreiben, es aber aus welchen Gr\u00fcnden auch immer tun zu m\u00fcssen. Er ist, abschlie\u00dfend, vielleicht das Dokument einer gro\u00dfen Verachtung von Krimilesern \u201eaus den gebildeten St\u00e4nden\u201c, denen hier die ranzigen Weisheiten vorgedacht werden, auf dass man sie folgenlos nach-denken und dieses Nach-Denken f\u00fcr den intellektuellen Mehrwert des Lesens halten kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Entschuldigungen werden nicht angenommen. Weder die, &#8222;Idylle der Hy\u00e4nen&#8220; sei ja \u00fcberhaupt kein &#8222;Krimi&#8220; (stimmt; aber es steckt im Gewand eines solchen und w\u00e4re auch in gr\u00f6\u00dfter Krimiferne nichts weniger als gegl\u00fcckt) noch die, der Autor verhandele existentiell wichtige Angelegenheiten, die s\u00e4mtliche Mittel heiligen w\u00fcrden. Nein; hier werden Dinge, die von kl\u00fcgeren K\u00f6pfen l\u00e4ngst aus der Plattheit herausgedacht worden sind, noch einmal in letztere zur\u00fcckformuliert. Das ist, so oder so oder so: mehr als \u00e4rgerlich.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Friedrich Ani: Idylle der Hy\u00e4nen. <br \/>Zsolnay 2006. 349 Seiten. 19,90 \u20ac<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[Nach dem \u2192ersten und dem \u2192zweiten Teil nun der Schluss unserer l\u00e4ngeren Betrachtung] So. Der tr\u00fcgerische Moment ist vorbei. Und mit ihm die Illusion, Friedrich Ani habe in \u201eIdylle der Hy\u00e4nen\u201c \u201eGenregrenzen\u201c bewusst \u00fcbertreten. 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