{"id":17201,"date":"2006-10-16T07:59:36","date_gmt":"2006-10-16T07:59:36","guid":{"rendered":"http:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/10\/wenn-maenner-leiden\/"},"modified":"2022-06-07T00:39:44","modified_gmt":"2022-06-06T22:39:44","slug":"wenn-maenner-leiden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hinternet.de\/blog\/2006\/10\/wenn-maenner-leiden\/","title":{"rendered":"Wenn M\u00e4nner  leiden"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hinternet.de\/weblog\/2006\/cover\/wickius.GIF\" alt=\"wickius.GIF\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>(Auch wir haben jetzt endlich unseren Serienhelden. Kommissar Wickius: erfahren, helle, vor allem aber: belesen. Er kennt die Verbrechens- und Kriminalliteratur der letzten ca. 2500 Jahre in- und auswendig, er l\u00f6st jeden Fall, indem er das literarische Muster daf\u00fcr sucht. Und Sie? Wissen auch Sie, welche klassischen F\u00e4lle den hier in loser Folge geschilderten Mordtaten zu Grunde liegen? Dann nichts wie ran an die Kommentarfunktion!)<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u201eSCHEISSE! Alles SCHEISSE!! Die Welt!!! SCHEIS-SEEEEE!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mann im wei\u00dfen Kittel l\u00e4chelte entschuldigend. \u201eSo geht es halt manchmal zu in Psychiatrien, Herr Kommissar. Man gew\u00f6hnt sich dran.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Kommissar Wickius nickte bed\u00e4chtig. \u201eWarum sollte es bei Ihnen anders sein als in der Welt, dem gr\u00f6\u00dften Irrenhaus?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Doktor Sporn nickte irritiert zur\u00fcck. \u201eJa, ja, Sie in Ihrem Beruf sehen nat\u00fcrlich&#8230;aber unsere Verr\u00fcckten sind keine M\u00f6rder.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wickius stand auf. \u201eDas war das Stichwort, Herr Doktor. Im Garten Ihrer Einrichtung ist ein Mord geschehen. Eine Frau, bestialisch geschlachtet. Messerk\u00fcnstler. Elfriede Gotthelf. Nie geh\u00f6rt den Namen? Nie gesehen das Opfer?\u201c<br \/>Auch Dr. Sporn erhob sich jetzt und wanderte im Zimmer auf und ab, ein leichtes Gr\u00fcbeln in der Mimik.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein. Tut mir leid. Ist mir unerkl\u00e4rlich. Der Garten \u00fcbrigens f\u00fcr jedermann zug\u00e4nglich. Wir sind hier schlie\u00dflich kein Gef\u00e4ngnis.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNat\u00fcrlich nicht\u201c, best\u00e4tigte Wickius. \u201eVielleicht eine Patientin aus einem anderen Bereich? Herz, Leber, Lunge?\u201c<br \/>Dr. Sporn setzte sich vor seinen Computer, tippte routiniert Buchstaben und Zahlen. \u201eDas haben wir gleich, Herr Kommissar. Unsere Universit\u00e4tsklinik ist schlie\u00dflich vernetzt. Wie sagten Sie? Gotthelf, Elfriede? Hm, nein&#8230;aber einen Gotthelf gibt es in der Inneren. Werner. Ob da vielleicht?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSie haben mir sehr geholfen, Herr Doktor. Wie komme ich in die Innere?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUND WISSEN SIE, WAS MAN HIER F\u00dcR K\u00c4SEBROTE VERLANGT? VIER EURO! UND SCHEIBLETTEN SINDS AUCH NOCH! SCHSCHSCHSCHEISSS\u00c4\u00c4\u00c4\u00c4-\u00c4\u00c4\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wickius blies energisch die Luft aus der Lunge, als sich die T\u00fcr der psychiatrischen Abteilung hinter ihm schloss. Dann doch lieber die stillen M\u00f6rder, dachte er und trat, von finsteren Gedanken (Ehefrau, Karriere, Gesundheitsreform) geplagt, ins Freie. Viel Wind aus n\u00f6rdlicher Richtung.<\/p>\n\n\n\n<p>***<\/p>\n\n\n\n<p>Der Krankenpfleger war ein Klotz von Mann. Zwei Meter, zwei Zentner und zwanzig Kilo Wampe obendrauf. Wirkte aber ruhig und sanft. Langsam schlenderte er \u00fcber den Flur, damit die einhundertzweiundsiebzig Zentimeter Wickius Schritt halten konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMein Gott&#8230;Frau Gotthelf? Ja, ja, Ihr Mann liegt hier&#8230;schwere innere Verletzungen, von den \u00e4u\u00dferen gar nicht zu reden. Prellungen, Verstauchungen&#8230;\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnfall?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Riese z\u00f6gerte und blieb stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNun ja&#8230;wie soll ich sagen&#8230;ja, das hei\u00dft: eigentlich nein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, nein? Eigentlich was?\u201c fragte Wickius ungeduldig.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist so, Herr Kommissar: Herr Gotthelf wurde vorige Woche in die Notaufnahme gebracht. Von der Polizei \u00fcbrigens. Die war wohl von Nachbarn gerufen worden, weil&#8230;nun, weil eben&#8230;Ruhest\u00f6rung, verstehen Sie? Ein h\u00e4uslicher Konflikt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch verstehe NICHT. Wollen Sie sagen, dass ihn seine Frau&#8230;\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGenau das. Was nicht \u00fcberrascht. Herr Gotthelf ist 55 Jahre alt, Bilanzbuchhalter, einssechzig gro\u00df, sehr schlank. Und seine Frau&#8230;Sie haben sie ja wohl gesehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Und ob, dachte Wickius. Die Physiognomie einer Ringk\u00e4mpferin, gute Einsachtzig, wahrscheinlich immer doppelte Mahlzeiten mit viel Schmalz und Butter.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHat Frau Gotthelf ihren Mann besucht?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEinmal. Es war schrecklich. F\u00fcnf Minuten. Danach musste ich die Frau aus dem Zimmer weisen. Sie hat ihm gedroht. Warte mal, wenn du wieder heimkommst und solche S\u00e4tze. Der Mann stand am Rande eines Herzinfarkts.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>***<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Stunden sp\u00e4ter im B\u00fcro.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer Mann kanns nicht gewesen sein, der ist bettl\u00e4grig.\u201c kombinierte Polizeiassistent Oberschiller und begutachtete seine gefeilten Fingern\u00e4gel. Wickius nickte unmerklich.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas wird ein schwieriger Fall!\u201c st\u00f6hnte Oberschiller und schaute gespannt zu seinem Chef, der sich erhoben hatte, den Mantel anzog und im Begriff stand, Feierabend zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSie machen Schlu\u00df f\u00fcr heute, Chef? Und wie geht\u2019s weiter? Ich tippe ja auf einen von diesen Verr\u00fcckten in der Klapsm\u00fchle. Sollen wir die alle verh\u00f6ren?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wickius, schon in der T\u00fcr, drehte sich um.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWozu denn, mein Lieber? Der Fall ist doch abgeschlossen. Ich gehe jetzt bei der Staatsanwaltschaft vorbei und lasse mir den Haftbefehl ausstellen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Oberschiller \u00f6ffnete den Mund zu einem sprachlosen O.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, ja\u201c, winkte Wickius ab, \u201eSie mit ihrer literarischen Unbildung. H\u00e4tten Sie das Buch gelesen, w\u00fcssten Sie auch, wie es gewesen sein muss und wer es gewesen sein muss. Gibt\u2019s als Taschenbuch \u00fcbrigens. In jeder Buchhandlung vorr\u00e4tig. Bestseller. Sch\u00f6nen Abend noch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Auch wir haben jetzt endlich unseren Serienhelden. Kommissar Wickius: erfahren, helle, vor allem aber: belesen. 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