{"id":17153,"date":"2006-09-22T07:48:41","date_gmt":"2006-09-22T07:48:41","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/09\/harlan-coben-keine-zweite-chance\/"},"modified":"2022-06-07T01:43:38","modified_gmt":"2022-06-06T23:43:38","slug":"harlan-coben-keine-zweite-chance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/09\/harlan-coben-keine-zweite-chance\/","title":{"rendered":"Harlan Coben: Keine zweite Chance"},"content":{"rendered":"\n<p><em>(Vorbemerkung der Redaktion: Wir bitten unsere Leser, die in nachstehender Rezension vorkommenden Ausdr\u00fccke der F\u00e4kalsprache sowie das manchmal r\u00fcde Urteilen des Kritikers zu entschuldigen. Herr Jochen &#8222;The Kid&#8220; K\u00f6nig absolviert in unserem Hause eine Ausbildung zum Krimirezensenten, um hernach dem Arbeitsmarkt als Fachkraft zur Verf\u00fcgung zu stehen. In ihm brennt noch das hei\u00dfe Rezensentenfeuer der Jugend, zudem versetzen ihn der dritte Versuch des F\u00fchrerscheinerwerbs, die erste gro\u00dfe Liebe sowie aufwendige Strategien der Aknebek\u00e4mpfung in dauerhaften emotionalen Stress. Nichtsdestrotrotz sind wir davon \u00fcberzeugt, dass Herr K\u00f6nig seinen Weg in der Krimiindustrie machen wird.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Um es kurz zu machen: die ersten 327 Seiten sind schei\u00dfe. Oder um es f\u00fcr freundliche Leser, die mit F\u00e4kalsprache so ihre Schwierigkeiten haben, eloquenter auszudr\u00fccken: Qualit\u00e4tsdiametral. Figuren vom Rei\u00dfbrett, Handlung vom Rei\u00dfbrett, die Wiederkehr des Ewiggleichen, das sich unglaubliche M\u00fche gibt etwas Besonderes zu sein: es ist wie fr\u00fcher in den MAD-Heften:<\/p>\n\n\n\n<p>Schau &#8211; der Sch\u00f6nheitschirurg, der allerdings nicht aus Geldgeilheit alte Schlachtschiffe restauriert sondern ein soziales Gewissen hat!<br \/>Schau \u2013 die Ex-Geliebte, die zudem ehemalige FBI Agentin mit dunkler Vergangenheit ist.<br \/>Schau \u2013 die beiden Polizisten , wie sie dumm und sinnlos Papier vergeuden.<br \/>Schau \u2013 die Killerin, die k\u00f6nnte glatt einer Sitcom entlaufen sein. Keine Bange: sie ist.<br \/>Schau \u2013 der b\u00f6se Schwiegervater; schwerreicher Goldesel. Und sonst? Sonst nix. Doch, vielleicht ist er b\u00f6se.<\/p>\n\n\n\n<p>Schauwerte wohin man schaut. Und das ist eigentlich nur \u2013 fragen wir Homer Simpson &#8211; : \u201elaaaangweilig\u201c.<br \/>Dann taucht mit Verne Dayton, dem gem\u00fctvollen White-Trash-Redneck, der erste sympathische, in seinem Verhalten nachvollziehbare Charakter auf, die Handlung gewinnt an Fahrt und trudelt, wenn auch auf schlecht ge\u00f6lten Achterbahnschienen ihrem Nachdenklichkeit heuchelnden Ende entgegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mag sein, dass die Aufl\u00f6sung des Entf\u00fchrungs- schwere K\u00f6rperverletzungs- Mordfalles ein A-ha Erlebnis evoziert, es ist und bleibt ein Papiertiger, der durch einen Feuerreifen springt.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn alle Handlungen, alle Begebnisse dieses Buches passieren nur, damit dieses Ende halbwegs passt, damit jede \u00fcberraschende Wendung nicht nur \u00fcberraschend, sondern auch sinnf\u00e4llig erscheint \u2013 und das geht meistens in die Hose.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Leser interessiert mich die Intention des Autors nur m\u00e4\u00dfig, ich m\u00f6chte schl\u00fcssige Stories, nachvollziehbare Charaktere (deren Handlungsweisen durchaus bis ins Irreale reichen k\u00f6nnen), aber vor allem einen Gestus, der seine Figuren und Inhalte ernst nimmt. Und das findet sich bei \u201eKeine zweite Chance\u201c nirgendwo. Hier sind Schie\u00dfbudenfiguren unterwegs, die bedenkenlos geopfert werden, wenn es einer noch so mageren Pointe dient. Und das ist schlicht und einfach eklig. Denn Coben schreibt keine d\u00fcsteren Satiren \u00fcber diffuse \u201aKollateralsch\u00e4den\u2019 sondern Spannungsliteratur. Bisweilen nicht ungeschickt \u2013 was ich ihm bei seinem \u201eJust one look\u201c noch angerechnet habe. Aber wer sich mit dem \u201eMainstream\u201c anfreundet, kommt anscheinend darin um. Was vorliegendes Machwerk keineswegs eindrucksvoll unterstreicht. \u2013 doch in \u201eNo second Chance\u201c verhuscht er sich in eine S\u00f6ldnermentalit\u00e4t, die Figuren nur erschafft, um sie f\u00fcr einen Hauch an Aufmerksamkeit auf\u2019s Billigste \u00fcber die Klinge springen zu lassen. Man sollte meinen, dass so was kein Mensch braucht. Leider zeigen die Zeitl\u00e4ufe Gegenteiliges\u2026<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eDie Kugel durchschlug das Glas und drang in Tatianas rechtes Auge. Blut spritzte. Lydia dr\u00fcckte noch einmal ab, wobei sie die Waffe instinktiv senkte.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Der Schuss traf das zusammenbrechende M\u00e4dchen mitten in die Stirn. Aber die zweite Kugel war \u00fcberfl\u00fcssig gewesen. Der erste Schuss war durchs Auge direkt ins Hirn gedrungen und hatte Tatiana sofort get\u00f6tet.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Nicht nur die zweite Kugel, der gesamte Mord ist \u00fcberfl\u00fcssig. Er steht in keinem Sinnzusammenhang zur vorigen und nachfolgenden Handlung &#8211; au\u00dfer eine bestimmte Haltung zu provozieren:<br \/>Schau \u2013 wie cool die Killerin reagiert: ohne mit der Wimper zu zucken bringt sie eine schwangere Zeugin um die Ecke.<br \/>Schau &#8211; -was f\u00fcr ein Luder. Und sie kommt davon. Garantiert\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube, ich schrieb es schon: Eklig. Letztendlich auch nach Seite 327. Trotz Verne Dayton.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\">Harlan Coben: Keine zweite Chance. <br \/>Goldmann 2004. 446 Seiten. 8,95 \u20ac<\/pre>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Vorbemerkung der Redaktion: Wir bitten unsere Leser, die in nachstehender Rezension vorkommenden Ausdr\u00fccke der F\u00e4kalsprache sowie das manchmal r\u00fcde Urteilen des Kritikers zu entschuldigen. 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