{"id":17163,"date":"2006-09-25T07:56:24","date_gmt":"2006-09-25T07:56:24","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/09\/messefreuden\/"},"modified":"2022-06-15T00:14:48","modified_gmt":"2022-06-14T22:14:48","slug":"messefreuden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/09\/messefreuden\/","title":{"rendered":"Messefreuden"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Man zeige mir einen Krimifreund, der zum B\u00fcchergucken auf die Messe geht. Gibt es nicht. Gibt es n\u00e4mlich alles schon in den Katalogen. Und bei uns Gl\u00fccklichen, die wir f\u00fcr Krimis nichts zahlen m\u00fcssen, weil sich unser Lesen f\u00fcr die Verlage auszahlen soll, liegen die Dinger l\u00e4ngst auf dem Stapel. Frischware. Warum also nach Frankfurt reisen? Weil es dort so sch\u00f6n ist? Mal die Heidenreich gucken oder in Eva Hermans volle Blondheit? Nein, nein, da wei\u00df der Rezensent Besseres.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Am diesj\u00e4hrigen Buchmessedonnerstag wird mich mein erster Weg zum Verleger X. f\u00fchren, der meiner schon voller Ungeduld und Sorge harrt. Meine Stirn legt sich, kaum bin ich es des Mannes angesichtig, in schwerste Falten. \u201eOh, oh, das war wohl nix mit dem Herbstprogramm diesmal, gelt?\u201c werde ich ihn schockieren. \u201eHab gerade mit den Kollegen A, B und C gesprochen, die haben was von Totalverriss gemurmelt. Tz, tz. Beim K-Verlag hats ja genauso angefangen. Ein schlechtes Programm, und in der n\u00e4chsten Saison waren sie pleite. Na, Sie schaffen das schon!\u201c Ich verlasse einen gebrochenen Mann.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein n\u00e4chster lieber Verleger, der souver\u00e4ne P., ist mit solchen Methoden nicht aus der Fassung zu bringen. Sollen sie doch verrei\u00dfen, denkt er, mein Metier ist schlie\u00dflich nicht der gelobte Krimi, sondern der verkaufte. Und meine Klientel hat schon M\u00fche, sich durch den Krimi zu lesen, die werden den Teufel tun und sich auch noch Rezensionen reinziehen! \u2013 Ich beuge mich ganz diskret zu ihm hin, so dass ich die H\u00e4rchen in seinem Ohr z\u00e4hlen kann, und murmele: \u201eWeil Sie mir so sympathisch sind, lieber P. Ein hei\u00dfer Tipp. Ich sag nur: Winzerkrimi. &#8212; Von einer Frau! Einer Frau, sag ich Ihnen! Mischung aus Greta Garbo und Lolita, ja, ja, Minirocktr\u00e4gerin, nat\u00fcrlich, wo denken Sie hin! Wenn die ein Bein \u00fcbers anders schl\u00e4gt, haben sie gleich 100 Exemplare verkauft und, glauben Sie mir, die Frau macht fast nichts anderes, als ein Bein \u00fcbers andere zu schlagen. &#8212; Nein, Sie wird auch bei Kerner auftreten. Sie f\u00fcrchtet weder Tod noch ZDF. Nicht billig, die Dame, nu&#8230; 25.000 Vorschuss werden Sie schon abdr\u00fccken m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem ein kleines B\u00fcndel Bares gegen einen verschw\u00f6rerisch gehauchten Namen plus Telefonnummer eingetauscht wurde, setze ich meinen diesj\u00e4hrigen Gang durch das Labyrinth der wortgewordenen Kultur fort. \u201eSchon geh\u00f6rt? Dan Brown sucht einen neuen deutschen Verleger. Sein Agent ist gerade um die Ecke&#8230;\u201c Schon werden f\u00fcr gew\u00f6hnlich tr\u00e4ge Unternehmerk\u00f6rper in so niemals f\u00fcr m\u00f6glich gehaltene Agilit\u00e4t versetzt, werden Bierb\u00e4uche mit 40 Stundenkilometern hinter imagin\u00e4ren Agenten hergetragen. Soll halt gesund sein, das Rennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ah! Am Zsolnay-Stand hat Friedrich Ani Signierstunde! Gleich anstellen, die Schwarte habe ich vorsorglich einstecken. Netter Mann. \u201eDarfs was Pers\u00f6nliches sein? Was soll ich schreiben?\u201c Ich will schon den Mund aufmachen, um den Namen \u201eDetlef H\u00fcberkamp\u201c zu nennen, da taucht, keine zwei Meter hinter mir, Freund Menke auf. \u201eHallo DPR, altes Haus!\u201c ruft er, Anis Schreibflu\u00df ger\u00e4t abrupt ins Stocken, sein vom Gottsuchen m\u00fcdes Auge sucht nach einer Mordwaffe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, es wird wieder sch\u00f6n werden. Buchmesse 2007. Meine letzte vielleicht. Kommt drauf an, ob ich schneller rennen kann als ein von T\u00f6tungsabsichten getriebener Dichter.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man zeige mir einen Krimifreund, der zum B\u00fcchergucken auf die Messe geht. Gibt es nicht. Gibt es n\u00e4mlich alles schon in den Katalogen. Und bei uns Gl\u00fccklichen, die wir f\u00fcr Krimis nichts zahlen m\u00fcssen, weil sich unser Lesen f\u00fcr die Verlage auszahlen soll, liegen die Dinger l\u00e4ngst auf dem Stapel. Frischware. 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