{"id":17152,"date":"2006-09-21T07:43:37","date_gmt":"2006-09-21T07:43:37","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/09\/laura-lippman-charm-city\/"},"modified":"2022-06-07T15:05:22","modified_gmt":"2022-06-07T13:05:22","slug":"laura-lippman-charm-city","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/09\/laura-lippman-charm-city\/","title":{"rendered":"Laura Lippman: Charm City"},"content":{"rendered":"\n<p>Mit ihren Kriminalromanen um die Privatermittlerin Tess Monaghan z\u00e4hlt die Amerikanerin Laura Lippman nun schon seit geraumer Zeit zu den Lieferantinnen solider Spannungsware. Perfekte, globaltaugliche Mischungen aus privaten Irrungen und kriminellen Wirrungen, im \u00fcberschaubaren Milieu Baltimores lokalisiert, einer Stadt, die sich selbst \u201eCharm City\u201c nennt, aber nat\u00fcrlich en d\u00e9tail so charmant nicht ist.<br \/>Eine amerikanische Mittelstadt, sportliche Provinz. Da trifft es sich gut, dass der reiche Gesch\u00e4ftsmann Gerard &#8222;Wink&#8220; Wynkowski eine komplette Basketballmannschaft kaufen und f\u00fcr Baltimore in die Profiliga schicken will. Gro\u00dfes Tamtam, doch, wir ahnen es schon, so schn\u00f6rkellos geht die Sache nicht \u00fcber die B\u00fchne.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Denn \u201eWink\u201c hat eine kriminelle Vergangenheit. Jugendlicher Leichtsinn, sagt er. K\u00f6rperverletzung mit Todesfolge \u2013 sagen die investigativen Journalisten der (fiktiven) Tageszeitung \u201eLeuchtturm\u201c. Als herauskommt, dass \u201eWink\u201c in seiner ersten Ehe auch noch zur schweren K\u00f6rperverletzung neigte, ist die Skandalstory perfekt. Aber soll man sie auch ver\u00f6ffentlichen? Die Chefredaktion z\u00f6gert, h\u00e4lt die Geschichte zur\u00fcck \u2013 und dann findet sie sich schlie\u00dflich auf mysteri\u00f6se Weise doch im Blatt. Wer ist daf\u00fcr verantwortlich? Man engagiert Tess, um das herauszufinden. W\u00e4hrend sie sich noch durch die verzwickten Hierarchien der Zeitung man\u00f6vriert, begeht \u201eWink\u201c Selbstmord.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dazu die privaten Irrungen. Tess\u2019 Onkel wird zusammengeschlagen, liegt im Koma, ein Windhund, merkw\u00fcrdigerweise in des Onkels Besitz geraten, besch\u00e4ftigt Tess, die langsam unsauberen und ziemlich schmutzigen Wettgesch\u00e4ften auf die Schliche kommt. Leichte amour\u00f6se Turbulenzen d\u00fcrfen nicht fehlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber ganz klar: Im Zentrum von \u201eCharm City\u201c steht der \u201eLeuchtturm\u201c mit seinen Intrigen und Karrierestrategien, seiner journalistischen Ethik und all den Tricks, mit denen man Moral auf Geschichten schreibt, in denen keine Moral zu finden ist. Die Beschreibung dieser Medienwelt mit ihrem Personal geht Lippman leicht von der Hand. Alles mag \u00fcberspitzt sein, findet sich als Blaupause aber durchaus im Alltag wieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00f6n erz\u00e4hlt, das alles. Manchmal witzig, immer mit lakonischer Distanz, auch im Moment privaten Ungemachs nicht larmoyant. Dass \u201eWinks\u201c Selbstmord letzlich Mord war und der \u00dcbelt\u00e4ter im kurzen Showdown \u00fcberraschend aus der Reihe der respektablen Figuren tritt, geh\u00f6rt zu Lippmans bew\u00e4hrten dramaturgischen Kniffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein lesenswerter Krimi, \u201eintelligente Unterhaltung\u201c nennt man das, ein Fach, in dem sich jenseits des Atlantik erstaunlich viele SchreiberInnen tummeln, deren Ehrgeiz nicht so weit reicht, uns die Welt zu zeigen, aber auch nicht so klein ist, uns lediglich mit der ewigen Antwort auf die Wer-wars-Frage abzuspeisen.<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Laura Lippman: Charm City. <br \/>Aufbau 2006. 338 Seiten. 7,95 \u20ac<\/pre>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit ihren Kriminalromanen um die Privatermittlerin Tess Monaghan z\u00e4hlt die Amerikanerin Laura Lippman nun schon seit geraumer Zeit zu den Lieferantinnen solider Spannungsware. 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